Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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Andreas Unterberger, 27. Feb. 2014

Es gibt keinen Politiker, keinen Ökonomen, der nicht schon verlangt hätte: „Mehr Bildung!“ Ohne Vorsprung in Bildung, Forschung und Ausbildung besteht in der Tat Null Chance, dass in Österreich auch künftig höhere Gehälter bezahlt werden als in 99 Prozent der übrigen Welt, dass unser aufwendiges Wohlfahrtssystem wenigstens halbwegs weiterbestehen kann. Jedoch sind Politiker wie Ökonomen naturgemäß völlige Laien in Sachen Bildung. Daher ist es sehr erstaunlich, dass sie sich ständig zu den konkreten Bildungs-Details ohne Kontakt mit den einschlägigen Profis äußern.

Profis sind eindeutig und vor allem die Pädagogen, vom Kindergarten bis zur Universität. Während man mit kranken Zähnen zum Zahnarzt geht, und beim Bau eines Hauses zu Baumeister und Architekt, hält sich jeder beim Thema Bildung selbst für einen Experten. Offenbar weil jeder Politiker und Ökonom (vermutlich) selber einmal in der Schule war. Nur: Sie waren ja auch schon in Tausenden Häusern, die gefallen oder nicht gefallen haben. Und trotzdem bauen sie nicht eigenhändig ein Haus. Ich würde es jedenfalls nur ungern betreten.

Spricht man mit Experten, lernt man viele Fakten, die in der Parteien-Diskussion nie vorkommen – wohl auch weil sie zum Teil unangenehm sind:

Österreich hat ein Zuwanderer-Problem. Würde man alle jene aus der Statistik nehmen, die daheim nicht deutsch sprechen, wäre Österreich bei allen Vergleichen besser als das fast zuwanderungslose Finnland.
Unser Schulsystem braucht viel mehr Vielfalt und nicht noch mehr verordnete Vereinheitlichung, um auf die unterschiedlichen Aufgaben einzugehen (das sollten gerade Ökonomen begreifen, die sonst ja auch überall Vielfalt und Wettbewerb rühmen).
Die moderne Genetik sagt uns, dass Intelligenz zu 50 bis 80 Prozent vererbt ist. Daher ist jede Politiker-Kritik an „Bildungs-Vererbung“ nur lächerlich. Denn es ist positiv, wenn eine Gesellschaft auch schon bei den Eltern Aufgaben und damit Einkommen stark nach der Qualifikation verteilt, und nicht etwa nach Klasse oder Stand.
Das, was nicht durch Genetik vererbt wird, wird weitestgehend bis zum zweiten bis vierten Lebensjahr durch die Umwelt, also meist die Eltern geprägt. Daher ist es entsetzlich dumm, wenn Politiker klagen, dass irgendwelche Weichen „schon“ mit zehn gestellt würden. Die Weichen werden vielmehr schon lange vorher gestellt. Daher ist auch jeder Druck entsetzlich dumm, beide Eltern möglichst bald nach einer Geburt wieder voll in den Job zu schicken.
Einer der wichtigsten Schlüssel zur Verbesserung des Bildungssystems wäre es, wenn so wie auch in Finnland aufnehmende Schulen – bis hinauf zu den Unis, zu Bachelor- und Masterstudien über Zulassungen entscheiden und nicht die abgebenden. Das macht den Feind Lehrer zum Coach und Verbündeten. Da hilft dann kein „Bravsein“.


Alles mit Kommentaren bei Andreas Unterberger, 27. Feb. 2014


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