Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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Von: "Gertraud Burtscher" <Gertraud.Burtscher@gmx.at>
Datum: 20.05.2018 12:34
Betreff: Bericht über Hungerstreik am 18.05.2018

Liebe Landsleute,

am 18. Mai fand der Hungerstreik der "Oma-Revolte" vor dem Bregenzer Landhaus statt. Mit diesem sollte sanfter Nachdruck für unsere Bitte an die Landesregierung um einen "Anerkennungsbeitrag für Erziehungsarbeit" für vor 1955 geborene Mütter erzeugt werden.

Ich rechnete mit nur fünf bis sechs Teilnehmerinnen, da ja viele der alten Mütter gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, diese Strapaz auf sich zu nehmen. Auch hat die Schmutzkübelkampagne gegen mich viele verschreckt, was ja wohl in der Absicht dieser Kampagne lag. Ich hatte doch in jungen Jahren tatsächlich naiv geglaubt, in einer Demokratie könne man ohne Nachteile in einer legalen Partei mitarbeiten, solange man sich streng an die gesetzlichen Regelungen hält...

Schlussendlich waren wir aber doppelt so viele. Elf Teilnehmer hungerten bei strahlendem Sonnenschein am Platz, immer wieder kam uns jemand für einige Zeit besuchen. Eine junge Dame besuchte uns und gab bekannt, dass sie ebenfalls aus Solidarität zu ihrer (zehnfachen) Mutter hungert, dies aber zu Hause tun müsse. Also waren wir zwölf.

Es waren dies Ilse aus Gortipohl, Christine aus Feldkirch, Brigitte aus Bregenz, Annemarie aus Meiningen, Ilse aus Göfis, Bernadetta aus Feldkirch, Zita aus Laterns, Monika aus Götzis, Margret aus Tschagguns, Rudolf aus Perchtoldsdorf bei Wien und Gertraud aus Bludesch + die oben genannte junge Frau.

Ich ließ eine Liste für die Nachkommen herumgehen. Diese zwölf Personen haben derzeit insgesamt 134 Nachkommen. Viele davon gehen bereits einer Erwerbstätigkeit nach, und das zum größten Teil in Vorarlberg. Man stelle sich jetzt vor, wir hätten aus "Eigenverantwortung", deren Fehlen man uns heute von gewisser Seite oft vorhält, nur null bis zwei Kinder gehabt, wie es heute üblich ist. Dann fehlten heute mindestens 110 Facharbeiter, Gastgewerbepersonal, Krankenschwestern, Lehrer, EDV-Techniker, (Bilanz)buchhalter, Polizisten etc. etc.

Natürlich hätte man diese Arbeitskräfte auch - wie in den letzten Jahrzehnten üblich - aus Drittländern holen können. Doch damit wird es ja nicht besser. Das Ausnützen der Arbeitskraft der Mütter verlegte sich ja nur von inländischen auf ausländische Mütter. Denn auch ein EDV-Techniker aus einem exotischen Land hat eine Mutter, die vielleicht dort jetzt hungern muss, weil es in ihrerm Land kein Sozialwesen gibt und die sie unterstützenden Kinder fort sind. Und Entwicklungsländern entzieht man junge tüchtige Kräfte, die zur Entwicklung nötig wären.

Gesprochen haben Dr. Rudolf Gehring der CPÖ aus Wien, ein Unterstützer der ersten Stunde, eine Mutter, die den netten Mundartaufsatz von Helga Schwärzler vorlas, und ich. Michael Ritsch von der SPÖ war entgegen vorheriger Zusicherung verhindert, besuchte uns aber für einige Zeit, um seine Unterstützung zu dokumentieren. Er und Manuela Auer haben am 17. Mai einen Antrag beim Vorarlberger Landtag eingebracht, in dem unsere Forderungen enthalten sind. Dieser Antrag wird voraussichtlich am 5. Juli 2018 im Landtag behandelt werden. Da die Freiheitlichen bereits vorigen Sommer einen ähnlichen Antrag eingebracht hatten, der aber abgelehnt worden war, rechne ich mit einer Zustimmung zumindest der FPÖ zu diesem Antrag, besonders da im Antrag Raum für Diskussionen eingeräumt ist.

Grün Schwarz und Pink haben es nicht für nötig gehalten, mir Antwort auf meine Einladung zu geben. Allerdings hörte ich, dass von Seiten der ÖVP per Medienaussendung behauptet würde, das sei nicht Sache des Landes, sondern Bundessache. Dem muss man entgegenhalten, dass es so ein Gesetz überhaupt noch nicht gibt. Es handelt sich ja nicht um eine "Pension", sondern nur um einen Anerkennungsbeitrag. Die Schwarzenberger und die Berndörfler aus Salzburg haben ja auch nicht gefragt, ob der kleine Anerkennungsbeitrag, den sie den jungen Müttern geben, Bundes-, Landes- oder Gemeindesache ist, sondern einfach gehandelt.

Wie man der blitzartigen Änderung der Volksabstimmungs-Regelung in Bezug auf IKEA entnehmen kann, wäre es für die Vorarlberger Landesregierung binnen kürzester Zeit möglich, eine entsprechende Regelung zum Vorteil der alten Mütter zu beschließen.

Selbstverständlich ist uns egal, ob wir den "Anerkennungsbeitrag" vom Land oder Bund erhalten. Es ist also nichts dagegen einzuwenden, wenn sich die ÖVP und FPÖ mit etwas mehr Elan als bisher bei den derzeit regierenden Parteikollegen in Wien einsetzten. Leider hat nämlich Herr Strache sein vorher gegebenes vollmundiges Unterstützungsversprechen bisher nicht eingehalten, hat es also glatt vergessen, seit er Vizekanzler ist. Der junge fesche Herr Kurz hat uns ohnhin von Anfang an ignoriert. Aber das ändert nichts daran, dass wir - bis es vielleicht einmal eine solche Regelung geben wird - inzwischen ein Einlenken der Vorarlberger Landesregierung erwarten. Man vergesse nicht, dass die damalige grüne Spitzenkandidatin Lunacek die erste war, die uns seinerzeit Unterstützung zugesagt hat. Vielleicht können sich also auch die Vorarlberger Grünen zu der Erkenntnis durchringen, dass wir alten Mütter die vielfachen Möglichkeiten der heutigen Frauen nicht hatten, es also nicht unsere "Schuld" ist, dass wir neben den Kindern oder den zu betreuenden Alten nicht berufstätig waren.

Da sowohl die "Vorarlberger Nachrichten" als auch die "Neue" und der ORF Vorarlberg einen Bericht über unseren Hungerstreik gebracht haben, wofür ich mich recht herzlich bedanken will, ist anzunehmen, dass die berechtigten Anliegen der alten Mütter auch weiterhin Beachtung finden werden. Wir werden jetzt die Reaktionen der Landtagsparteien genau verfolgen und uns dann vor den Landtagswahlen im nächsten Jahr erlauben, eine Wahlempfehlung herauszugeben. Ich will jetzt natürlich nicht behaupten, dass wir die "Superkraft" in der politischen Landschaft sind, aber ein paar Wählerstimmen mehr oder weniger wird das schon bringen, was dann unter Umständen einen Abgeordneten mehr oder weniger bedeuten kann.

Bis dahin werde ich mich bemühen, der "Span im Fleisch" zu sein. Sicher ist, dass noch irgend eine Aufsehen erregende Aktion rechtzeitig vor den Wahlen stattfinden wird. Die totgesagte und totgehoffte "Oma-Revolte" ist nicht tot. Sie wird erst mit mir sterben. Das verspreche ich allen alten Müttern, für die ich so eine Art "Lichtgestalt" der Hoffnung geworden bin.

Ehrlich wie ich bin, möchte ich aber auch betonen, dass ich nicht nur für die anderen Mütter kämpfe, sondern auch für mich selbst. Die öffentliche Hand hatte in den letzten 11 1/2 Jahren durch meine späte Berufstätigkeit an Einsparungen von Sozialleistungen und eingehobenen hohen Steuern und Abgaben einen Vorteil von sage und schreibe mehr als EUR 220.000,00. Trotzdem bin ich mit meiner Pension immer noch unter dem Ausgleichszulagenrichtsatz von ca. EUR 900,00. Das bedeutet für die altersgemäß (75) in naher Zukunft zu erwartende Beendigung meiner Berufstätigkeit weiterhin Abhängigkeit von Sozialleistungen, wenn ich nicht verhungern will. Ich fühle mich also wie die sprichwörtliche "ausgenommene Weihnachtsgans". Aber das hat, mit Ausnahme des roten Sozialreferenten im August 2017, bisher niemanden interessiert.

Nochmals wiederhole ich aber mein Angebot: Sobald irgendeine Organisation oder Partei anfängt, sich engagiert für das Anliegen der alten Mütter einzusetzen, also nicht nur mit Briefen und Anträgen, sondern voll mit Aktionen und Presseaussendungen etc. etc., werde ich mich sehr gerne zurückziehen.

Prädestiniert dafür wären der "Katholische Familienverband" oder die ARGE österr. Bäuerinnen, aber die getrauen sich offenbar nicht, sich mit der ÖVP anzulegen.

Sie hören sicher wieder von mir. Versprochen! Bis dahin

herzliche Grüße

Mag. Gertraud Burtscher
6719 Bludesch, Hauptstraße 32b/14
0664/32 31 745


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HINWEISE:

Ein Dutzend gute Gründe für ein Elterngehalt

Pflegegeld für Kinder

Frau 2000plus - Birgit Kelle

Bitte lesen Sie auch zum Thema "Verstaatlichung der Kinder" auf
Familienpolitik.eu oder auf schreibfreiheit.eu

Ich bin als Familienvater bestürzt über diese Tendenz.
Ich würde das unseren Kindern nie antun wollen....


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