Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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PostPosted: 18.04.2008, 21:20 
„Wählen wir die Liebe“: Gabriele Kuby ermutigt zum Aufbruch in eine Kultur des Lebens
Vortrag im Rahmen des Internationalen Kongresses „Treffpunkt Weltkirche“ 2008


AUGSBURG, 12. April 2008 Zenit.orgUnter dem Motto „Zeit, vom Schlafe aufzustehen“ (vgl. Röm 13,11) findet noch bis morgen, Sonntag, in Augsburg der 3. Internationale Kongress „Treffpunkt Weltkirche“ statt. Die Veranstaltung des internationalen pastoralen Hilfswerks Kirche in Not wurde bisher von rund 2.000 Menschen besucht. 



In einem Impulsreferat machte die Schriftstellerin Gabriele Kuby heute, Samstag, den Teilnehmern Mut, engagiert für das Leben und die Würde jedes Menschen, eine echte Kultur des Lebens, einzutreten.
* * *
Mir ist die ehrenvolle Aufgabe übertragen worden, das Impulsreferat zu diesem Podium zu halten. Ehrenvoll deswegen, weil hier Menschen sitzen, die mit ihrer ganzen Lebensenergie, mit großer Ausdauer und Unerschrockenheit seit Jahrzehnten für die Bewahrung des Lebens kämpfen – von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod. Jeder hier könnte statt meiner dieses Eingangsreferat halten.

Wir machen das Leben nicht, wir empfangen es. Die Sprache weist uns darauf hin, dass das Leben jedes Menschen ein Geschenk ist, ein Geschenk, das wir von Gott empfangen – und das deswegen heilig und unantastbar ist. Auf der erste Seite der Bibel heißt es: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“ Diese Offenbarung Gottes hat sich in den Verfassungen der westlichen Welt niedergeschlagen. Niemand denkt höher vom Menschen als Gott selbst und jene, die daran glauben, dass er eine unsterbliche Seele besitzt und zum ewigen Leben berufen ist.

Das bringt uns in ein Dilemma: Wir wollen gerne ein Abbild Gottes sein – das ist auf jeden Fall attraktiver als ein höher entwickelter Affe –, aber wir wollen uns nicht einem Schöpfer verdanken und versteifen uns deswegen sogar darauf, vom Affen abzustammen. Wir wollen sein wie Gott. Wir wollen selbst entscheiden, was gut und was böse ist, was lebenswert und was lebensunwert ist. Wir wollen selbst Herr über Leben und Tod sein.

Schon Adam und Eva sind dieser Versuchung erlegen, was sie bekanntlich das Paradies gekostet und sie dem Tod unterworfen hat. Die Versuchung ist heute dieselbe, allerdings sind unsere technischen Mittel unerhört viel größer, um – wie Benedikt XVI. es formuliert hat – „in die Brunnenstube des Lebens hinabzusteigen“ und dort nach eigenem Gutdünken zu schalten und zu walten.

Angenommen, wir wären bei der christlichen Offenbarung geblieben, dass das Leben heilig ist, das heißt unantastbar, beginnend mit der Verschmelzung von Ei und Samenzelle im Mutterleib und endend mit dem letzten Herzschlag. Was würde uns entgehen?

-- Wir könnten die Zeugung des Menschen nicht aus der Umarmung von Mann und Frau in die Petrischale ins Labor verlegen.
-- Wir könnten an Ei und Samenzelle keine genetischen Veränderungen vornehmen.
-- Wir könnten den Menschen nicht klonen.
-- Wir könnten keine Chimären herstellen, Mischwesen aus Mensch und Tier.
-- Wir könnten Embryonen nicht zu Medikamenten verarbeiten.
-- Wir könnten kleine Menschen, die uns nicht in die Lebensplanung passen, nicht im Schoß der Mutter umbringen.
-- Wir könnten sie nicht wegen eines Verdachts auf Behinderung selektieren, notfalls unmittelbar vor ihrer Geburt.
-- Wir könnten alte Menschen, die leiden und die vielleicht das Leben der Jungen beschweren, nicht töten.

Würde uns wirklich etwas entgehen , wenn wir dies alles nicht täten?

In einigen Ländern Europas ist dies alles bereits legalisiert. Gestern hat sich die große Mehrheit unserer Abgeordneten, also auch die Mehrheit der Abgeordneten, die sich christlich nennen, für die Verschiebung des Stichtages entschieden. Schade! Deutschland hätte eine Chance gehabt, in Fragen der Bioethik für die Welt einen Maßstab zu setzen. Frau Kaminiski hat gestern mit einer Mahnwache vor dem Reichstag vergeblich versucht, die Abgeordneten an ihr Gewissen zu erinnern.

Was das Zerbrechen von Maßstäben angeht, so hat England unter dem früheren Premierminister Tony Blair, die Vorreiterstelle eingenommen. Tony Blair wurde vor wenigen Monaten in die katholische Kirche aufgenommen und kämpft nun als Katholik an vorderster Front der Homolobby.

Legalisieren heißt: Parlamente entscheiden, dass das Leben des schwachen Menschen vom starken Menschen manipuliert und getötet werden darf. Nicht die Erkenntnis der Wahrheit über den Menschen ist Grundlage der Gesetzgebung, sondern die Entscheidung der Mehrheit der Parlamentarier, die alle vier Jahre gewählt werden wollen, um dann eine Politik zu machen, welche ihnen die Wiederwahl in weiteren vier Jahren garantiert…. Papst Benedikt nennt dies „die Diktatur des Relativismus“.

Päpste haben die Gabe, Wahrheit so zu formulieren, dass sie zum Stein des Anstoßes wird. Wahrheit, die im konkreten historischen Augenblick nicht zum Stein des Anstoßes wird, geht unter. Allerdings ertrinkt sie nicht. Sie wartet auf Menschen, die bereit sind, sie zu bekennen und selbst zum „Zeichen des Widerspruchs“ zu werden. Solche Menschen sind selten. Hier, auf diesem Kongress, wimmelt es geradezu von ihnen.

Johannes Paul II. prägte den Begriff von der „Kultur des Todes“. Indem wir der irrwitzigen Versuchung erliegen, Probleme des Lebens durch Töten des Lebens zu lösen, schaffen wir eine Kultur des Todes.

Hier sitzt Professor Birg, der seit Jahrzehnten Alarm schlägt und versucht, Politiker und Öffentlichkeit auf die bedrohliche Bevölkerungsentwicklung hinzuweisen. Seit dem Pillenknick in den siebziger Jahren liegt sie auf Aussterbekurs. Jede neue Generation der
Ureinwohner fast aller europäischen Länder ist um ein Drittel kleiner als die vorhergehende. Eine solche Bevölkerungsdezimierung ist bisher nur der Pest und dem dreißigjährigen Krieg gelungen. Trotzdem wird die Parlamentarische Versammlung des Europarats nächste Woche über den Antrag der österreichischen SPÖ-Abgeordneten Gisela Wurm entscheiden, die Abtreibung zu legalisieren. Die Tötung des ungeborenen Menschen galt bisher als Unrecht, ein Unrecht auf dessen Bestrafung der Staat verzichtet hat. Nun soll es ein Recht werden, ja sogar ein Menschenrecht. Im selben Antrag wird auch gefordert, dass Verhütungsmittel staatlich finanziert werden sollen, die Sexualerziehung der Jugendlichen über Verhütungsmethoden verpflichtend sein soll.

Die westliche Gesellschaft ist stolz auf die Aufklärung, der sie die bedingungslose Verpflichtung auf wissenschaftliche Rationalität zu verdanken glaubt. Ist es nicht merkwürdig, dass sie nicht schon aus rein rationalen Gründen der Selbsterhaltung die Abtreibung ächtet?

Ist es nicht merkwürdig, dass der Staat die Jugend durch den Pflicht-Sexualunterricht in die entmoralisierte und demoralisierende Frühsexualität hineintreibt und sie zu Verhütungsexperten ausbildet? Warum wird die Jugend nicht zur Familienfähigkeit erzogen?

Ist es nicht merkwürdig, dass der Staat mit aller Macht die Gender-Ideologie in die Feinstruktur der Gesellschaft hineintreibt und schon im Kindergarten anfängt, die Kinder in ihrer natürlichen Geschlechtlichkeit umzupolen? Die „Gender-Perspektive“ besagt, dass es zur Freiheit des Menschen gehöre, sein Geschlecht – Sie haben richtig gehört! – sein Geschlecht und seine sexuelle Orientierung frei zu wählen. Dies ist seit 1999 „Leitprinzip und Querschnittsaufgabe der deutschen Politik“. Die Europäische Union kämpft mit zunehmen totalitären Mitteln darum, dass Gender-Mainstreaming Leitprinzip aller Mitgliedstaaten wird. Falls Sie davon nichts wissen, wundern Sie sich nicht: Gender-Mainstreaming wird ohne öffentliche Debatte und ohne parlamentarische Legitimation in gesellschaftliche Wirklichkeit verwandelt.
Es gibt in Deutschland hundert akademische Stellen, die „gender studies“ lehren. Treibende Kraft sind die Radikalfeministinnen.
:arrow: Sie sind Feinde der Frau.
:arrow: Sie sind Feinde des Mannes.
:arrow: Sie sind Feinde der Kinder,
:arrow: sie sind Feinde der Familie.

Sie agieren mit dem Joker: „Gleichstellung von Männern und Frauen“. Aber ist das unser Problem? Schafft die Abschaffung des Geschlechtsunterschiedes zwischen Mann und Frau und die Preisgabe aller sexueller Normen Zukunft?

In wessen Interesse handelt der Staat, der Gender-Mainstreaming zu seinem Leitprinzip macht? Gewiss nicht im Interesse der Familie! Gewiss nicht im Interesse der Jugend! Gewiss nicht im Interesse der Zukunft – vielmehr im Interesse einer Minderheit. Wo ist der Widerstand?

Gott hat damals bei der Erschaffung der Welt noch mehr gesagt, nämlich: „Seid fruchtbar und vermehrt euch.“ Das ist das erste Gebot, das Gott dem Menschen gab. Die Bevölkerungskrise, in der wir uns befinden und die keinen, der sich in diesem Saal befindet, unberührt lassen wird, hat als tiefste Ursache die Missachtung dieses Gebots.

Heute sehen wir, dass die Enzyklika „Humanae Vitae“, verkündet von Paul VI. im Jahr 1968, der Geburtsstunde der sexuellen Revolution, prophetischen Charakter hatte. Sie behandelt die „rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens“. Der Papst lehrte damals: Die Sexualität hat eine zweifache Funktion: Die liebende Vereinigung von Mann und Frau und die Fruchtbarkeit. Wir dürften das eine vom anderen nicht systematisch trennen, wenn wir dem menschenfreundlichen Plan Gottes gerecht werden wollen. Wann werden unsere Bischöfe die Ablehnung dieser Enzyklika revidieren, durch welche die Kirche in Deutschland und vielen anderen Ländern die Vollmacht der Verkündigung in Fragen der Moral eingebüßt hat? Welche Zukunftskraft hat das Christentum, wenn es seine Moral preisgibt?

Kardinal Schönborn hat am 1. April 2008 bei einer Heiligen Messe im Abendmahlssaal in Jerusalem in Anwesenheit von 150 Bischöfen aus aller Welt gesagt: „Es geht um die Zukunft Europas. In den letzten 40 Jahren hat Europa drei Mal nein zu seiner Zukunft gesagt. 1968 mit dem ‚Nein‘ zur Enzyklika Pauls VI. ‚Humanae vitae‘, wenige Jahre später mit der in den meisten europäischen Ländern eingeführten Fristenregelung und letztlich mit der ‚Homo-Ehe‘. In zwei Generationen wird die europäische Bevölkerung auf die Hälfte zurückgehen: Das ist objektiv ein ‚Nein zur Zukunft’." De facto, so der Wiener Erzbischof, sei die katholische Kirche die einzige Kraft in Europa, die heute für die Zukunft eintrete. Junge Paare müssten ermutigt werden, „großzügig ‚Ja zum Leben’ zu sagen - und damit zur Zukunft“.

Wie werden wir, jeder von uns, zu einem „Zeichen des Widerspruchs“, zu einem Grenzstein, den man nicht einfach überrennen kann? Beten ist notwendig. Ohne mit Gott im Gespräch zu sein, ist es nicht möglich, Seine Stimme zu hören und Seinem Willen gehorsam zu sein, auch dann noch, wenn uns das etwas kostet. Aber Beten in der Kammer genügt nicht. Pater Ruppert Mayer sagte: „Der Triumph des Bösen ist das Schweigen der Guten.“ Je länger wir schweigen, umso mehr wird es uns kosten, für eine Kultur des Lebens, für die Zukunft zu kämpfen.

Zu allen Zeiten legt Gott den Menschen „das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor“, auch heute. Im Buch Deuteronomium, Kapitel 30, sagt Gott weiter: „Den Himmel und die Erde rufe ich heute als Zeugen gegen euch an. Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen. Liebe den Herrn, deinen Gott, und hör auf seine Stimme und halte dich an ihm fest; denn er ist dein Leben.“

Gott lässt uns die Wahl zwischen Tod und Leben, weil er uns die Freiheit geschenkt hat, damit wir mit unserer Liebe auf seine Liebe antworten. Wählen wir also das Leben und die Liebe.


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