Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
It is currently 25.04.2018, 06:41

All times are UTC + 1 hour [ DST ]




Post new topic Reply to topic  [ 1 post ] 
Author Message
PostPosted: 19.04.2008, 08:16 
http://www.focus.de/politik/deutschland ... 74259.html
(11.04.08, 14:55)

Eva Herman: „Von der Saula zur Paula“

Eva Herman, Barbara Wussow und Trigema-Chef Wolfgang Grupp kämpfen in Augsburg mit gewagten Thesen für die Rettung der Familie.

Von FOCUS-Online-Redakteur Harry Luck, Augsburg



Ex-„Tagesschau“-Sprecherin Eva Hermann diskutiert über Familie. Die ehemalige „Tagesschau“-Sprecherin berichtet am Freitag im voll besetzten Saal des Kongresszentrums über ihren Weg von der „Saula zur Paula“ und die „dramatische Wende“, die während ihrer Schwangerschaft der Besuch einer Stillberaterin ausgelöst habe. „Ich war eine spät gebärende Karrierefrau, da ist mir plötzlich ein neuer Kopf gewachsen“, sagt die Autorin, die in der Zeit des „aufblühenden Feminismus“ aufgewachsen und dann mit ihrer Karriererolle nicht mehr zurecht gekommen sei.
Vier Mal verheiratet und ein Kind: „Heute wünsche ich mir, es wäre umgekehrt.“
Ihre späten Erkenntnisse, dass Karriere nur die eine Seite des Lebens sei, wolle sie heute den orientierungslosen jungen Frauen mitgeben: „Frauen sollen in die Berufstätigkeit gedrängt werden, weil sie billige Arbeitskräfte und notwendige Beitragszahler für das marode Sozialsystem sind.“ Wenn im Koalitionsvertrag stehe, dass Kinder kein Hemmnis für Beruf und Karriere sein dürften, dann sage das schon alles, nämlich: „Kinder dürfen die Karriere nicht stören.“ Was Wahlfreiheit genannt werde, sei nichts anderes als ein Zwang.

Herman hält auf dem Kongress des Hilfswerks „Kirche in Not“ auch ein Plädoyer für die Meinungsfreiheit, um die es in Deutschland nicht mehr gut bestellt sei. Reflexartig seien über ihre umstrittenen Autobahn-Aussagen Missverständnisse verbreitet worden. Ihr Buch „Das Eva-Prinzip“ sei von der feministischen Szene als „Eva-Braun-Prinzip“ diffamiert worden, empört sie sich und versichert: „Ich habe in meinem ganzen Leben nie rechtsextreme Ideologien gelobt.“


„Frauenschichten“ bei Trigema

Vor der „Tagesschau“ mit Eva Herman hat man im Fernsehen seinerzeit oft den Trigema-Werbespot mit dem Schimpansen anschauen müssen. Firmenchef Wolfgang Grupp sitzt jetzt als prominenter Mitstreiter neben Herman auf dem Podium und bezeichnet sie als „Vorzeigedame der heutigen Zeit“. Er berichtet aus seinem eigenen Vorzeigeunternehmen, wo es für Mütter eigene „Frauenschichten“ gebe: „Die Mutter kann noch ein paar Stunden arbeiten, wenn der Mann zu Hause ist. Denn die Mutter gehört zu den Kindern.“ In leitenden Funktionen gebe es bei Trigema sogar mehr Frauen als Männer. Es gehe aber nicht nur um die Karrierefrauen, sondern es seien auch „einfache Arbeitsplätze“ für Frauen nötig. Seine eigene Familie müsse ein Vorbild für seine Mitarbeiter sein. Und so sei er auch stolz darauf, dass seine Frau – die er im eigenen Alter von 46 Jahren als 22-Jährige geheiratet habe – „selbstverständlich“ ihre Karriere der Mutterrolle untergeordnet habe. Wenn seine Kinder mit ihren Wehwechen zuerst zum Vater gekommen wären und nicht zur Mutter, „dann hätte ich geglaubt, dass mit der Frau etwas nicht in Ordnung ist“.

Seine Thesen untermauert Hobby-Jäger Grupp mit Beobachtungen aus der Natur: „Es ist immer das weibliche Tier, das bei den Kindern ist. Das männliche Tier darf ein bisschen herumstreunen.“ Auch ein bisschen Medienschelte hat der Unternehmer mitgebracht: „Wenn auf den Titelseiten keine Familien mit sechs Kindern gezeigt werden, sondern jene, die sich scheiden lassen und die Familie zerstören, dann darf man sich nicht wundern, wenn ...“ Worüber man sich nicht wundern darf, geht allerdings im tosenden Beifall im mit Papstfotos geschmückten Saal unter.


„Ich komme aus dem Busch“

Schauspielerin Barbara Wussow
Auch die Schauspielerin Barbara Wussow ist nach Augsburg gekommen, um für die Familie zu werben. Sie erzählt, dass sie mit ihrem Kollegen Albert Fortell seit 18 Jahren verheiratet ist und erntet dafür Beifall. Des Weiteren gibt sie sich als brave Ehefrau und überlässt ihrem Mann das Wort, der ausführlich anprangert, dass wir seit 30 Jahren vom Staat über die Vorteile von Kinderkrippen angelogen werden.

Eingeleitet wurde die Diskussion unter dem Motto „SOS! Die Familie retten heißt Europa bewahren“ von einem 50-minütigen Referat der Kinderpsychologin Christa Meves, die in konservativ-katholischen Kreisen trotz ihrer 82 Jahre so was wie ein Popstar ist und deren Bücher Millionenauflage erreicht haben. Sie warnt vor einem „Heuschreckenschwarm von Ideologen, die versuchen, unsere Familie aufzuweichen und als scheinbar veraltet abzuschaffen“. Sie verlangt eine „christliche Kulturrevolution“, von der es abhänge, ob Gott sein „Experiment Erde“ weiter betreibe.


Feldzug gegen den Feminismus„Schwenk in atheistischen Einheitsstaat“

Es sei „geradezu hirnrissig“, dass seit 40 Jahren versucht werde, die Mütter abzuschaffen. Dabei sei es doch der größte Liebesbeweis, wenn der Ehemann nach der Arbeit einen Teller Suppe hingestellt bekomme. Die jüngsten Landtagswahlen hätten bewiesen, dass ein „Schwenk in eine sozialistisch-atheistische Einheitsgesellschaft à la Sowjetunion“ unmittelbar vor der Tür stehe. Mit Standing Ovations bedankt sich das Publikum für die leidenschaftliche Rede.

Die heute tatsächlich nicht mehr sehr modern wirkenden Thesen muss man einer über 80-jährigen Dame vielleicht nicht übel nehmen. Umso überraschender ist es, dass alle Diskussionsteilnehmer sich ihr anschließen: Eva Herman gesteht, dass all ihre Erkenntnisse, die sie nach ihrer Umkehr gemacht habe, vorher schon von Christa Meves aufgeschrieben wurden. Was sie sage, sei „uneinholbar zutreffend“. Und auch Wolfgang Grupp versichert: „Was Frau Christa Meves gesagt hat, dem ist nichts hinzuzufügen.“


Mixa lässt sich entschuldigen

Seine Erfahrungen aus Afrika hat der nigerianische Theologe und Sozialwissenschaftler Obiora Ike mitgebracht: „Die Ehe ist fundamental und liegt in der Natur des Menschen. Wir brauchen für die Familie keine Ideologie und keinen Staat.“ In Afrika wollten die Frauen nicht ein oder zwei, sondern zehn Kinder. Und um seine Aussage zu bekräftigen, fügt der fröhliche schwarze Priester hinzu, er wisse, wovon er rede: „Ich komme aus dem Busch.“

In der Diskussionsrunde gefehlt hätte nur noch der gastgebende Schirmherr und Ortsbischof Walter Mixa. Doch der musste „aus familiären Gründen“ absagen, erklärt Moderatorin Karin Fenbert. Er habe dienstliche Termine, und das Bistum sei schließlich seine Familie. Dafür sitzt der Salzburger Bischof Andreas Laun auf dem Podium. Während Christa Meves zuvor noch das Internetsurfen als gefährlich für die Familie gebrandmarkt hatte, bringt Laun sogar einen Surftipp zur Rettung der katholischen Familie mit: Unter www.kathtreff.org finden heiratswillige Katholiken einen gleichgesinnten Partner.


Ähnliche Beiträge in diesem Forum:


Kinder als Geschenk - und neues Selbstbewußtsein der Mütter

Frauentag - wann ist Emanzipation erreicht?

Und sie sind doch verschieden - der Mann und die Frau!


Top
  
 
Display posts from previous:  Sort by  
Post new topic Reply to topic  [ 1 post ] 

All times are UTC + 1 hour [ DST ]


Who is online

Users browsing this forum: No registered users and 2 guests


You cannot post new topics in this forum
You cannot reply to topics in this forum
You cannot edit your posts in this forum
You cannot delete your posts in this forum
You cannot post attachments in this forum

Search for:
Jump to:  
cron
Powered by phpBB® Forum. Software © phpBB Group