Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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"Ohne lebensoffene Familie gibt es keine Zukunft"

Kardinal Schönborn weist beim "Stadtumgang" Gleichstellung der Institution Ehe mit der Lebenspartnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare zurück - Ungleiches kann man nicht gleich behandeln: "Nennt das Runde rund und das Eckige eckig, oder der Staat geht zugrunde"

Wien-Graz, 23.5.08 (KAP)
"Ohne lebensoffene Familie gibt es keine Zukunft": Dies betonte Kardinal Christoph Schönborn in Wien beim traditionellen "Stadtumgang" zum Fronleichnamsfest. Gesellschaft und Staat leben von den Familien und den Kindern, die ihr Dasein zum großen Teil der Ehe, der für das neue Leben offenen Gemeinschaft von Mann und Frau, verdanken, sagte der Wiener Erzbischof in seiner Predigt auf dem Josephsplatz. Angesichts der Trends, die so massiv gegen die Familie laufen, fühlten sich viele entmutigt und hätten das Gefühl, "ohnmächtig einem Lauf der Dinge zuzusehen, der in den Abgrund führt". In diesem Zusammenhang kritisierte Kardinal Schönborn, dass in einem neuen Gesetzentwurf die Lebenspartnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare der Institution Ehe möglichst "gleichgestellt" werden soll. Es sei zu hoffen, dass "der Weg in diese gesellschaftspolitisch falsche Richtung doch nicht begangen wird".

Der Wiener Erzbischof zitierte das Konfuzius-Wort "Nennt das Rund rund und das Eckige eckig. Oder der Staat geht zugrunde". Keine Gesellschaft halte es auf die Dauer aus, wenn "Worte verschleiern statt zu enthüllen, wenn sie vernebeln statt zu klären". Es solle durchaus für eine "solide rechtliche Absicherung für Menschen gesorgt werden, die einander nahe sind und zusammen leben", betonte der Wiener Erzbischof. Aber dazu bedürfe es nicht eines anderen Gesellschaftsmodells, wie es derzeit "von manchen angestrebt wird und mit großem Druck durchgesetzt werden soll".

Schnell sei von einem Anspruch auf Gleichbehandlung die Rede, als ob es irgendein Recht gäbe, dass "zwei in vielfacher Hinsicht verschiedene Dinge" wie die für neues Leben offene Ehe zwischen Mann und Frau und eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft gleich behandelt werden, unterstrich Kardinal Schönborn. Es gehe darum, "Gleiches gleich und Ungleiches ungleich" zu behandeln, wobei es in jedem Fall Voraussetzung sei, die Dinge klar zu benennen. Der Entwurf zum Lebenspartnerschaftsgesetz folge insgesamt dem Ehegesetz, der Ort des Eingehens von solchen Partnerschaften soll das Standesamt sein, bloss die Adoption von Kindern sei noch nicht vorgesehen, erinnerte der Wiener Erzbischof. Die Ankündigung, dass in einem weiteren Schritt sogar das Ehegesetz an das Lebenspartnerschaftsgesetz angeglichen werden soll, lasse eine noch weitere Gleichstellung des Instituts der Ehe mit der Lebenspartnerschaft erwarten. Gerade durch die angestrebte Gleichsetzung würde aber Ungleichbehandlung geschehen, denn die Dimension der Ehe im Hinblick auf Zeugung und Erziehung von Kindern werde vernachlässigt, die Bedeutung dieser Institution dadurch bagatellisiert, ihre Beiträge "letztlich gering geschätzt".

Schön wäre es, wenn die Maßnahmen und Unterstützungen verstärkt würden, "die mancher Frau und mancher Familie ihr Ja zum Kind erleichtern" könnten, unterstrich Kardinal Schönborn. Alle Energien sollten für junge Familien mit Kindern aufgewendet werden; diese Familien kämen heute oft genug in die Nähe der Armutsgrenze und würden auch noch gesellschaftlich "an den Rand gedrängt". Und doch seien es diese Familien, die "durch manchen herben Verzicht und durch viele ganz reale Opfer" die Zukunft sichern: "Wer sorgt für den sozialen Zusammenhalt im Land, wenn nicht in erster Linie die Familien, die für das Leben offen sind?" Der Wie-ner Erzbischof formulierte seine Hoffnung, dass Gott im Sinn des Evangeliums vom Fronleichnamfest Österreich ein "Wunder der Brotvermehrung" schenken möge: "Ein neues 'Ja zum Leben', eine Zukunft, in der Kinder willkommen sind". Die Äußerungen des Kardinals wurden spontan mit Applaus quittiert - ein Vorgang, den es bisher beim "Stadtumgang" noch nie gegeben hatte.

"Nein zu Trends, aber nicht zu den Irrenden"

In seiner Ansprache beim zweiten Altar auf dem Prozessionsweg (vor der Peterskirche) nahm Kardinal Schönborn u.a. zur Frage Stellung, warum die Kirche oft zu den "Trends der Zeit" nein sagen müsse. Dieses Nein sei nicht einfach nur ein Nein. Es sei zugleich ein Ja zu Gottes Wort. Es sei auch ein Ja zu denen, "die nur unser Nein hören, das nicht ihnen gilt, sondern dem, was wir als Irrweg bezeichnen müssen, ohne den Irrenden zu verachten".

Am "Stadtumgang" nahmen tausende Gläubige teil, unter ihnen der Apostolische Nuntius, Erzbischof Edmond Farhat, der neue Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky und der Weihbischof der kalifornischen Diözese San Diego, Salvatore Joseph Cordileone. Auch Repräsentanten des öffentlichen Lebens nahmen an der Prozession durch die Straßen der Inneren Stadt teil, an der Spitze der Zweite Präsident des Nationalrats, Michael Spindelegger, und Wissenschaftsminister Johannes Hahn.

Kapellari: "Ein Fest des Lebens"

Fronleichnam ist ein "Fest des Lebens", betonte der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari bei der Fronleichnamsfeier auf dem Grazer Hauptplatz. Wörtlich sagte Bischof Kapellari: "Wenn Christen dieses Fest bewusst mitfeiern, dann mehrt sich ihre Kraft, Freunde des menschlichen Lebens zu sein". Dabei gehe es um das entfaltete wie um das behinderte Leben, um das geborene und das ungeborene, um das "so oft bedrohte und getötete menschliche Leben". Schließlich gehe es auch um das zeitliche wie um das ewige Leben.

In der westlichen Welt werde das schwache Leben der Ungeborenen, der Behinderten und der Menschen an der Todesschwelle vielfach aufs Spiel gesetzt oder zur Seite geschoben, bedauerte Bischof Kapellari. Wörtlich sagte der steirische Bischof weiter: "Eine naturwissenschaftliche Forschung, die menschliche Embryonen herstellt, um sie 'im Dienst der Gesundheit' anderer zu zerstören oder die menschliche und tierische Organismen zu Chimären kreuzt, wie dies jüngst in Großbritannien erlaubt wurde, ist eine Gestalt von Egoismus im Dienst eines technischen Fortschritts, der zugleich ein schwerwiegender antihumaner Frevel ist".

Jesus habe gesagt, er sei gekommen, "damit die Menschen das Leben haben, das Leben in Fülle", erinnerte Bischof Kapellari. Christen hät-ten die Aufgabe, das Leben zu schützen und zu entfalten und "den Preis an Energie und auch Geld dafür einzusetzen, den dies kostet". In der Nachfolge Jesu sollten die Christen "Freunde des Lebens" nicht nur im Dienst der Kirche, sondern auch "der ganzen Gesellschaft, der ganzen Menschheit" sein.


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