Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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PostPosted: 05.07.2008, 09:15 
Demokratie heißt Prioritäten setzen
Politische Beobachtungen zur Ehe
und warum die freiheitliche Zivilgesellschaft nicht zur Unvernunft verpflichtet ist

von Christian Spaemann


Eine Vorlesung an der Universität Tübingen:

Die Dozentin im Fach Kinder- und Jugendpsychiatrie berichtet über die vielfältigen Belastungen, denen Kinder vor allem durch zunehmende Ehescheidungen ausgesetzt sind.
Ihr Fazit:
Alleinerziehende Mütter sollen sich um einen Vaterersatz bemühen, zum Beispiel einen Onkel heranziehen.
Die mit Feingefühl und traurigem Pathos vorgebrachten Ausführungen hinterlassen Beklommenheit. Ich spüre ein Tabu im Vorlesungssaal, etwas darf nicht ausgesprochen werden. Warum wird nicht offen gesagt, dass es gut wäre, die Ehe von Mann und Frau zu stärken?
Warum kann nicht offen ausgesprochen werden, dass ein neues Bewusstsein, eine neue Sensibilität für den Wert von Ehe und Familie nottut?
War diese Vorlesung exemplarisch für eine sich ausbreitende Resignation in der Gesellschaft oder für ein neues Dogma des Relativismus in Sachen Ehe und Familie – oder für beides?

Was der Zukunft dient

Sind wir uns bewusst, dass es alle gegenwärtig lebenden Menschen, einschließlich uns selbst, nur deshalb gibt, weil es in der Vergangenheit zu einer intimen Gemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau, sprich Vater und Mutter, gekommen ist?
Sind wir uns bewusst, dass die ganze, hinter uns liegende Menschheitsgeschichte und Evolution von dieser Dualität bestimmt ist?
Sind wir uns bewusst, dass in einigen Jahren kein einziger mehr von uns leben wird, sondern nur noch diejenigen, die wir gezeugt und – wie auch immer – aufgezogen haben?
Dass die zukünftige Generation ganz wesentlich in ihrem Denken, Fühlen und Handeln von dem geprägt sein wird, was sie mit uns als Vater und Mutter erfahren oder nicht erfahren haben?
Dass die Prägung ihrer Herzen darüber entscheidet, inwieweit sie wiederum selbst fähig sein werden, eine neue Generation zu erzeugen, aufzuziehen und zu prägen?

Alle gegenwärtig lebenden Menschen haben ihr Leben empfangen und können es weitergeben. Sie sind ein Zwischenglied zwischen früherer und späterer Generation. Die Zukunft, das sind unsere Kinder und das, was aus ihnen wird. Sie sind die Gegenwart der Zukunft. Das, was für die Zukunft wertvoll ist, ist es auch in der Gegenwart.

Die amerikanische Kulturphilosophin Judith Butler, Vordenkerin der „Gender“-Bewegung, hält die Unterscheidung der Geschlechter für ein prädikatives Konstrukt, das im Wesentlichen auf unseren Denk- und Sprachgewohnheiten beruht.
Simone de Bouvoirs Satz über die Geschlechterrollen, „man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht“, bezieht man heute bereits auf die Definition des biologischen Geschlechts: es ist das Ergebnis eines unheilvollen, tradierten Machtdiskurses.

Diese, im Namen der Freiheit apostrophierte Zuspitzung der Geschlechterfrage widerspricht unserem gesamten Erfahrungswissen.
Die Ergebnisse der Forschung belegen nachdrücklich, dass Mann und Frau in ihrem Denken, Fühlen und Handeln durch ihr Geschlecht wesentlich mitdeterminiert sind.
Die Humanethologie und Kommunikationsforschung können dies ebenso belegen wie neueste Daten der Neurobiologie und Entwicklungspsychologie.
Die Natur zu bejahen bringt Vorteile:
Wer bereit ist zu akzeptieren, dass er auf zwei Beinen besser geht als auf einem oder auf den Händen, wird sich den Raum müheloser erschließen können.

Es ist merkwürdig:
Während wir heute die Selbstüberhebung des Menschen über die ihm vorgegebene Welt in Ökologie und Politik kritisch hinterfragen, propagieren Gender-Philosophen in geradezu phantastischen, intellektualistischen Purzelbäumen den Triumph der abstrakten Vernunft über die Natur.
Müssen wir erst noch kräftiger auf die Nase fallen, um uns auf eine neue, demütigere Haltung gegenüber der Natur – unserer Natur – zu besinnen?

Was Kinder brauchen

Was Kinder brauchen und was sie sich wünschen, wissen wir sehr gut. Wir wissen es aus der Erfahrung der Menschheit, aus unseren eigenen Erfahrungen als Eltern, Pädagogen, Therapeuten und aus einer Fülle von Forschungsergebnissen. Kinder brauchen Vater und Mutter und möglichst Geschwister. Ein Mädchen zum Beispiel übt mit dem Vater bereits in den ersten Lebensjahren den Umgang mit der Spannung zum anderen Geschlecht und erwirbt sich dabei Kompetenzen, auf die es ein Leben lang zurückgreifen kann.
Es ist erwiesen, dass die sogenannte Triangulierung, die dem Kind durch die Beziehung zu Vater und Mutter geboten wird, eine wichtige Grundlage für seine psychosoziale Entwicklung darstellt. Darauf abgestimmt sind viele genetisch determinierte unterschiedliche Verhaltensmuster von Mutter und Vater. Insbesondere die Frau verfügt über eine Fülle von biologisch fundierten, natürlichen Kompetenzen, die, wenn sie lebensgeschichtlich die Möglichkeit hatten, sich zu entfalten, vom Mann in keiner Weise eingeholt werden können.
Unbestritten ist, dass eine stabile Beziehung von Mann und Frau bis über die Pubertät hinaus die bestmögliche Bedingung für das Kind ist, heranzuwachsen, und dass dies auch seiner Sehnsucht entspricht. Die Stabilität dieser Beziehung ist in einer Ehe statistisch höher als außerhalb einer geschlossenen Ehe. Man kann also sagen, dass die auf die Ehe von Mann und Frau gegründete Familie das Gute im Sinne des Aristoteles ist, nämlich: vernünftig, der Gesellschaft zuträglich und ihrer Zukunft dienlich.

Status sog. alternativer Lebensformen

Selbstverständlich ist eine völlig verkrachte Ehe dem gesunden Heranwachsen eines Kindes nicht zuträglicher als andere, funktionierende Beziehungskonstellationen. Folgt daraus aber, dass verschiedene familiäre Lebensformen an sich relativ zueinander sind? Das Wort Patchwork-Familie zum Beispiel kommt uns heute leicht über die Lippen und wird als eine, die herkömmliche Familie pluralisierende – eben alternative – Lebensform angesehen. Ist das wirklich so einfach?
Ein Fall aus der Praxis: Frau Meier, 45 Jahre alt, hat einen Sohn aus erster und zwei Töchter aus zweiter Ehe. Bei der Scheidung war der Sohn zwölf und hat den Stiefvater nicht wirklich angenommen. Die Ehe- und Familienatmosphäre ist durch das Misstrauen der Mutter gegenüber ihrem Mann in seiner Rolle als Stiefvater ihres Sohnes getrübt. Der Junge hält Kontakt zu seinem leiblichen Vater, der außerhalb des alltäglichen Familiensystems steht, keine Alltagsverantwortung hat und folglich keine notwendigen Grenzen setzt. Zu ihm hat der Sohn ein kumpelhaftes Verhältnis. In der Pubertät beginnt er, Drogen zu nehmen. Nur mit Mühe lässt er sich zu einer Lehre bewegen.

Die Beispiele für typische Alltagsprobleme solcher Familien sind Legion. Natürlich sind Drogenprobleme für Patchwork-Familien nicht spezifisch und kommen auch in herkömmlichen Familien vor. Die Patchwork-Familie ist besser als keine Familie und sie ist selbstverständlich in jeder Hinsicht zu unterstützen.
Aber Patchwork-Familien, das dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren, stellen den Versuch dar, die herkömmliche Familie – so gut es geht – nachzuahmen.
Viele Probleme, mit denen sie kämpfen, ergeben sich häufig aus ihrem Patchwork-Charakter.
Sie leisten keine wirkliche Pluralisierung von Ehe und Familie, denn sie sind keine echte Alternative.
Das gleiche gilt für Alleinerziehende. Ich kenne viele Mütter, die sich geradezu heldenhaft um ihre Kinder bemühen. Viele dieser Kinder werden später durchaus seelisch gesund und sind imstande, eine Familie zu gründen.
Ich kenne jedoch keine alleinerziehende Mutter, die ihrer Tochter nicht einen Papa wünschte, den diese zärtlich lieben kann und einen Vater für den Sohn, bei dem dieser in seiner Entwicklung zum Mann Orientierung findet.

Neuinterpretationen von Ehe

Beim Internetsurfen treffe ich bei den Grünen in Wien auf deren homosexuelle Unterorganisation Die Grünen andersrum, die mit einer Website verlinkt ist, auf der zwei junge Männer in Jeans und mit Punkfrisuren abgebildet sind, die einander keck anlächeln und mit den Ellenbogen anstoßen. Zwischen ihnen steht ein kleiner Bub auf einem Roller. Eine Familie der Zukunft?

Volker Beck, parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Deutschen Bundestag und profilierter Vertreter der Homosexuellenbewegung, stellt sich folgendes vor: Artikel 3, Absatz 3 des bundesdeutschen Grundgesetzes, das vorsieht, dass niemand aufgrund von Geschlecht, Abstammung, Rasse usw. benachteiligt oder bevorzugt werden darf, soll um die „sexuelle Orientierung“ ergänzt werden. Dies wäre dann auf Artikel 6, Absatz 1 anzuwenden, der den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung für Ehe und Familie vorsieht. War es für die Verfassungsväter unstrittig, dass mit „Ehe“ die Ehe zwischen Mann und Frau gemeint ist, sieht Volker Beck in dieser Interpretation eine Diskriminierung. Es könne nicht angehen, dass ein bestimmter Mann, nennen wir ihn Herrn Müller, nur von einer Frau und nicht von einem Mann geheiratet werden könne. In diesem Fall wäre der Mann, der Herrn Müller heiraten will, gegenüber einer Frau, die das ebenfalls will, benachteiligt. Der bisher geltende Ehebegriff sei somit diskriminierend und von daher leite sich bereits aus Geist und Buchstaben des Grundgesetzes die Möglichkeit der Homo-Ehe und deren besonderer Schutz des Staates für sie ab.

Wohl wissend, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen als solche nur eine geringe Bedeutung für Staat und Gesellschaft haben, fordert die Gruppe um Beck vehement das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. Eine Forderung übrigens, die selbst unter Homosexuellen umstritten ist.

Die Homo-Familie – eine Alternative zur traditionellen Familie?

Sexualität geht den Staat nichts an – sie ist Privatsache. Es gibt allerdings zwei Ausnahmen: Zum einen das Interesse des Staates an Ehe und Familie, insofern sie die optimalen Bedingungen für das Heranwachsen von Kindern ermöglicht. Zum anderen, wenn der Schutz des Individuums, vornehmlich der Kinder und Jugendlichen, vor sexuellem Missbrauch gewährleistet sein muss.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Öffnung des Rechtsinstitutes der Ehe für Homosexuelle widersinnig. Wieso sollte Sexualität als solche in irgendeiner Weise prämiert werden? Unbestritten: dauerhaftes Zusammenleben jedweder Art schafft Verbindlichkeiten. Aber dafür lassen sich doch andere rechtliche Regelungen schaffen, die sich nicht über die sexuelle Orientierung definieren und die Ehe von Mann und Frau relativieren.

Was ein mögliches Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare anbelangt, so muss natürlich das Recht des Kindes immer Vorrang haben. Adoptierte Kinder sind grundlegend benachteiligt, selbst unter besten Bedingungen leiden sie unter seelischen Wunden und erleben die Identitätskrisen in der Pubertät als tiefgreifender und schmerzvoller. Sie haben daher ein Anrecht auf möglichst optimale Bedingungen – und das ist nun einmal die Familie mit Mann und Frau.
Es kann also nicht angehen, dass abstrakte Gleichberechtigungswünsche von erwachsenen Homosexuellen über das Wohl von Kindern gestellt werden.

Folgender Fall hat sich vor kurzem in einer deutschen Universitätsstadt zugetragen: Ein Vater kam zu einem Psychotherapeuten und berichtete erschüttert, sein homosexuell lebender Sohn habe ihm eröffnet, dass er in Kürze Großvater werde. Was war passiert? Da in Deutschland Leihmutterschaft verboten ist, hat der Betreffende seinen Samen in die Vereinigten Staaten geschickt, dort eine Leihmutter befruchten und sie das Kind austragen lassen. Dieses Kind will er nun mit seinem Partner als gemeinsames Kind großziehen. In diesem konkreten Fall ist das Kind Gegenstand einer doppelten Manipulation: es verdankt seine Existenz einem manipulatorischen Akt, der Zeugung durch künstliche Insemination mit aus Masturbation gewonnenem Samen. Des weiteren wurde hier eine anonyme Frau sowohl genetisch als auch zum Austragen des Kindes benutzt, um dem Vater und dessen gleichgeschlechtlichen Partner das Zusammenleben mit einem Kind zu ermöglichen. Mit drei Jahren wird der Bub nachfragen, warum beide Elternteile ein männliches Genital haben und warum das bei den Eltern der anderen Kinder nicht der Fall ist. Kinder fragen immer direkt und logisch und sind in der Lage, unsere intellektuellen Konstrukte in Frage zu stellen. Was dieses Kind während und nach der Pubertät bezüglich seiner Herkunft und auf der Suche nach seiner Identität durchmachen wird, können wir nur ahnen.

Mit neuen Tabus gegen alte Vorurteile?

Es ist eine traurige Tatsache, dass noch in den Jahrzehnten nach dem Nationalsozialismus, unter dem zwölftausend Homosexuelle in Konzentrationslagern umgebracht wurden, Homosexuelle Ausgrenzungen und Verächtlichmachungen ausgesetzt waren. Seit Ende der sechziger Jahre ermöglicht die zunehmende Liberalisierung homosexuell empfindenden Menschen, in einem gesellschaftlichen Klima der Toleranz ihr Leben so zu leben, wie sie es wünschen. Neuerdings treten aber immer mehr Interessengruppen von Homosexuellen in den Vordergrund, die über die allgemeine Tolerierung hinaus diese Lebensform als gleichwertige Alternative zur herkömmlichen Ehe etablieren wollen. Sie haben die sukzessive Öffnung des Rechtsinstituts der Ehe für Homosexuelle und die Etablierung sogenannter Lebenspartnerschaftsgesetze in der westlichen Welt durchgesetzt. Diese Entwicklung geht mit einer zunehmenden Tabuisierung jeder vernünftigen Auseinandersetzung mit dem Phänomen Homosexualität einher. Es besteht zunehmend die Tendenz, all jene auszugrenzen und mundtot zu machen, die sich dem Thema mit fundierter Kenntnis und kritischer Reflexion nähern. Politiker und Experten trauen sich nicht, differenziert Stellung zu beziehen.

Dabei ist die oft angeführte Behauptung, Homosexualität sei angeboren, wissenschaftlich überholt. Es gibt definitiv kein Homosexualitäts-Gen, man kann höchstens von einer unspezifischen angeborenen Disposition ausgehen, die die Möglichkeit der Entwicklung in diese Richtung begünstigt. Psychosoziale Entwicklungsfaktoren spielen zweifelsohne eine wichtige Rolle.
Erhebungen belegen die häufige therapeutische Erfahrung, dass innerfamiliäre Psychodynamiken sehr häufig nachvollziehbar machen, warum zum Beispiel ein junger Mann seine Beziehungen zu anderen Männern sexualisiert.

Die Frage nach den Fakten

Der bekannte amerikanische Psychiater Robert Spitzer, der sich über viele Jahre für die Entpathologisierung der Homosexualität eingesetzt hatte, veröffentlichte im Jahr 2000 eine umfassende, fundierte und Aufsehen erregende Studie. In ausführlichen Interviews befragte er zweihundert Männer, die von sich sagen, sie hätten durch Psychotherapie ihre sexuelle Orientierung gewechselt. Spitzer konnte feststellen, dass sechzig Prozent von ihnen in befriedigenden heterosexuellen Partnerschaften, die anderen weitgehend ohne Partner leben. Es gibt weltweit viele Menschen, die eine Veränderung in ihrer sexuellen Orientierung erlebt haben.

Es sprechen jedoch auch andere Daten gegen die Vorstellung, dass homosexuelle Lebensformen den heterosexuellen mit Ausnahme ihrer Ausrichtung entsprechen. So hat z.B. die niederländische Wissenschaftlerin Maria Xiridou im Jahr 2003 in einer Stichprobe 7000 männliche Homosexuelle interviewt und festgestellt, dass die Partnerschaften bei homosexuell lebenden Männern im Durchschnitt eineinhalb Jahre dauern. Während dieser eineinhalb Jahre kommt es zu durchschnittlich zwölf sexuellen Beziehungen außerhalb der Partnerschaft. Jene, die nicht in einer festen Partnerschaft leben, haben in diesem Zeitraum mit durchschnittlich 22 verschiedenen Personen sexuellen Kontakt. In anderen Studien ist die erhöhte Anzahl psychischer Erkrankunen bei Homosexuellen belegt.

Angesichts der Faktenlage überrascht es nicht, dass die sogenannte Homo-Ehe bzw. eingetragene Lebenspartnerschaft dort, wo sie etabliert ist, nur vereinzelt in Anspruch genommen wird. In Deutschland leben von etwa 1,2 Millionen männlichen Homosexuellen lediglich 160.000 in „festen“ Partnerschaften. Von diesen wiederum haben nur 12.000 die seit sieben Jahren bestehende Möglichkeit der eingetragenen Lebenspartnerschaft für sich genutzt. Ähnliche Zahlen liegen aus anderen Ländern vor. Wir stehen zwar erst am Anfang einer breiteren und tiefergehenden Analyse der Homosexualität. Es ist allerdings heute schon angesichts der vorliegenden Daten durchaus fraglich, ob es sich bei der Lebensform Homosexualität um das gleiche wie Heterosexualität nur andersrum handelt. Es muss auch bedacht werden, dass der Mensch sich nach festen Beziehungen sehnt und dass wir das hinter den kalten Zahlen stehende menschliche Leid nicht übersehen dürfen.

Freie Zivilgesellschaft statt verordneter Unvernunft

Das Sachkundebuch meiner Tochter für die dritte Klasse zeigt auf der ersten Seite die Bilder von vier Kindern, zwei Mädchen und zwei Buben, die ihre Zukunftsphantasien kundtun. Einer der Buben interessiert sich für Computer und will in diesem Bereich arbeiten. Für Kinder werde er keine Zeit haben, dafür viel Geld verdienen und schnelle Autos fahren. Heute, so wird beklagt, wollen zwanzig Prozent der jungen Männer keine Kinder. In diesem Schulbuch ist es einer von Zweien, also fünfzig Prozent; und nicht etwa aus purem Altruismus, weil er aidskranken Kindern in Afrika helfen will, sondern aus Eigennutz. Den Gegenwert zum Kind bilden ein gutes Einkommen und schnelle Autos. Hat ein solches Sachkundebuch das Interesse unserer Gesellschaft im Blick?

Die Vorstellung von der Pluralisierung von Ehe und Familie als einer notwendigen und gutzuheißenden gesellschaftlichen Entwicklung ist, bei Lichte betrachtet, Ideologie.
Bei aller Unzulänglichkeit der Einzelnen und der Möglichkeit des Scheiterns erweist sich die Beziehung von Mann und Frau und die darauf gründende Familie als die natürliche Grundlage, an der sich die anderen Lebensformen orientieren. Sie führt am sichersten in die Zukunft und bietet die größte Chance zum Heranwachsen einer neuen, lebenstüchtigen Generation. Folglich müssten sich Staat und Gesellschaft danach ausrichten. Es müsste ihre Kernaufgabe sein, die Aufmerksamkeit auf diese Lebensform zu lenken und sie als Leitbild in das Bewusstsein von Kindern und Jugendlichen zu bringen.

Genau daran misst sich eine liberale bürgerliche Zivilgesellschaft. Wenn sich herausstellt, dass körperliche Bewegung für Kinder wichtiger ist als das Tragen von Markenware, haben Staat und Gesellschaft die Freiheit, den Sport mehr zu fördern als das Tragen von Markenware. Die freie bürgerliche Zivilgesellschaft hat das Recht, Prioritäten zu setzen, Gleiches gleich und Verschiedenes verschieden zu behandeln, und das zu fördern, was der Gemeinschaft zuträglich ist.

Sprachzensur aufbrechen

Eine österreichische Ministerin verteilt „Verkehrsführerscheine“ mit Kondomen an Jugendliche, und die Laissez-faire-Aufklärungsbroschüre des österreichischen Gesundheitsministeriums titelt: „Ich bin scharf auf dich.“ Wenn das die Jugend befähigt, stabile und dauerhafte Beziehungen einzugehen, in denen Kinder heranwachsen können, dann gut. Wenn aber nicht, dann sollte man andere Dinge fördern.
Warum nicht die inzwischen weltweite Bewegung Teen Star, die auch in den deutschsprachigen Ländern vertreten ist? Anhand von Infos über ihren Körper und ihre Psyche erarbeiten sich dort Jugendliche in Gruppen und eigenständig, ohne moralische Vorgaben, den Wert von Liebe, Partnerschaft, Ehe, Familie und Sexualität. Sie zeigen eine bemerkenswerte Bereitschaft, sich selbstbewusst nach diesen auszurichten, auch gegen den gängigen Konsumismus in diesem Bereich. Bezeichnenderweise werden diese Gruppen nur von Privatinitiativen getragen, staatliche und kirchliche Stellen greifen solche Ansätze bislang nicht auf.

Was ist in dieser Situation zu tun?

Wichtig scheint, dass jeder, der Verantwortung trägt, bereit ist, die politische Korrektheit und Sprachzensur aufzubrechen, die die öffentliche Diskussion erstarren lässt, wie etwa der Begriff „Homophobie“, den viele Vertreter der Homosexuellenbewegung ins Feld führen. Mit der Unterstellung, dass jeder, der sich kritisch und differenziert mit Homosexualität auseinandersetzt, Angst vor ihr hat, begeben sie sich in die unselige Tradition holistischer Denkfiguren. Die Ideo¬logen des 20. Jahrhunderts immunisierten sich gegen Argumente von Andersdenkenden, indem sie deren Motive auf Angst zurückführten. Marxisten unterstellten ihren Kritikern „Klassenbewusstsein“ und Tiefenpsychologen schützten ihre Theorien durch die Unterstellung von psychischen Abwehrreflexen.

Die Zivilgesellschaft lebt von Bürgern, die entschieden und selbstbewusst ihre Sichtweise in die Waagschale werfen, ohne ihre Fehlbarkeit zu leugnen und die Möglichkeit des Scheiterns auszuschließen. Im Dienst an der Zukunft gilt es zu betonen, was der Gesellschaft dient: korrektiv, indem wir der unabsehbaren Tendenz, Familie – gegründet auf die Ehe von Mann und Frau – zu partikularisieren und nur noch als eine Option unter vielen zu sehen, entschieden begegnen. Konstruktiv, indem wir diese Lebensform als Grundbaustein für die Zukunft neu in das Bewusstsein der Menschen in unserer Gesellschaft bringen.


Dr. med. Christian Spaemann ist Psychiater und Psychotherapeut und leitet die Psychiatrische Abteilung des Krankenhauses St. Joseph in Braunau am Inn.

In: Salzkorn. Anstiftung zum gemeinsamen Christenleben. 2/2008 68 war gestern – deine Revolution ist jetzt!


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Zur Information!

Mit vielen Grüßen,
Günter Danhel


Prof. Günter Danhel, DSA
Direktor
Institut für Ehe und Familie (IEF)
Spiegelgasse 3/8
1010 Wien (Österreich)
Telephon +43-(0)1-515 52/36 51
Mobil-Telephon +43-(0)664-824 36 51
Telefax +43-(0)1-513 89 58
E-mail: guenter.danhel@ief.at
http://www.ief.at

Koordination

Österreichisches Familiennetzwerk

guenter.danhel@familiennetzwerk.at
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Siehe auch:

Homo-Ehe--> Witwenrente --> Adoption --> ???


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