Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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 Post subject: C. Meves - Oxytocin
PostPosted: 10.02.2017, 23:14 
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Christa Meves, Februar 2017

Die Oxytocinforschung ist in Hochform. Immer neue Studien bringen erstaunliche Ergebnisse. Sie differenzieren die Aussagen über das erst seit dem vorigen Jahrhundert bekannte stimmungserhellende Hormon - jetzt bereits als "Bindungshormon" gekennzeichnet. In vorzüglich wissenschaftlichen Büchern finden sich jetzt sogar schon die jüngsten Forschungsergebnisse gesammelt vor. Als Beispiel und Anregung sei das Werk von Kerstin Uvnäs Moberg herausgestellt: "Oxytocin und Eltern-Kind-Bindung" Oxytocin, das Hormon der Nähe, Berlin 2016.
Für die Erkenntnisse der Säuglingspflege ist das Auftauchen dieses Hormons geradezu ein Glücksfall, macht es doch die Wichtigkeit der engen Mutter-Kind-Beziehung unwiderlegbar klar; denn schon während der Geburt werden mit diesem stimmungserhellenden Stoff sowohl die Mutter als auch das Kind geradezu überschwemmt, und ein mitbemühter Vater bekommt sogar auch etwas davon ab.

Aber nicht nur in dieser Phase - so betonen die Forscher - kann das Hormon zu mehr Natürlichkeit verhelfen; denn der Mutter geht dieses Hilfsmittel auch später für ihre Erziehungsarbeit keineswegs verloren, jedenfalls nicht, wenn sie in ihren Gefühlen die Empathie für ihr Kind bewahrt. Dann bleibt ein erheblicher Oxytocinstatus bei der Mutter über die Kinderjahre hinweg sogar erhalten! Damit wird die Einstellung zu ihren Kindern in einer hochinteressanten Weise vertieft: Die Mutter wird seelisch hellhöriger. Es gelingt ihr zunehmend mehr, sich in das Fühlen und Denken ihrer Kinder zu vertiefen. Sie reagiert nicht einfach nur auf das oberflächliche Verhalten des Kindes, sondern sie fragt innerlich nachdenklich, was das Kind mit seinem jeweiligen Verhalten wohl aussagen möchte.

Obgleich diese Forschungsergebnisse während meiner Praxistätigkeit noch nicht bekannt waren, habe ich bei meinen Ratschlägen die Güte dieser hormonellen Zugaben oft schon erspüren können: Wenn die mir vorgestellten Kinder ein unangepasstes Verhalten zeigten und durch provokantes Stören in der Familie auffielen, ließ sich oft feststellen, dass die Ursache in einem Gefühl des Zukurzkommens - besonders im Hinblick auf andere Geschwister - zu finden war. Das war in solchen Fällen bemühten Eltern nicht bewusst geworden. Sie hatten lediglich mit Schimpfen und Sanktionen auf das Fehlverhalten reagiert. Und so entwickelte ich mit den bemühten Eltern neue Wege von Gemeinsamkeiten mit diesem Kind, um ihm aus seiner Sackgasse herauszuhelfen. Darauf entdeckten wir drei Erwachsenen oft eine wie wunderbare sofortige erstaunliche Verhaltensänderung des Kindes. Manchmal bereits sogar - bevor sich eine andere Umgangsweise der Eltern mit dem Kind hatte konstituieren können - zeigte es plötzlich Umgänglichkeit! Wir konnten erleben, dass bereits das vertiefte Verstehen der Eltern - oft bereits gewissermaßen ein intensiveres Ausstrecken ihrer seelischen Tentakel zum Kind hin - ihm eine spontane Erleichterung gebracht hatte. Zwar musste dann später noch weiter intensiv in dieser Art gearbeitet werden, ehe sich eine neue Wertfindung des Kindes ausgebildet hatte, aber die Wirksamkeit einer verstärkten Sensibilisierung hatte im Grunde bereits eine innerlich befreiende Wirkung.

Das wirft folgende Frage auf: Wie kam es aber, dass dieses vermutlich hohe Oxytocinquantum dieser Eltern als Sensibilisierungsmotor zum Verstehen bei dem einen Kind noch nicht zur Auswirkung gekommen war, obgleich es doch wohl bei den anderen Kindern seine Effektivität gezeigt hatte? Das lag offenbar daran, dass sie hier nun erstmalig ein nachhaltig aufsässiges Kind zu verkraften hatten. Die übliche Tradition, bösen Ungehorsam möglichst rasch mit Stumpf und Stil auszureißen, hatte dadurch leider zu einer das Verhalten nun erst geradezu aufblühenden Verschlechterung geführt.
Aber wie dem auch sei: Die neuen Forschungsergebnisse über den Effekt der Erziehungserleichterung durch das Oxytocin sollten wir voll Hoffnung zur Kenntnis nehmen. Es erhöht ja die Chancen zu allgemein befriedigenden Erziehungsformen der Zukunft: Es macht die Eltern sensibel für das von der Natur Vorgegebene, für die beglückende Bereitschaft, sich als Erziehender noch mehr in die Kinderseelen zu vertiefen, weil durch das Verstehen Gemeinschaft zwischen Kindern und Erwachsenen elementar verstärkt werden kann.

Mit diesem meinem kleinen aktuellen Impuls jetzt hier lässt sich lediglich Interesse für eine konstruktive Anwendung der Forschungsergebnisse wecken. Sie eröffnen ein breites Feld neuer Sensibilisierung, damit Erziehung glücken kann. Und wie befreiend kann die neue Forschung wirken, wenn sie uns allen neue Wege zum empathischen Verstehen der Schöpfung gewährt! Tut sich damit nicht in erstaunlicher Weise die Liebe des Schöpfers für uns in seinem immer gegenwärtigen geheimen Wirken auf? Unterlegt die Beachtung und Umsetzung dieses Bindungshormons nicht in einer wunderbaren Weise die Notwendigkeit zu einer engen Urgemeinschaft des hilflosen Kindes mit seinen Eltern?
Lässt sich Empathie dieser Art - besonders doch der Mutter - überhaupt erreichen, wenn sie abends gehetzt, eigentlich selbst erholungsbedürftig, aus ihrem Berufsalltag kommt? Und stellt dann überhaupt noch das Hormon das nötige Quantum zur Verfügung, um ihren Kindern dennoch gerecht werden zu können?

Es ist mehr als Zeit, dass wir endlich die gesellschaftliche Situation so verändern, dass mehr Spielraum für die Familie entsteht. Eine seelisch gesunde Generation könnte dann glücklicher und wesentlich leistungsfähiger werden.

Weitere Hinweise HIER:


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