Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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PostPosted: 09.09.2006, 09:38 
Warum kein Berufsbild "Familienmanagerin"?

Zwischenruf einer Mutter aus Deutschland: Nehmt uns Frauen endlich ernst!

Es ist schon eine enorme Leistung von Politik und Gesellschaft, nun endlich zu erkennen, daß in Deutschland Kinder fehlen! Wie allerdings daraus zu schließen ist, daß diesem Mangel fehlende Kinderbetreuungsplätze zugrunde liegen, ist schwer nachvollziehbar.

Trotzdem wird diese These seit Monaten in die Köpfe des deutschen Volkes gehämmert. Immer mehr Rufe nach Kinderkrippen werden laut und immer mehr Menschen stimmen mit ein.
Patricia Haun ist der Kragen geplatzt. Ein bemerkenswerter Kommentar des Magazins KOMMA (Ausgabe 24/2004):

Noch zu DDR-Zeiten haben die Westdeutschen die Menschen im Osten bemitleidet, weil sie ihre Kinder quasi von Geburt an in die Hände des Staates geben mußten und fast keine Familienbindung möglich war. Die zuerst hochgelobte Hitler-Jugend und Kindererziehung durch den Staat in der Nazi-Zeit wurde später als elementarer Fehler erkannt. Diese Methode scheint heute wieder Schule zu machen - wir Deutschen erkennen wieder nicht, daß diese falsche Propaganda in eine Sackgasse führen wird.

Investition in tote Gebäude anstatt in lebendige Familien:
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Es ist einfach, in Kinderhorte, Ganztagsschulen etc. zu investieren, Arbeitsplätze im Bereich der Kinderbetreuung zu schaffen - das wirkt sich sichtbar positiv in der nächsten Arbeitslosenstatistik aus. Anhand von Zahlen und Fotos ist dann leicht nachweisbar, was die Regierung bewerkstelligt hat. Würde das Geld anstatt in tote Gebäude in die Hände von lebendigen Familien fließen, ließe sich erst langfristig messen, welche Früchte diese Investitionen bringen. Es bräuchte Mut und Geduld, bis die Saat aufgeht. Kinderkrippen aber dienen dem Interesse der Politik und Wirtschaft, nicht mir und meinen Kindern, nicht der Familie und der Zukunft!

Zur Gebärmaschine degradiert
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"Wir brauchen unsere hochqualifizierten deutschen Frauen, um die Wirtschaft wieder flottzumachen...", hört man den Bundeskanzler lauthals schmeicheln. Herr Schröder appelliert an den Stolz und das Selbstbewußtsein der Frauen. Diese Taktik wird spätestens dann entlarvt, wenn man die Jobs anschaut, die die meisten berufstätigen Mütter verrichten. Wie gewinnbringend muß es sein, von morgens bis abends Artikel über Scannerkassen zu ziehen, Akten in Versicherungsanstalten zu bearbeiten, und wie schrecklich ist es dagegen, zu Hause die ersten Schritte und Worte des Kindes selbst erleben und die Entwicklung des eigenen Kindes zu verfolgen und zu fördern.
Gibt es noch weitblickende Politiker oder haben alle nur ein Notprogramm zu bieten?
Ich wehre mich strikt dagegen, als Gebärmaschine für politische Ziele zu fungieren. Erwartet man wirklich von mir, auf die Schnelle drei, vier Kinder für die zukünftigen Renten und die Pflegeversicherung zu produzieren, um dann möglichst gleich wieder in den Beruf einzusteigen und die deutsche Wirtschaft anzukurbeln? Meine Kinder werden indessen von fremdem Personal betreut, das durch den "familienfreundlichen" Staat finanziert wird. Wer fragt eigentlich unsere Kleinsten, ob sie lieber in einer natürlichen Familie zusammen mit Geschwistern aufwachsen oder eine Zwangskollektivierung unter Gleichaltrigen bevorzugen?

Stolz sein auf die Mutterschaft!
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Die These des Bundeskanzlers hört sich wirklich "nett" an, aber ist sie auch schlüssig? Derzeitige Arbeitzslosenzahlen sprechen dagegen. Wie viele hochqualifizierte Frauen lassen sich wirklich auf das Wagnis Familie/Beruf ein? Vielleicht ein, höchstens zwei Kinder als Kompromiß. "Aber der Schwerpunkt muß dann doch auf der Karriere liegen, sonst wird´s wohl nix mit dem Aufstieg...", höre ich die Worte aus der Chefetage. Wir Frauen sind zwar von Natur aus in der Lage, mehrere Dinge parallel zu organisieren. Aber auf allen Ebenen das Beste zu geben, wird nur kurze Zeit funktionieren und dann mit einem Kollaps enden. Welche Frau möchte denn, bitte schön, eine halbherzige Mutter sein bzw. auf halber Karriereleiter stehenbleiben? Oder wollen Sie uns verheizen, Herr Schröder?

Es gilt, die Frauen zu bestärken, sich auf die Familienarbeit zu konzentrieren. Das Muttersein sollte zelebriert werden, so wie es derzeit auch in der High-Society modern ist, die Schwangerschaft zu zelebrieren. Gott sei Dank! Die Frauen schämen sich nicht mehr, in Umstandskleidung zu gehen, sondern zeigen stolz ihren Babybauch. Das wirkt ansteckend. Laßt uns auch stolz sein, Kinderwagen zu schieben, den Kindergartenalltag mitzugestalten und Hausaufgabenhilfe zu geben! Zugegeben, mir fällt es auch schwer, mit Stolz den Putzlappen zu schwingen, aber eine bezahlte Hausarbeitshilfe hat uns bisher noch keiner angeboten als Alternative zum Kinderabschieben. Das müssen wir Frauen wohl leider in Zukunft weiterhin so nebenbei erledigen. Aber wie sang schon Johanna von Koczian: "Das bißchen Haushalt macht sich von selbst, sagt mein Mann."

Empanzipation und Arbeitslosenzahlen
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Da fällt mir prompt das Stichwort "Emanzipation" ein. Emanzipation heißt nicht Gleichmacherei. Wir können nicht gleichmachen, was von Natur aus nicht gleich ist. Bis heute ist es den Männern nicht möglich, Schwangerschaft und Geburt am eigenen Leib zu erleben. Welch´ eine Benachteiligung der Männer! Lassen wir uns doch nicht länger einreden, daß Frausein und Muttersein eine Benachteiligung sei. Vielmehr ist es ein Privileg, das wir auch als ein solche erkennen sollten. Wie schade, daß die Frauen mit Simone de Beauvoir begonnen haben, Männer sein zu wollen. Inzwischen wurde zur Genüge bewiesen, daß Frauen durchaus nicht dümmer sind als Männer und sehr wohl in der Lage sind, auch ihre Frau im Beruf zu stehen. Den Frauen, die das möchten, soll dieser Weg auch weiterhin offen stehen. Aber warum muß eine Frau sich schämen, wenn sie den anderen Weg der Investition in die Zukunft, eben in die Kinder wählt?

Emanzipation muß heißen:
Gleiche Anerkennung für alle! Gleiche Anerkennung für Mann und Frau. Aber auch gleiche Anerkennung für Mütter, Hausfrauen und berufstätige Frauen. So sollte ein Stand für den anderen einstehen. Es ist in unserer Gesellschaft möglich, beides zu wählen, aber wir wollen nicht gezwungen werden, uns für den Job zu entscheiden. Ihr Frauen - laßt euch nicht ausbeuten, kämpft für ein Selbstbestimmungsrecht! Fordert von Politikern und Gesellschaft die Anerkennung der Mutter als Beruf und eine angemessene Bezahlung dieses Berufs! Im übrigen würde es die Arbeitslosenstatistik erheblich verbessern, würde man die arbeitslos gemeldeten Hausfrauen und Mütter aus der Statistik herausnehmen. Also vielleicht doch ein meßbarer Erfolg?

Berufsbild "Familienmanager(in)"
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Vor einigen Jahren schon berichtete mir die Frauenbeauftragte der Stadt Offenbach ihre Beobachtung, daß Frauen, die zwischendurch in einer Familienpause ihre Familie gemanagt haben, später belastbarer, flexibler, engagierter und vielfältiger einsetzbar seien. Wäre so eine Schulung und Qualifizierung durch die Familie denn überhaupt bezahlbar? Wer kann diese Leistung umrechnen in Fortbildungsmaßnahmen durch das Arbeitsamt? Wer stellt die Zertifikate für die Mütter aus?
Warum nicht das Berufsbild "Familienmanagerin" kreieren und auch bezahlen? Daß diese Arbeit sehr wertvoll ist, hört man alle Jahre wieder zu Muttertag. Machen Sie ernst, sehr verehrte Damen und Herren Politiker, oder ist das Lob an die Mütter nur Schmeichelei?

Doppelt bestraft
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Der Plan der Regierung, die Kinder fremdbetreuen zu lassen, mag ein wohlgemeinter Schritt in Richtung frauenfreundlich sein, aber in Wahrheit ist er es nicht. Denn die einseitige finanzielle Förderung der Betreuungseinrichtung läßt der Mutter keine Wahl. Wenn sie sich entscheidet, ihre Kinder zu Hause zu betreuen, wird sie nämlich leer ausgehen. Somit ist sie doppelt bestraft. Sie verzichtet auf ihren Verdienst, den sie als Berufstätige erhalten würde, und wird seitens des Staates auch nicht gefördert. Denn der Staat gibt die Finanzen ausschließlich in Betreuungseinrichtungen. Somit wird die Rolle der zu Hause treusorgenden Mutter weiter abgewertet und das Heimchen am Herd mehr belächelt werden denn je.

Selbstbestimmungsrecht der Frauen
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Ich plädiere für ein Selbstbestimmungsrecht der Frauen! Gebt das Geld nicht für Kinderkrippen aus, sondern den emanziperten Müttern selbst in die Hand. Hält Herr Schröder uns nicht für mündig genug, selbst zu entscheiden, ob wir unser Geld für Kinderbetreuung ausgeben möchten oder uns den "Luxus" gönnen, unsere Kinder selbst zu erziehen? Und so zugleich in die Anlage von Humankapital zu investieren! Mit diesem, nennen wir es einmal "Familiengeld", könnte zum Beispiel eine Haushaltshilfe bezahlt werden, um Freiräume für Hobbys, Ehrenämter oder anderes zu schaffen. Welche Mutter im Beruf bleiben möchte, kann dies tun, indem sie das "Familiengeld" eben eigenhändig in Betreuung investiert.

Benachteiligung für Frauen im ländlichen Bereich
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Familienministerin Renate Schmidt sagt in einem Interview: "Natürlich wird in ländlichen strukturierten Bundesländern ... der Versorgungsgrad etwas niedriger sein ..." Es ist auch nicht sehr praktikabel, Kinder von morgens 5.30 Uhr bis abends 18.30 Uhr betreuen zu lassen. Das nämlich sind die Zeiten, die es bräuchte, um die Karriereleiter in Frankfurt von einem Spessartdorf aus zu erklimmen. Welche Alternative haben Sie für die Landbevölkerung anzubieten, Frau Schmidt? Dann aber bitte gleiches Recht für alle! Am besten: Freie Entscheidung für alle, durch Anerkennung der Mütter!

Anmerkung: Patricia Haun (33) ist verheiratet, Mutter von drei Kindern und arbeitet nach Aufgabe ihrer beruflichen Tätigkeit seit einem Jahr hauptberuflich als Hausfrau und Mutter.


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PostPosted: 13.09.2006, 23:30 
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Joined: 28.08.2006, 08:49
Posts: 1246
Location: Österreich/Austria
Mich wundert, dass sich die Frauen nicht mehr dagegen wehren, wenn vom Staat derart erzieherisch und dirigistisch in ihre Lebensgestaltung eingegriffen wird. Die Mütter werden fast als Unmündige behandelt.


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PostPosted: 23.03.2007, 01:03 
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Joined: 22.03.2007, 12:31
Posts: 2
Location: Deutschland
Ja, wir sollten uns mehr dagegen wehren.

Wir haben viel zu lange viel zu viel geschwiegen und uns (lobenswerter Weise) brav um unsere Familie gekümmert.

Nun sollten wir aber nicht länger aufschieben und uns solidarisieren, um unseren Anliegen ein wirksames politisches Gewicht zu verleihen.


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