Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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PostPosted: 06.12.2006, 06:21 
aus der sehr empfehlenswerten Seite des Familiennetzwerks Deutschland "Familie ist Zukunft"

Manche Formen der Fremdbetreuung können bestimmten Babies und Kleinkindern nützen,
andere Formen können ein Entwicklungsrisiko darstellen.
Richard Bowlby 2006

Bindungsforscher wissen schon seit langem um den traumatischen Effekt, der entsteht,
wenn Babys und Kleinkinder sich für 10 Tage und länger ohne Bezugsperson in Krankenhäusern oder Kinderheimen aufhalten müssen.

Image

Neuerdings aber machen sich die Forscher Gedanken darüber,
ob nicht der tägliche Aufenthalt ( 8 Stunden) von Babys und Kleinkindern in Tagesstätten ohne feste Bezugsperson
einen ähnlichen Effekt haben kann,
auch wenn die Auswirkungen auf die psychologische und emotionale Entwicklung weniger dramatisch verlaufen.

Forschungen weisen darauf hin, daß Babys und Kleinkinder unter 30 Monaten in Fremdbetreuung der Trennung besser gewachsen sind,
wenn sie eine stabile Beziehung zu einer Betreuerin/einem Betreuer entwickeln, die/der dadurch zur sekundären, zur zweiten festen Bezugsperson wird.
Wenn dieser Betreuer konstant und zuverlässig erreichbar ist, ist es eher unwahrscheinlich,
daß solche Babys und Kleinkinder die negativen Konsequenzen der wiederholten Trennung von ihrer primären Bindungsperson erfahren -
emotional benachteiligte Kinder können sogar davon profitieren, eine sichere sekundäre Bindungsbeziehung zu haben.

Wenn diese kleinen Kinder aber über den Tag von mehreren verschiedenen Betreuern versorgt werden,
und wenn sie es nicht schaffen können, eine längerfristige sekundäre Bindung zu einem der Betreuer aufzubauen,
zeigen die Forschungsergebnisse, daß die meisten Kinder unter diesen Voraussetzungen einem erhöhten Streßpegel ausgesetzt sind.
Neurowissenschaftler haben in der Gehirnentwicklung von Babys und Kleinkindern,
die chronischen Streß erfahren, Veränderungen festgestellt und einen Zusammenhang hergestellt
zwischen diesen Gehirnveränderungen und einem späteren Ungleichgewicht der Streßachse bei Kindern und Jugendlichen.

Fachleute für die kindliche seelische Gesundheit, die sehen,
daß die Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten und emotionalen Problemen mit zerrütteten oder inadäquaten Bindungen in der Kindheit zusammenhängen,
erkennen auch das Potential an psychologischen Problemen,
die durch wiederholte streßverursachende Trennungen ausgelöst werden können.
Doch ist vielen Laien nicht bewußt, daß diese scheinbar harmlosen Kindheitserfahrungen ernsthafte Risikofaktoren darstellen,
welche die emotionale und soziale Entwicklung der Kinder gefährden können.

Die gängigen Bindungsrisikofaktoren, wie unsichere Bindung, Tagesbetreuung ohne feste Bezugsperson oder Eltern, die sich trennen,
tragen häufig zu einer Reihe von sozialen und emotionalen Problemen der Kinder bei.
Darunter zählen Aggressivität und Verhaltensauffälligkeiten, geringes Selbstbewusstsein,
schlechte schulische Leistungen, Aufmerksamkeitsdefizite, schwache Bindungsfähigkeit,
Schulschwänzen, Traurigkeit und Depression, Drogen- und Alkoholmißbrauch,
Selbstverletzung und Eßstörungen, wenig Einfühlungsvermögen und negative Lebenseinstellung.

(Übertragungen aus dem Englischen von Alexandra Maria Linder M.A.)
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Confusion About Daycare

Some forms of non-parental daycare can benefit certain babies and toddlers, and other forms can be a developmental risk factor.
Richard Bowlby 2006

Attachment researchers have long known the traumatic effect on babies and toddlers when they stayed in hospital or residential nursery for ten days or more without an attachment figure, but now researchers are worried that daily separation for eight hours in daycare without an attachment figure may have a similar though less dramatic impact on psychological and emotional development.

Research indicates that babies and toddlers under thirty months who experience non parental daycare cope better with the separation if they have a stable relationship with one carer, who becomes a secondary attachment figure. When that carer is consistently accessible, the baby or toddler is unlikely to experience the negative consequence of repeated separation from their primary attachment figure; emotionally disadvantaged babies and toddlers may even benefit from having a secure secondary attachment relationship.

But when babies and toddlers are cared for during the day by several different carers and do not manage to form a long-term secondary attachment to any one of them, research data indicates that most of them will experience elevated levels of stress. Neuroscientists have observed changes in brain development of babies and toddlers who experience chronic stress, and have linked these brain changes to subsequent imbalances of neuro-chemicals in children and adolescents.
Child mental health workers who see the increase in behavioural and emotional problems associated with disrupted or inadequate childhood attachments will recognise the potential for psychological problems that repeated stressful separations could provoke. But many lay-people are not aware that these seemingly innocuous childhood experiences may be serious risk factors which can compromise the emotional and social development of children.

Common attachment risk factors, such as being insecurely attached, being in day-care without an attachment figure and having parents who separate, will often contribute to a range of children's social and emotional problems including aggressive and antisocial behaviour, low self esteem, low academic achievement, attention deficits, poor relationships, truancy, unhappiness and depression, drug and alcohol abuse, self harm and eating disorders, poor empathic skills, and negative expectation of life.

Siehe auch:

Kinderkrippen sind ein Verbrechen an der Menschlichkeit

CHRISTLICHES FORUM: Neue Studie bestätigt Psycho-Schäden bei Kita-Betreuung


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PostPosted: 18.12.2006, 23:59 
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Tolle Aktion in England:
Es haben sich 8 international bekannte Bindungsexperten (England, Australien, Amerika) zusammen getan und in England einen offenen Brief an Zeitungen geschrieben, in dem sie die Ganztagsbetreuung in England bezichtigen mitverantwortlich für die Zunahme der mentalen Probleme (wie Gewalt, Depression, Suizid,…) der englischen Jugendlichen zu sein.

Ohne Bindung an die Mutter geht es nicht
http://www.telegraph.co.uk/news/main.jh ... ery121.xml

Das Geld soll in England wieder in Familien fließen, denn die staatliche Erziehung hat versagt – dort muß man den Eltern erst wieder das Erziehen beibringen, während hier in Deutschland (in Österreich wird es wohl noch besser sein) mehr als 2/3 Eltern erziehungsfähig sind, es sich jedoch nicht leisten können mit nur einem Gehalt auszukommen. Wir brauchten hier nur die Entwicklung zu stoppen, während in England nun Milliarden investiert werden müssen, um zurückzurudern.

Sir Richard Bowlby, Präsident des Centre of Mental Health in London, ist der Sohn von John Bowlby, dem Pionier der Bindungsforschung.

Auch werden die Ganztagsschulen, die zu frühe Einschulung als weitere Verursacher hingestellt.
Es gibt einen offenen Brief von 110 Experten verschiedener Fachrichtungen, die das Bildungssystem anklagen:

http://www.telegraph.co.uk/news/main.jh ... unk112.xml ,
http://www.telegraph.co.uk/news/main.jh ... ory603.xml ,
http://www.telegraph.co.uk/news/main.jh ... junk12.xml

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PostPosted: 26.12.2006, 13:02 
Frau U.P., Leserbrief in der Kronenzeitung:

Die Arbeiterkammer stellt es als schlecht hin, wenn Mütter länger bei ihren Kindern zuhause bleiben und anschließend Teilzeit arbeiten gehen, um sich auch weiterhin um den Nachwuchs kümmern zu können.

Ich finde das nicht in Ordnung, ganz im Gegenteil: Eigentlich sollten wir uns freuen, daß die Mütter die Möglichkeit in Anspruch nehmen (können), 2,5 Jahre nicht arbeiten gehen zu müssen.

Das Kinderbetreuungsgeld dürfte also ein voller Erfolg sein, weil ja laut den veröffentlichten Zahlen offensichtlich der Wunsch besteht, länger zuhause zu bleiben und nicht wie frühler schon wieder nach einem Jahr voll im Berufsleben zu stehen.

Ich jedenfalls genieße die Zeit mit meinem Sohn und habe kein Problem, nach den zwei Jahren Teilzeitarbeit anzunehmen, so es möglich ist, und mich in der verbleibenden Zeit auch weiterhin intensiv um mein Kind zu kümmern.


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PostPosted: 13.02.2007, 18:53 
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Familie ist Zukunft - hier gibt es Pressemitteilungen und Artikel . .

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PostPosted: 08.05.2012, 22:27 
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Maria Steuer auf Facebook

Das Abendblatt lügt wie gedruckt. Hier die Wahrheit: "Für weiteren Zündstoff in der Kita-Debatte dürfte das Ergebnis einer neuen amerikanischen Langzeitstudie zur Kinderbetreuung sorgen. Die rund zwei Millionen Dollar teure Untersuchung trägt den Titel
"Are There Long-Term Effects of Early Child Care?"
und gilt als die größte, umfassendste und am längsten angelegte Untersuchung zur Kinderbetreuung in den USA. Finanziert hat sie das staatliche National Institute of Child Health and Human Development,
veröffentlicht hat sie das Fachblatt "Child Development" in seiner aktuellen Ausgabe.

Das Pikante an der Sache: An der Studie sind Forscher der sogenannten NICHD-Studie (National Investigation on Child Development) beteiligt, die der Kita-Betreuung bislang weitgehende Unbedenklichkeit bescheinigt hatte. Krippenbefürworter hatten sich in jüngster Vergangenheit immer wieder auf die NICHD-Studie berufen. Ihnen liefert die neue Studie nun kein Futter mehr, Krippengegner dürften dagegen Aufwind verspüren.

Denn der neuen Untersuchung zufolge entwickeln sich Kinder, die schon früh in Kindertagesstätten aufwachsen, später in der Schule eher zu Störenfrieden und Unruhestiftern als Kinder, die daheim von Eltern, Tagesmüttern oder Kinderfrauen betreut werden. Und zwar unabhängig von der Qualität der Kita.


Dieser Artikel erschien in der Zeitung
DIE WELT


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