Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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PostPosted: 12.05.2008, 06:12 
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Ich habe Anfang Mai 2008 dieses Video gesehen:
„FIREWALL – In Defense of the Nation State“

Es handelt vom Zusammenbruch des bestehenden Finanzsystems.
Mich würde sehr interessieren, was Sie darüber denken.

Zu sehen ist das Video hier:
http://www.bueso.de/


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PostPosted: 17.05.2008, 08:50 
Von: A. R., gesendet: Montag, 5. Mai 2008 00:42
Betreff: Re: Firewall - Zusammenbruch des bestehenden Finanzsystems


Zum internationalen Finanzsystem kann ich die Bücher von den Universitätsprofessoren Altervater, Mankopf und Huffschmid empfehlen
oder leichter lesbar Jean Ziegler.

Mit lieben Friedensgrüßen,
A.R.
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Von: J. M., gesendet: Montag, 5. Mai 2008 07:09
Betreff: AW: Firewall - Zusammenbruch des bestehenden Finanzsystems


Es stimmt, dass die Situation im Finanzsystem so ist,
dass man sich einfach drüber wundern muss, wie es gelingen konnte,
dieses so lange aufrecht zu erhalten.
Längst schon jonglieren Finanzminister nur noch mit Zahlen, auf welche sie immerzu noch weniger Einfluss haben.

Was wir tun können ist hauptsächlich dies:
gute Gedanken in diese Welt senden, beten, in der Stille und während wir uns ganz bewusste Zeit nehmen für unsere Kinder.
Damit kommt Liebe gleich doppelt in diese Welt.

Es ist auch sehr sinnvoll für einen notwendigen Neuanfang genügend Infos zu haben,
um für die Zukunft ein besseres System fordern, erbitten zu können.
Allerdings: in mir ist immer noch die Hoffnung lebendig, sie verstärkt sich sogar ständig,
dass es gelingen könnte, durch genügend Information an der Basis von Regierenden Forschungsprojekte zu erbitten,
zur Vorbereitung für eine so dringend notwendige 2. Weltwährungskonferenz.
Dazu aber brauchen wir auch genügend Verbreitung von Ergebnissen der Friedensforschung, um nicht in Sündenbockstrategien zu verfallen.
Wir sollten geschmeidige Werkzeuge werden wollen für SEIN REICH, schon hier auf dieser Erde!
Es ist möglich, eine andere Welt wäre gestaltbar.
Mit Menschen, die sich eng an IHN schmiegen, vermag ER Wunder zu wirken.

Daran glaubt Ihre J. M.

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Von: A. St., gesendet: Montag, 5. Mai 2008 10:43
Betreff: Re: Firewall - Zusammenbruch des bestehenden Finanzsystems


Recht herzlichen Dank für diese Information. Im ersten Teil des Clips ist die derzeitige/zukünftige Bedrohung des Finanzsystems nach meinem Kenntnisstand einigermaßen realistisch dargestellt.
Der folgende, sich auf Deutschland beziehende Teil erklärt zwar ganz gut, wie es zum 2. Weltkrieg kommen konnte, ist aber für die heutige Situation nicht mehr hauptverantwortlich.
Diese wird nicht von Sündenböcken, sondern völlig legal vom globalen Finanzsystem mit dem von ihm ausgehenden Wachstumszwang in Wirtschaft und Konsum verursacht.

Es geht aber nicht nur um das Finanzsystem, auch nicht nur um ein Erträglichmachen der Folgen des Klimawandels,
sondern um die unabwendbare Strukturveränderung des globalen Gesellschaftssystems,
die mit dem Leerwerden der fossilen Speisekammer kommt.
Es ist dies die mit Abstand größte Herausforderung, der sich die Menschheit je gegenüber gesehen hat.
Wenn wir uns nicht rechtzeitig vorbereiten, wird die Strukturveränderung mit höchster Wahrscheinlichkeit als Totalzusammenbruch erfolgen.
Unser Zeitfenster dazu beträgt im günstigsten Fall noch einige Jahrzehnte. Die größte Herausforderung wird dabei die Nahrungsversorgung bilden, da auch die moderne Landwirtschaft in erschreckendem Ausmaß von den fossilen Energiequellen abhängt.

Sie können dazu auf der Mollner Gemeindehomepage unter Presseinfos
den neuesten Datenhintergrund zu meinem Vortrag "Energieverbrauch - Rückkehr zum menschlichen Maß?" herabladen.
Die Grundaussage ist zwar noch gleich wie bei meinem Referat in Grünburg, doch habe ich einige Anpassungen vorgenommen.
Darüber hinaus können Sie auf dem gleichen Link die Daten zu einem Vortrag von
Tobias Plettenbacher mit dem Titel "Neues Geld - neue Welt" beziehen,
der einige Zusammenhänge des globalen Finanzsystems und Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung aufzeigt,
wie Regionalwährungen und Tauschkreise.

Falls Sie ausreichend routiniert englisch lesen können, würde ich Ihnen die Lektüre des folgenden Buches empfehlen:

Dale Allen Pfeiffer / Eating Fossil Fuels - Oil, Food and the Coming Crisis in Agriculture, ISBN10: 0-86571-565-3
(Bei Amazon.de Euro 8,22)
Es zeigt leider ein beklemmendes Bild davon, was ein gieriges Wirtschaftssystem innerhalb weniger Jahrzehnte aus unserem wichtigsten Wirtschaftszweig gemacht hat.

Ich selbst sehe es als Teil meiner persönlichen Schöpfungsverantwortung, möglichst viel zur Bewusstseinsbildung beizutragen,
auch wenn die meisten meiner Zuhörer die ungeschminkte Wahrheit nicht hören wollen.

Das Verhalten unserer Politiker und "Experten" halte ich in weiten Bereichen für verantwortungslos,
weil sie die Wahrheit im Interesse der Nutznießer des Systems mittels ihrer Macht über die Medien blockieren, selektieren und manipulieren.
Ich habe eine Reihe von Vorträgen gehalten - nach dem Motto
"Wer die Hoffnung aufgibt, gibt sich selbst auf!"
Und diese Hoffnung ist weitgehend nur mehr die Hoffnung auf einen rechtzeitig stattfindenden Schneeballeffekt.

###############################################
Von: R. K., gesendet: Montag, 5. Mai 2008 13:07
Betreff: Re: Firewall - Zusammenbruch des bestehenden Finanzsystems


Mir waren Teile des Videos bereits bekannt, ganz habe ich es mir noch
nicht angeschaut. Auch die Organisation Büso sagt mir etwas.
Das Ganze ist halt ein Konglomerat aus Fakten und Verschwörungstheorien.

Faktum ist, daß wir eine gigantische Krise im Finanzsystem haben.
Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Eine davon ist sicherlich die
Politik der Fed permanent die Zinsen zu senken. Eine zweite Ursache
ist die Ausdehnung der Geldmenge (der ungedeckten Geldmenge).
Inflation ist die Vergrößerung der ungedeckten Geldmenge. In den USA
werden die entspechenden Daten gar nicht mehr veröffentlicht. In
Europa wird die Geldmenge pro Jahr um zirka zehn Prozent ausgedehnt.
Falsch waren wohl auch die Reaktionen auf die Kreditkrise im
Immobilienbereich.
Anstatt die Banken in Konkurs gehen zu lassen, die
sich verspekuliert haben, wurden sie mit einer Ausdehnung der
Geldmenge (zusätzlichem Geld) unterstützt. Geld aber ist eine Ware,
muß also erst verdient werden.
Das politische Signal an den Finanzmarkt war also:
Wenn Du eine Bank bist kannst Du so schlecht wirtschaften wie Du willst, Du hast keine Konsequenzen zu befürchten.

Damit wird natürlich die Krise nicht bereinigt, sondern höchstens
vertagt.

Gleichzeitig wird die Krise nun benutzt, um politisches Kleingeld zu
münzen, in dem man zusätzliche staatliche Reglementierungen,
Kontrollen und damit planwirtschaftliche Intervention fordert (und
auch bereits beginnt umzusetzen).

Das Verschwörerische an dem Video ist nun die These, daß
Globalisierung und freier Welthandel zur Versklavung ganzer Völker
führen, deshalb müsse der Nationalstaat neue firewalls aufbauen.
Faktum ist, daß vor allem freier Handel zu mehr Wohlstand führt, daß
freier Handel zu einem Abbau von Sklaverei und Niedrigstlöhnen führt,
etc. etc.

Viele der ökonomischen Probleme unserer Zeit wurden bereits vor mehr
als einem Jahrhundert von den Vertretern der Österreichischen oder
Wiener Schule der Ökonomie erkannt, beschrieben, und auch Lösungen
aufgezeigt.
Siehe auch bei Paneuropa Österreich!

Alwis:
Eine Rückfrage zu Zinsen:

Nur eine Frage zu Ihrer Bemerkung
" Politik der Fed permanent die Zinsen zu senken":
Ist das negativ?
Sind niedrige Zinsen nicht gut für die Wirtschaft?


Antwort R. K.:

Nun, das ist die allgemeine Annahme, daß eine Senkung der Zinsen gut
für die Wirtschaft ist. Aber die Zinsen sind sozusagen der Preis für
die Ware Geld. Wenn also die Zinsen ohne Intervention höher sind,
dann ist das ein Ausdruck dafür daß eine bestimmte Menge Geld zu
einem bestimmten Preis vorhanden ist. Senkt die Fed die Zinsen,
interveniert sie im Sinne einer Preisregulierung, es wird eine
Nachfrage nach Geld geschaffen, das aber gar nicht da ist. Also muß
die Geldmenge erhöht werden, und das ist dann Inflation. Und die ist
eindeutig nur gut für jemanden der Schulden hat, also im allgemeinen
für den Staat (bei gleichzeitiger Vernichtung von kleineren Vermögen
in Privathand).
.

Die EZB hat sich da in jüngster Zeit etwas klüger verhalten.

###############################################
Von: A. P., gesendet: Montag, 5. Mai 2008 17:20
Betreff: AW: Firewall - Zusammenbruch des bestehenden Finanzsystems


Für diese Unterlage danke ich Ihnen sehr herzlich.
Das Video versteht sehr gut die Zusammenhänge plausibel darzulegen,
aber Analyse und Therapie sind leider stark von der normativen Kraft des Faktischen abhängig.
Aber es geht wenigstens in die richtige Richtung.
Lesen Sie die „3-5-4“ langsam und aufmerksam,
sie bietet Ihnen auf 20 Seiten ein wirklich globales Konzept im Geiste Jesu Christi der Wahrheit.

Mit lieben Dankesgrüßen für Ihre wertvolle Mitarbeit im Weinberg Gottes, Ihr A. P.
###############################################
Von: J. G., gesendet: Montag, 5. Mai 2008 21:57
Betreff: AW: Firewall - Zusammenbruch des bestehenden Finanzsystems


Danke für das Mail. Ich habe mir das Video angesehen.
Meine Meinung dazu ist Folgende: Das Video enthält sicher viele interessante Informationen über die Entwicklung des Finanzsystems im letzten Jahrhundert.
Es ruft eine gewisse Katastrophenstimmung hervor.
Ich muss allerdings sagen, dass die Antworten sehr dürftig sind.
Eine Lösung für die Probleme der heutigen Welt ist nur zu einem geringen Teil durch einen Änderung der Strukturen zu finden.
Solange nämlich die Eigeninteressen eines Menschen, einer Gruppe, Firma, Gesellschaft, Nation, etc.
im Vordergrund des Denkens und Handelns stehen,
ist jegliche Reform nicht viel mehr als Kosmetik.

###############################################
Von: Mag. C. E., gesendet: Sonntag, 11. Mai 2008 21:33
Betreff: AW: Firewall - Zusammenbruch des bestehenden Finanzsystems


im Finanzsystem gibt es immer wieder spektakuläre Turbulenzen, die im wesentlichen Selbstreinigungs-prozesse sind.
Das Finanzsystem ist ein hocheffizienter Organismus, der sich permanent verändert
und sich an die Umweltbedingungen anpasst.
Deswegen ist das System an sich auch nicht bedroht.

Antwort Alwis:

Danke für die „beruhigende“ Nachricht.
Das Finanzsystem ist sicher hocheffizient, allerdings halte ich es für ungerecht.

Ich habe den Eindruck, daß es exponentiell denen Vorteile verschafft, die bereits Finanzvermögen besitzen
und dazu noch entsprechenden Informationsvorsprung –
zum Nachteil jener, die „nur“ arbeiten.

Ich habe auf meine UmfrageUmfrage Kommunismus/Kapitalismus/gibt es einen dritten Weg?
keine befriedigende Antwort erhalten.

Weltweit sollte es meiner Meinung nach so sein:
„Je mehr Vermögen in einer Hand konzentriert sind, desto negativer sollte sich das auswirken.“

Ich habe den Eindruck, daß es jetzt genau umgekehrt ist.
Und das führt zu exponentiell steigender Ausbeutung.

Innerhalb der Nationalstaaten kann zwar dagegengesteuert werden,
aber das weltweite Finanzsystem scheint mir vollkommen rücksichtslos zu sein.
Und die Staaten selber stehen ja auch unter den Gesetzen des weltweiten Finanzsystems.


Von: Mag. C. E., gesendet: Montag, 12. Mai 2008 10:11

Ich sehe das anders.

Der Kapitalismus ist das beste Wirtschaftssystem das wir kennen.
Der sog. dritte Weg ist eine Floskel, aber kein durchgängiges Konzept.
Die negativen Auswirkungen des Kommunismus sind bekannt.

Der Kapitalismus ist jedoch ein Wirtschaftssystem und kein Gesellschaftssystem.
Am besten funktioniert er, zum Wohle aller, wenn er in einen demokratischen Rechtsstaat eingebettet ist, so wie in der westlichen Welt. Es ist auch auf Aufgabe der Demokratie im kapitalistischen Wettbewerb als Schiedsrichter zu fungieren und z. B. dafür das sorgen,
dass es keine Fusionen gibt, die eine marktbeherrschende Stellung nach sich ziehen
oder aber dafür zu sorgen, dass Menschen, die berufsbedingt Informationsvorsprünge im Vergleich zu allen anderen haben,
diese nicht missbrauchen dürfen (z. B. Insiderhandel).

Problematisch kann der Kapitalismus werden, wenn er wie z. B. in China oder Russland in autoritäre Gesellschaften eingebettet ist,
dann sorgt er nämlich dafür, dass diese autoritären Gesellschaften effizienter funktionieren.

Grundsätzlich bietet ein kapitalistisches System extrem viel Freiheit, was auch sehr viel Eigenverantwortung und Bewusstsein erfordert.
Man sollte z. B. keine Investments machen, die man nicht durchblickt.
Leider werden die Menschen in unserem Land unzureichend auf das Wirtschaftsleben und auf den intelligenten Umgang mit dem eigenen Geld vorbereitet.
In der Schule lernt man alles mögliche, aber grundlegende wirtschaftliche Kenntnisse werden leider nur in wenigen Schultypen vermittelt.
Dies ist etwa so als wenn man den Leuten erlauben würde Autos zu fahren,
ohne jemals Fahrunterricht genossen zu haben.
Das ist kein Fehler des Kapitalismus, sondern ein Versäumnis der Bildungspolitik.

Antwort Alwis

Meiner Meinung nach müßte ein Automatismus geschaffen werden, der so wirkt:
:!: „Je mehr Geld in einer Hand zusammenläuft, desto größer die Nachteile.“

Derzeit ist es umgekehrt:
:!: „Je mehr Geld jemand hat, desto mehr kommt noch dazu.“




Von: Mag. C. E., Montag, 26. Mai 2008 08:33

zum Glück kann man sein Erspartes durch kluge Veranlagung vermehren – wenn dem nicht so wäre, dann müssten wir uns bei Zukunftsvorsorge tatsächlich das ziemlich kranke Umlagesystem bzw. auf die ziemlich schlecht arbeitenden öffentlichen Pensionskassen verlassen.

Alwis:
Ich möchte wissen, wie die US-Amerikaner oder die Japaner über die ach so sichere private Zukunftsvorsorge denken, nachdem sie diese z.T. mehrfach verloren haben.


Mit dummer Veranlagung kann man große Vermögen genauso leicht verspielen wie kleine Vermögen – von Automatismus ist also keine Rede! Darum ist es auch nicht so, dass das Geld in im weniger Händen konzentriert wird – auf die eine oder andere kluge Generation, die große Vermögen schaffen, folgen nämlich oft dumme Generation, die wieder viel verspielen.

Alwis:
Und es braucht viele dumme Anleger, damit einige etwas Gescheitere gewinnen können.


Wie gesagt, denke ich das es erforderlich wäre, dass den Kindern in der Schule wirtschaftliche Grundlagen zu vermitteln, damit sie eben nicht Ihr Erspartes mit schlechten Veranlagungen verlieren oder aus übertriebener Vorsicht auf einem schlecht verzinsten Sparbuch liegen lassen. Gewisse wirtschaftliche Grundkenntnisse würden auch verhindern, dass die Menschen unnötig viel Geld für Versicherungen oder die Finanzierung von Auto oder Wohnraum ausgeben …

Übrigen haben praktisch alle finanzwirtschaftlichen Transaktionen, (direkt oder indirekt) realwirtschaft-liche Bezüge, das spielt sich nicht im Luftleeren Raum ab. Wenn Unternehmen von Investoren Geld erhalten, so schafft dies Beschäftigung!

Alwis:
Natürlich ist es gesund, wenn das Geld dorthin gelenkt wird, wo es gebraucht wird.
Aber der Casinokapitalismus geht schon eindeutig zu weit.
Hier wird es eindeutig unmoralisch.

_____________

Von: Mag. C. E., gesendet: Mittwoch, 28. Mai 2008 18:45


zunächst eine Frage, was genau verstehen Sie unter Casinokapitalismus?

Sie sagen „Und es braucht viele dumme Anleger, damit einige etwas Gescheitere gewinnen können.“ Damit behaupten Sie genauer ausgedrückt, dass die einen genau jenen Betrag verlieren, den die anderen gewinnen (der Wirtschaftswissenschafter nennt das „Nullsummenspiel“). Genau diese Aussage ist sachlich falsch, denn die meisten Anlageprodukte sind keine Wetten (= Nullsummenspiele). Wenn Sie z. B. Aktien der Voest-Alpine AG (übrigens ein sehr gutes Unternehmen), dann besitze ich einen kleinen Teil der Voest-Alpine. Die Voest-Alpine wird im Zeitablauf mehr Wert, daher gewinnen im Zeitablauf die Aktien an Wert, d.h. die Summe aller Aktien wird mehr wert, folglich gewinnen die Leute im Durchschnitt. Die Wertzuwachs passt jedoch nicht auf einer gerade Linie nach oben, sondern auf einer Wellenlinie, d.h. jemand der zu einem ungünstigen Zeitpunkt einsteigt, die Nerven verliert und dann mit Verlust aussteigt, kann durchaus mit einen Verlust einfahren – aber es ist keinesfalls so, dass viele verlieren müssen, damit einige viel gewinnen können.

Unmoralisch ist unser Umlagesystem: ich bin 38 Jahre alt und werde gezwungen mittels hoher Beiträge, die Privilegien der derzeitigen Pensionisten zu finanzieren, ich weiß schon jetzt, dass ich bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung im Proportion zu dem was ich einbezahlt habe, relativ wenig zurück erhalten werde. Mit Verlaub, ich würde lieber statt dieser Beiträge mein Geld selbst veranlagen und vermehren. Ich werde zwar die eine oder andere schlechte Entscheidung treffen und daher zwischendurch auch Geld verlieren, aber insgesamt werde ich sicher besser aussteigen.

Antwort Alwis:
Siehaben meine Frage noch nicht beantwortet:
Ich möchte wissen, wie die US-Amerikaner oder die Japaner über die ach so sichere private Zukunftsvorsorge denken, nachdem sie diese z.T. mehrfach verloren haben.

„Genau jenen Betrag, den jemand anderer verliert“ – das spielt es im Casinokapitalismus natürlich nicht.
Wir unterscheiden natürlich schon zwischen Aktien und Optionen u.ä. Anlageprodukten, die wie Wetten funktionieren.
Abgesehen davon wohnt unserem Wirtschaftssystem die grundsätzliche Krankheit des Zinsezinses inne.
Sie kennen doch sicher Silvio Gesell? Ich habe dazu in meinem Forum auch was:
Wer hat Angst vor Silvio Gesell? TEIL 1-4

Zum Umlagesystem:
Ob Sie bei Selbstveranlagung besser aussteigen, steht in den Sternen.
Auf jeden Fall sind Sie verpflichtet (gesetzlich und auch moralisch), unsere Elterngeneration mittels Beiträgen in das Pensionssystem und dazu mittels Steuern zu erhalten. Zusätzlich können Sie natürlich noch selber veranlagen (werden Sie wohl auch).

Ich bin aber volkswirtschaftlicher Laie. Daher habe ich von einem Fachmann Rat geholt und von ihm eine Antwort erhalten, die ich so an Sie weiterleite:


_____________________________________________________________
Von: A. St., gesendet: Samstag, 31. Mai 2008 10:55


1. Die als Selbstreinigungsprozess
erklärten Turbulenzen des Finanzsystems haben stets einer großen Mehrheit von Unschuldigen gewaltige Opfer bis hin zum Tod auferlegt, allerdings auch einer kleinen Minderheit zu Riesenvermö-gen verholfen.
War das die Aufrechterhaltung des Systems wert?

2. In der Natur wächst kein Baum in den Himmel.
Das der Finanzwirtschaft zugrundeliegende Zinseszinssystem bringt dagegen exponentielles Wachstum der Kapitalvermögen ins Uferlose. Geldschöpfung ohne den Geldwert sichernde Wertschöpfung der Warenwirtschaft würde aber nur Inflation bringen, daher übt dieses System einen gewaltigen Wachstums- und Umverteilungsdruck auf Erzeugung und Konsum aus (Werbung!). Umweltprobleme und Ressourcenverknappung haben darin ihre mit Abstand wichtigste Hauptursache.
In der Regelungstechnik charakterisiert man einen technischen Prozess mit exponentiell ansteigen-dem Output als frequenzunabhängig instabil, weil beliebig kleiner Input unweigerlich und sich selbst beschleunigend in die Übersteuerung führt (Frequenzabhängige Instabilität verursacht dagegen Schwingungen). Ursache dafür ist eine positive Rückkopplung (Mitkopplung) im Prozess, die eine Selbstverstärkung bewirkt und ihn so lange unkontrollierbar macht, bis diese Mitkopplung unterbrochen ist.
Die Natur, von der sich die Technik diese Erkenntnis abgeschaut hat, stabilisiert sich durch den gegenteiligen Effekt, eine negative Rückkopplung (Gegenkopplung). Das beschreibt u.a. Konrad Lorenz in seinem Buch "Die 7 Todsünden der Menschheit".

3. Die Institutionen der Finanzwirtschaft, insbesondere die Börsen,
haben die Renditemaximierung zum Ziel und nehmen dabei keineswegs auf die begrenzten Ressourcen der Warenwirtschaft und der Natur Rücksicht. Um Eigenkapitalrenditen um 30% zu erzielen, wurde der Finanzmarkt seit seiner völligen Liberalisierung derart aufgebläht, dass er heute mehr als 98% des Welthandels ausmacht. Im Vergleich dazu betrug der Warenhandelsanteil um 1970 noch 90% und der Finanzhandel diente als Dienstleistung der Warenwirtschaft.

4. Alle bisherige Crashs, auch der von 1945, waren Strukturzusammenbrüche bei voller fossiler Speisekammer.
Heute erleben wir einen nicht zuletzt durch das Nachholbedürfnis bevölkerungsreicher Schwellenlän-der stark steigenden Bedarf (übrigens kräftigst gefördert durch das in Überfülle vorhandene Investitionskapital der Industrieländer) bei schwindenden Vorräten.
Die globale, extrem von der fossilen Energie abhängige Wirtschaftsstruktur würde aufgrund der Regeln des Finanzsystems heute nicht nur eine volle, sondern eine wachsende Speisekammer benötigen.
Ein Strukturzusammenbruch in dieser Situation wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Menschheit vor die mit Abstand größte Herausforderung stellen, die es jemals gegeben hat, wobei das Hauptproblem die Nahrungsversorgung einer bis auf 9 Milliarden ansteigenden Weltbevölkerung sein dürfte.
Sich in dieser Situation für das Finanzsystem in der derzeitigen Form einzusetzen, zeugt nach meiner Meinung bestenfalls von Sachkundigkeit mit gewaltigen Scheuklappen.

Sie können auf www.molln.at , Rubrik Presseinfos, eine gegenüber meinem Vortrag in Grünburg aktualisierte Downloaddatei mit einer umfangreichen Datensammlung herunterladen.
Ebenso kann ich Ihnen den Download der Datei "Neues Geld - neue Welt" von Tobias Plettenbacher auf dem gleichen Link empfehlen.
Ich werde am 14. und 15. Juni im Rahmen der 4. Konferenz der Initiative Zivilgesellschaft auf der Boku in Wien einen Workshop mit dem Titel "Die Gesellschaft im Würgegriff von Wachstumsdruck und Energiemangel" halten.
Es wird um Konsequenzen aus der derzeitigen Situation gehen, vor allem auch um die Frage, was zu geschehen hat, um vielleicht doch noch rechtzeitig einen sanften Strukturwandel einzuleiten.


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PostPosted: 21.05.2008, 08:36 
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Fünf Milliarden “verspielt"

Ein einzelner Händler, der 31 Jahre alte Franzose Jérôme Kerviel, hat einen Finanz-Gau verursacht - den größten anzunehmenden Unfall. Ohne Genehmigung spekulierte er mit bis zu 50 Milliarden Euro auf das Fallen und Steigen von europäischen Aktienindizes, ohne sich durch die üblichen gegenläufigen Geschäfte abzusichern. Wie ein Seiltänzer, der seine Sicherheitsleine abnimmt, bewegte er sich auf den Finanzmärkten. Seine nächsten Vorgesetzten müssen Bescheid gewußt haben, behauptet er - zumindest haben sie nicht richtig hingeschaut.

(...) Zu 500-Euro-Scheinen aufgestapelt, würde die Summe etwa die dreifache Höhe des Eiffelturms erreichen. Sie übersteigt auch das Bruttosozialprodukt von Ländern wie Georgien, Burkina Faso oder Kambodscha.

FAZ v. 2.2.08

Eigentlich egal, wer schuld an der Katastrophe ist. Daß es Einrichtungen gibt, in denen man so gigantische Werte vernichten kann, zeigt, wie pervers das globale Wirtschafts- und Geldsystem geworden ist: Eigennütziges, weitgehend unkontrollierbares Agieren in Rieseneinheiten gibt den Ton an:

Bankenstützung

Der Verwaltungsrat der staatseigenen KfW-Bankengruppe hat ein Rettungspaket für die angeschlagene Mittelstandsbank IKB geschnürt. Das teilten Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Mittwoch nach einem Krisengipfel in Berlin mit. Für die IKB, die sich in der amerikanischen Bankenkrise massiv verspekuliert hat, sind laut Steinbrück 1,5 Milliarden Euro als zusätzliche Eigenmittel nötig. (...) Gegen eine Rettung auf Staatskosten war aber auch Widerstand laut geworden. “Es darf nicht sein, daß die Banken in guten Zeiten ihre Gewinne für sich behalten und in dieser Situation ihre Verluste sozialisieren", sagte der CDU-Haushaltspolitiker Steffen Kampeter dem Handelsblatt. (...)

Die IKB war die erste Bank in Deutschland, die wegen der Krise auf dem Immobilienmarkt der USA in schwere Turbulenzen geriet. Ende Juli sprang die KfW der Bank mit einer Kreditlinie von 8,1 Milliarden Euro zur Seite. Sie übernahm auch 2,5 Milliarden Euro einer Risikoabschirmung, die ein Volumen von damals insgesamt 3,5 Milliarden Euro hatte.

Spiegel-online v. 13.2.08

Auch hier: Milliardenverluste - wie in London, in Wien, und, und...
Zur Rettung ruft man dann den Fiskus - das sind wir alle.


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