Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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PostPosted: 29.12.2008, 20:45 
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Die Presse vom 16.12.08, Wir konsumieren uns zu Tode

GASTKOMMENTAR VON PATRICK MINAR

Erst durch Sparen entsteht der notwendige Kapitalstock, aus dem heraus Unternehmen gegründet und Produkte geschaffen werden können, die das Angebot für daraus entstehende Nachfrage bieten können.

Der Konsum darf nicht einbrechen“ oder „Wir müssen den Konsum ankurbeln“ und ähnliche Aussagen dominieren den aktuellen politischen Diskurs, wie man denn die Auswirkungen der Finanzkrise einbremsen könnte. Diesen Äußerungen liegt jedoch eine völlig falsche Annahme zugrunde, wie es in einer Volkswirtschaft zu einer nachhaltigen und tatsächlichen Wohlstandsvermehrung kommen kann.

Die meistverbreitete, jedoch völlig falsche Sicht der Dinge, lautet ungefähr folgendermaßen: Man gebe der Bevölkerung Geld in die Hand, das diese dann für Konsum wiederum in den Wirtschaftskreislauf einfließen lässt. Als Folge dieser Nachfrage kommt es seitens der Unternehmen zur Bereitstellung des benötigten Angebots. Durch sogenannte Multiplikatoreneffekte solle es so zu einer Vermehrung des Wohlstands kommen. Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik nennt sich diese, auf den irrigen Lehren John Maynard Keynes basierende Idee, dass quasi aus nichts Wohlstand entstehen könne.

Sollte diese Theorie stimmen, wäre es sehr einfach, einer Gesellschaft den Weg in unermesslichen Reichtum zu ermöglichen. Die Regierungen brauchten sich nur in enorm hohem Ausmaß zu verschulden, dieses Geld an seine Bürger zu verteilen, und schon würde sich der gewünschte Effekt einstellen.

Der Weg zum Wohlstand ist mühsam

In Wahrheit verhält es sich jedoch genau umgekehrt: Gemäß dem Grundsatz „There is no free lunch“ ist der Weg zu wirklichem Wohlstand wesentlich mühsamer, langwieriger und politisch viel weniger steuerbar als das Politiker, Intellektuelle und Mainstream-Ökonomen wahrhaben wollen: Zunächst muss man sparen. Erst dadurch entsteht der für beabsichtigte Investitionen notwendige Kapitalstock, aus dem heraus Unternehmen gegründet und Produkte geschaffen werden können, die das Angebot für daraus entstehende Nachfrage bieten können. Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik heißt diese Sichtweise. In Wahrheit würde es reichen, den Hausverstand zu gebrauchen: Ich kann erst konsumieren, wenn ich zuvor gespart habe. Es gibt keine Veranlassung, anzunehmen, dass das, was auf der Ebene eines einfachen Haushalts als selbstverständlich gilt, für eine gesamte Volkswirtschaft nicht zutreffend sein sollte.

Der französische Ökonom Jean-Baptiste Say wusste diese eigentlich banale Tatsache bereits vor mehr als 150 Jahren: Die Möglichkeit zu konsumieren erhält man entweder durch vorheriges Sparen oder durch vorheriges Betteln oder Stehlen.

Nachfrageorientiertes Wirtschaften ist nur leider gerade für Politiker sehr verlockend: Man hält damit eine (pseudo-)wissenschaftliche Begründung in Händen, warum es richtig ist, Geld an seine Untertanen zu verteilen. Dadurch vergrößert sich der Spielraum der Regierungen enorm. Der Ausbau des Wohlfahrtsstaates, Staatsverschuldung, Inflationierung und diverse Konjunkturprogramme schaffen Abhängigkeiten der ehemals freien Bürger gegenüber der anscheinend allmächtigen Politik.

Gewerkschaften freuen sich über erfolgreiche Lohnverhandlungen, obwohl diese oftmals nur eine Steigerung der Produktionskosten bedeuten. Die falsche Annahme, dass mehr Geld in Händen der Arbeiterschaft auch mehr Wohlstand erzeugen könne, liefert so gleich die Existenzrechtfertigung für die Gewerkschaften mit.

Und schließlich freuen sich auch die Bürger, für die es natürlich auch attraktiver erscheint, anstatt den Umweg über langfristiges Sparen zu gehen, Geldgeschenke des Staates in die Hände zu bekommen.

Ökonomen müssten es besser wissen

Die größte Schuld an der weiten Verbreitung der Irrmeinung der nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik haben sicher die Ökonomen.
Sie müssten es besser wissen.
Doch auch für sie ist es allemal angenehmer, auf einem öffentlich finanzierten Lehrstuhl zu sitzen und sich als Regierungsberater ein schönes Zubrot zu verdienen, als die Wahrheit zu sagen:
Der Weg zum Wohlstand ist langwierig und mühsam,
und die Möglichkeiten für Politiker,
das Verhalten der Menschen erfolgreich zu steuern,
sind sehr begrenzt.


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