Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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PostPosted: 07.03.2008, 03:27 
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:!: "Familie und Beruf vereinbaren" geht mit einem oder zwei Kindern ganz gut.

:!: "Familie und Beruf vereinbaren" wird mit drei Kindern ziemlich anstrengend.

:!: "Familie und Beruf vereinbaren" führt ab vier Kindern zur Überbelastung.



Zu Beginn unserer Familiengründung war es noch ein Leichtes, Beruf und Familie zu vereinbaren.
Wir wohnten bei den Eltern meiner Frau, die sich um das erste Kind kümmerten, während meine Frau ihrer Teilezeitarbeit nachging.
Zwischen dem zweiten und dritten Kind zogen wir in unser eigenes Haus ein. D
ie Familie war inzwischen zum Beruf geworden.

Vor dem vierten Kind empfahlen uns Freunde, meine Frau sollte doch wenigstens einige Wochen außer Haus arbeiten gehen, damit sie Anspruch auf Karenzgeld bekäme.
So kam es, daß sie den allseits angestrebten und vielbeworbenen Spagat zwischen Familie und Beruf versuchte.
Es war anstrengend genug.
Ich war in meinem Beruf in der Privatwirtschaft inzwischen auch sehr gefordert. Arbeit von 6-18 Uhr war normal.
An Samstagen kroch ich oft schon um vier Uhr aus dem Bett, schlich mich ins Büro, um zum Frühstück um 9 Uhr wieder bei meiner Familie sein zu können.

Meine Familie war mein zweiter Beruf, den ich auch sehr ernst nahm.
Für meine Frau war inzwischen wieder die Familie der einzige und mit vier Kindern auch ein Vollzeitberuf
mit mehr Arbeit als in manchem Vollzeitberuf außer Haus.


Als sich unser fünftes Kind ankündigte, wurde es eng für uns:
Wir sollten das Haus ausbauen - ein Kinderzimmer und in Summe 84 m² Wohnfläche würden für sieben Personen zu wenig sein.
Meine Frau sollte wieder "Familie und Beruf vereinbaren", obwohl schon die Familie mehr als genug Beruf war (allerdings ein unbezahlter).
Ich war inzwischen in meinem Beruf noch mehr beansprucht, sodaß ich für meinen Zweitberuf zuhause kaum mehr Zeit und Nerven hatte.
Meistens schlief ich in den Betten der Kinder ein, während ich den Kleinen eine Geschichte vorlas oder erzählte.
In diesen Monaten höchster Belastung brach ich zusammen.
Ich gab meine Karriere auf und "kündigte innerbetrieblich".
Mit einem erheblich niedrigeren Gehalt hatte ich jetzt auch für meine Familie Zeit und Nerven.

Dafür bekam ich von unseren Kindern das schönste Geschenk: "Papa, jetzt kann man mit dir wieder reden."
Noch heute muß ich weinen, wenn ich an diese Monate höchster Belastung bis zum Zusammenbruch denke
und mir die Szene vor Augen kommt, wie unsere Kinder dieses große Kompliment aussprachen.

Vier Jahre später wir glücklich unser sechstes Kind bekommen.
Ich habe meinen Vollzeitberuf außer Haus und einen Teilzeitberuf zuhause.
Meine Frau arbeitete vollzeitlich zuhause und in Teilzeit außer Haus.
Wir beide - und nicht wenig auch die Kinder - arbeiteten von Montag morgens bis Samstag abends und zum Teil auch am Sonntag.

Das ist unsere Art von "Familie und Berufe vereinbaren" - wirklich kein leichter Spagat, aber gemeinsam "derschnauften" wir es.

Alle Arten von Einkommen kommen auf ein gemeinsames Konto, von dem jeder nimmt, was er braucht.
Größere Ausgaben besprechen wir gemeinsam, müssen wir uns ohnehin dreimal überlegen und meistens auf später verschieben.

Seit unserem siebten Kind arbeitet meine Frau wieder (mehr als) Vollzeit zuhause und ich Vollzeit außer Haus und Teilzeit zuhause.
Die Kinder helfen mit.
Das Kinderbetreuungsgeld hilft in den ersten zweieinhalb Jahren, nachher wird es eng.
Mit inzwischen acht Kindern ist es für meine Frau schlichtweg unmöglich, zusätzlich noch außer Haus zu arbeiten.
Die fehlende finanzielle Anerkennung der Leistung meiner Frau tut uns weh.
Entschädigt werden wir auf andere Art durch die große Kinderschar, mit der wir viel Freude erleben.

Das größte Geschenk aber bedeutet für uns, wenn unsere Kinder sich vorstellen können, auch einmal viele Kinder zu haben.

_________________
Kinder - unsere Freude.
Glücklich wird, wer andere glücklich macht.


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