Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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PostPosted: 28.07.2013, 01:22 
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Gastkommentar v. 18. Juli 2013, Rudolf Öller in:
ANDREAS.UNTERBERGER.at


Meine Tätigkeit als Assistent an einem Institut für Genetik einer deutschen Universität sollte für ein Probejahr an einem österreichischen Gymnasium unterbrochen werden. Mein damaliger Chef versicherte mir, einen Assistentenposten frei zu halten. Karriere nicht ausgeschlossen.

In Österreich stellte ich mit Staunen fest, dass das Unterrichten eine anstrengende Sache ist. Weniger begabte Schüler sind durch ihre schiere Existenz eine gewisse Kampfansage, begabte Schüler noch mehr, weil sie regelmäßig bohrende Fragen stellen. Auch gelangweilte Schüler sind eine Herausforderung, wenn man bei ihnen versucht, zumindest halbwegs Interesse für das Fach zu erwecken.

Schnell wurde mir klar, dass der Lehrer mehr machen kann, als Wissen zu vermitteln. Der Lehrer ist ein Weltbildvermittler, er kann jungen Menschen beibringen, wie man Wissen einordnet, wie man kritisch denken lernt und wie man Begeisterung entwickeln kann. Nachdem ich das verstanden hatte, bin ich dieser Idee als Lehrer bis zu meinem letzten Schultag treu geblieben. Ich habe mich auch nie gescheut, den Schülern öffentlich agierende Ideologen, Schwafler und Blender als solche vorzuführen. Gerade in meinen naturwissenschaftlichen Fächern war das leicht zu bewerkstelligen.

Während meiner Unterrichtstätigkeit erschien um die Jahrtausendwende die erste PISA-Studie, die von den Medien ignoriert wurde. Die damalige PISA-Studie reihte Österreich in allen Kategorien jeweils im ersten Drittel aller Teilnehmerländer ein. PISA 2000 erbrachte für Österreich so hervorragende Werte, dass diese von den Medien nicht berichtet wurden. „Good news“, vor allem im politisch-pädagogischen Bereich, sind für Medien unbrauchbar.

Drei Jahre später kam es zu einem so genannten „Absturz“ der Ergebnisse. Man muss weder ein Statistik- noch ein sonstiger Experte sein, um zu erkennen, dass hier Mess- oder Rechenfehler vorliegen müssen. Denn innerhalb von drei Jahren änderten sich weder Lehrer noch Schüler noch Lehrpläne so gravierend, dass es zu einem derartigen Leistungsabsturz kommen konnte. Die eklatanten Schwächen der PISA-Studie blieben unseren selbsternannten „Bildungsexperten“, die plötzlich wie rot-grüne Aliens in der Öffentlichkeit erschienen waren, verborgen, sind aber echten Fachleuten aus der Wissenschaft längst bewusst.

Ein Aspekt wird sogar die Lehrer überraschen. Selbst wenn alle österreichischen Schüler einen Sprung nach vorne machten, würden die Bildungs-Risikogruppen nicht kleiner, weil die Daten nachträglich so „normalisiert“ werden, dass ein bestimmter Teil immer die Risikogruppe bildet. Andernfalls würde PISA seinen politischen Zweck nicht erfüllen, nämlich Argumentationshilfen für selbsternannte „Bildungsexperten“ zu liefern.

Nachdem vor ungefähr zehn Jahren urplötzlich eine schauderhaft anmutende Herde von „Bildungsexperten“ die öffentlichen Bühnen betreten hatte, folgte eine quälende Kakophonie ungebetener Wortspenden, die bis heute andauert. Kaum eine TV-Talkshow, kaum ein Wochenmagazin oder eine Tageszeitung, in der uns nicht Selbstdarsteller, die nach ihrer Schulzeit nie eine Klasse von innen gesehen haben, die Schulwelt erklären. Öffentliches Narrentum ersetzt Wissen und Ausbildung.

So diffamierte Ostern 2013 „Bildungsexperte“ Andreas Salcher in einem Interview der Vorarlberger Nachrichten die Lehrer pauschal, als er meinte, dass die österreichischen Lehrer „Osterhasenpädagogik“ betrieben. Sie versteckten ihr Wissen vor den Schülern und diese müssten es mühsam suchen. Niemand wusste, was er mit diesem Unsinn gemeint hat, Salcher weiß es wahrscheinlich selbst nicht. In einem seiner Bücher („Der talentierte Schüler und seine Feinde“) heißt es: „Mathematik ist wichtig, Tanzen ist auch wichtig“. So sieht also die neue Schulwelt eines „Bildungsexperten“ aus – der intellektuelle Tiefgang des 21. Jahrhunderts.

Ein weiterer „Bildungsexperte“ ist Bernd Schilcher aus der schönen Steiermark. Wäre er nicht ein erklärter Favorit von Bildungsministerin Claudia Schmied, so hätten ihn „Falter“ und einige Boulevardzeitungen öffentlich längst in Stücke gerissen. Denn seine geschiedene Frau darf seit Jahren in ihrem autobiografischen Buch („Ich bin ich“ von Judith Jannberg (Fischer Taschenbuch Verlag)) ungestraft behaupten, von ihrem Mann jahrelang körperlich und seelisch misshandelt worden zu sein. Ein Frauenquäler als „Bildungsexperte“. In Österreich ist alles möglich, solange man die richtigen Beziehungen zu den richtigen Politikern pflegt und die Medien bei diesem infamen Spielchen (schweigend) mitmachen.
Sind nicht die Lehrer die wahren Experten?

Erstaunlicherweise werden Lehrer so gut wie nie zur Bildungspolitik befragt, und wenn, dann haben sie es mit tendenziös argumentierenden „Experten“ zu tun, wie Mag. Verena Nägele am 12. Mai 2013 in der ORF-Sendung „Im Zentrum“. Sie war die einzige fachkundige Diskussionsteilnehmerin, was daran zu erkennen war, dass die anwesenden „Experten“ sofort das Thema wechselten, wenn die Kollegin die Kompetenzkarte ausspielte. Als der Moderator Nägele als Vertreterin der Lehrergewerkschaft fragte, wie sie zu den vielen schulautonomen Tagen stehe, und sie sagte, dass die Lehrergewerkschaft diese längst abschaffen wollte, die Schüler und Eltern aber dagegen waren, war das Thema augenblicklich erledigt.

Auch zu den PISA-Resultaten haben Lehrer etwas zu sagen. So bekannte eine Lehrerin aus Korea, dass in ihrem Land nur die besten Schüler aus den besten (Privat)schulen an den PISA-Testungen teilnehmen. In Österreich werden die Schüler gänzlich anders ausgewählt, was bedeutet, dass internationale Vergleiche von PISA-Zahlen nichts sagend sind.

Trotzdem veranstalten (uninformierte) Journalisten jedes Mal einen Mords-Zinnober, wenn wieder berichtet werden darf, wie wenig unser viel zu teures Bildungssystem leistet. Erstens leistet das österreichische Bildungssystem die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit der Welt, zweitens fließt ein großer Teil des Bildungsbudgets nicht in die Schulen, sondern in eine aufgeblähte unproduktive Verwaltung. Insider wissen, dass das österreichische Unterrichtsministerium eine Geldschleuder ist.

Erst vor einem Jahr schockte DDr. Manfred Spitzer die Öffentlichkeit mit seinem Buch „Digitale Demenz“, als er – wissenschaftlich fundiert – berichtete, dass der exzessive Gebrauch des Internets die Schüler systematisch verblödet, wobei Mädchen wegen ihrer sozial motivierten stärkeren Nutzung sozialer Netzwerke mehr gefährdet sind als gleichaltrige Burschen. Für uns Informatiklehrer ist das nichts Neues, wir wissen das seit vielen Jahren.

Wir Lehrer sind schon deswegen die wahren Bildungsexperten, weil nur wir über zeitliche Längsschnittvergleiche verfügen. Ein Lehrer, der mindestens zwanzig Jahre unterrichtet hat, weiß wie kein anderer, wie die Jugendlichen ticken, wie sie gestern und vorgestern getickt haben. Keine Vergleichsstudie kann dieses Erfahrungswissen ersetzen. Innerhalb der Lehrerschaft werden diese Themen sehr wohl diskutiert, aber Redaktionen unserer Medien hören lieber auf Blenderlegenden. So etwas lässt sich in einer oberflächlichen Mediengesellschaft besser verkaufen.
Gesamtschule – Scheindiskussion über Nebensächlichkeiten

Wie schlampig unsere Gesellschaft diskutiert, erkennt man an einfachen Details. So wird seit Jahren über die Einführung der Gesamtschule – auch „gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen“ genannt – diskutiert, aber niemand hat es der Mühe wert gefunden zu fragen oder zu erklären, wie diese aussehen soll. Eher Hauptschullehrpläne? Eher Gymnasiumslehrpläne? Zwei Leistungsgruppen? Vier Leistungsgruppen? Zweite Fremdsprache? Wie sieht die „innere Differenzierung“ genau aus? Ist diese beim bereits einsetzenden Lehrermangel überhaupt machbar?

All das wären entscheidende Fragen, aber damit setzen sich „Bildungsexperten“ mangels Kompetenz nicht auseinander. Stattdessen werden der Öffentlichkeit Gemeinplätze wie „Integration“, „Inklusion“, Bildungsgerechtigkeit“ usw. als intellektuelles Fastfood zum Fraß vorgeworfen, über das nachzudenken nicht lohnt.

Ein Faktum wird beinahe schon pathologisch ignoriert. Eine „Gesamtschule“ der Zehn- bis Vierzehnjährigen gibt es in anderen Ländern zwar nominell, nicht jedoch in der Realität. Da sich das Bildungsbürgertum nirgendwo auf der Welt das Bildungsprinzip nehmen ließ und sich auch in Zukunft nicht nehmen lassen wird, entstanden überall dort teure Privatschulen, wo der Staat versuchte, Ergebnisgleichheit durch Nivellierung zu erreichen.

Eine entscheidende Frage hat kürzlich der Neuseeländische Professor John Hattie in seiner Metastudie „Visible Learning“ beantwortet. Welcher Faktor unter Tausenden ist derjenige, der am ehesten zu einem Bildungserfolg führt? Es sind weder Internet, noch Overheadprojektoren, schon gar nicht „blended learning“ (ein neudeutscher Begriff, der kurz nach seiner Bejubelung wieder verendet ist), nicht „eigenverantwortliches Lernen“, auch nicht irgendein anderer Begriff aus der flachen Welt der Reformpädagogik. Der stärkste messbare pädagogische Wirkungsfaktor ist die Person des Lehrers.
Der Lehrerberuf ist trotzdem erfüllend

Diese Erkenntnis provoziert am Ende meiner Lehrerlaufbahn unabwendbar die Frage aller Fragen: Würdest du, wenn du mit deiner Erfahrung noch einmal zur Welt kämst, wieder Lehrer werden wollen?

Ja, ich würde es wieder machen, denn ich habe den Wechsel von der Wissenschaft in die Schule nie als Abstieg empfunden. Der Lehrerberuf hat einen unschätzbaren Vorteil. Es ist ein grandioser Beruf, wenn man ihn als Berufung auffasst. Der Lehrerberuf ist trotz aller Belastungen, die in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben, ein wertvoller Beruf. Man ist von jungen Menschen umgeben, die man über Jahre hinweg vom Kind bis zum Erwachsenen begleiten darf. Gibt es etwas Schöneres?

Bei all dieser Erkenntnis darf jedoch nicht übersehen werden, dass es sehr wohl soziale Probleme gibt. Es gibt Jugendliche, die allein gelassen sind, in der Familie keine Motivation erfahren und daher eine spezielle Betreuung brauchen. Niemand weiß das besser als Klassenvorstände und andere Lehrer, an denen vernachlässigte Schüler in den Pausen hängen wie Kletten. Ganztagsbetreuung als Angebot ist daher eine wichtige Option, aber das allein löst noch keine Probleme, wie manche „Experten“ glauben. Dreh- und Angelpunkt aller Chancen eines jungen Menschen sind weder Schulstrukturen noch technische Fragen. Wer das glaubt, ist ein „Experte“ oder Träumer, meist beides. Dreh- und Angelpunkt aller Chancen sind natürliche Begabung, Familie und Lehrer. Punkt.

Nochmals Lehrer werden? Ja! Ich würde es wieder machen, ich würde es mir aber dreimal überlegen, nochmals in Österreich Lehrer werden zu wollen. Meine Frau und ich bekamen zu Beginn unserer Lehrertätigkeit die Chance, an einem privaten College in Toronto die Lehrerlaufbahn zu beschreiten. Damals habe ich mich für Österreich entschieden, heute würde ich Kanada den Vorzug geben. Dies nicht wegen des Verdienstes, sondern ausschließlich wegen der erkennbar höheren gesellschaftlichen Wertschätzung.

Ich bereue es keine Sekunde, Lehrer geworden zu sein, und ich erinnere meine Kollegen gelegentlich daran, darauf stolz zu sein, einen großen Beruf ausüben zu dürfen. Meine tiefe Verachtung gehört den Leuten, die unter dem Deckmantel der Diskussion und der Meinungsfreiheit auf dem Lehrerberuf herumtrampeln, weil in einer gehirnweichgespülten und smartphonisierten Boulevardmediengesellschaft Oberflächlichkeit und Blendertum mehr zählen als Bildungsbegeisterung. Sollte es den „Bildungsexperten“ gelingen, mit Hilfe abseitiger Schulstrukturdebatten und einem fortlaufenden Lehrerbashing – um es neudeutsch auszudrücken – gleichermaßen teure wie nutzlose Scheinreformen herbeizuschwafeln, wird sich der bereits begonnene Lehrermangel weiter beschleunigen. Wer will schon einen Beruf ergreifen, in dem man es inkompetenten „Bildungsexperten“, deren Fachwissen in der Öffentlichkeit enorm überbewertet wird, nie recht machen kann.

Die nächste Generation wird einen hohen Preis dafür zahlen, dass erfahrene und verantwortungsbewusste Lehrer heute nicht ernst genommen werden und wir uns von dilettantisch-zynischen Medien laufend versalchern, verschilchern und androschisieren lassen.

Mag. Dr. Rudolf Öller, Jg. 1950;
Gebürtiger Oberösterreicher; Studium „Biologie und Erdwissenschaften“ in Salzburg; Studium der Genetik mit Dissertation an der Universität Tübingen;
Unterricht Biologie, Physik, Chemie, Informatik an einem (katholischen) Privatgymnasium, einer privaten BHS und einem öffentlichen Gymnasium in Bregenz.

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Kommentar Francois Villon:

Herrn Dr. Öllers Gastkommentar ist sehr erfrischend, vor allem seine deutlichen Worte über die „Experten“. Interessant auch die Bemerkungen über die sonderbaren Veränderungen bei PISA bzw. die Strategie anderer Länder.

Im Fernsehen wurde einmal ein Bericht über – ich glaube Japan/China? – gebracht, wie hier die Kinder mit extremer finanzieller Hilfe der Eltern zu Höchstleistungen gebracht werden, weil man wohl erkannt hat, daß man nur mit besten Leistungen den Zugang zu den besten Universitäten und damit einen beruflichen Aufstieg schaffen kann. Die zeitliche Beanspruchung dieser Kinder war so extrem, daß man von gestohlener Kindheit nur noch reden könnte. Ein wohl sehr übertriebenes Modell einer Leistungsorientierung, aber doch ein deutlicher Hinweis darauf, welche Verbrechen an der Zukunft unserer Kinder durch die dümmlichen Schulexperimente und politisch motivierten Indoktrinierungen begangen werden.

Da meine Frau auch Lehrerin war hatte ich sehr guten Einblick in den Schulalltag an verschiedenen Schulen. Darum weiß ich aus Erfahrung, daß Herr Dr. Öller recht hat. Es ist allerdings auch so, daß sehr viele Lehrer ihren Beruf keineswegs so auffassen, wie dies Dr. Öller tat.

Was die Akademisierung des Berufs (sogar der Kindergärtnerinnen) betrifft, so dürfte das nicht wirklich begründet sein, außer um einen Vorwand für höhere Gehaltsforderungen zu liefern. Der Einstieg zB meiner Frau erfolgte nach der Matura und einer einjährigen Ausbildung an der LBA. Sie dürfte aber äußerst erfolgreich gewesen sein, denn einerseits verlangten die Eltern der Kinder jeweils zu fast 100% die Einschulung in ihrer Klasse (was natürlich nicht möglich war und für die Kollegin der Parallelklasse eine recht unangenehme Lage bereitete) und andrerseits haben alle ihre Schüler, soweit sie in ein Gymnasium gingen dieses jeweils bestens absolviert, wie auch spätere Studien.

Die Gründe dafür waren nach meinem Empfinden: sie hatte die Kinder sehr gerne und sah jeweils das Positive in ihnen und sie bereitete sich jeden Tag sehr gründlich und mit nicht weniger Zeit als in der Schule auf den Unterricht vor. Das bestätigt die von Dr. Öller genannten tatsächlichen Erfolgskriterien im Lehrberuf.

Die Leiterin der Schule, eine auf dem (schwarzen) Polit-Ticket hier hinbeförderte Dame war faul, dumm, intrigant aber eitel, was die äußeren Pseudo-Kriterien des „Erfolgs“ betrafen. Sie ließ an der Schule neben der klassischen Pädagogik auch Montessori zu und bevorzugte diesen Typus in schamloser Weise. Der „Erfolg“ war: einerseits eine geradezu feindselige Spaltung des Lehrkörpers ob der Bevorzugung der einen und deren öffentlicher schaumschlägerischen „Erfolgs-Präsentation“ ohne echte Erfolge, andrerseits völlige Beliebigkeit, Disziplinlosigkeit, absolute Unordnung in den Montessori-Klassen, erkennbare Faulheit der betreffenden Lehrerinnen, weil sie sich weder vorbereiteten, noch den Kindern systematisch die erforderlichen Kulturtechniken – Rechnen, Schreiben, Lesen, Heimatkunde – beibrachten, etc. Das war alles so lange „lustig“, als es noch keine Zeugnisse/Noten gab – bis zur 4. Klasse, als dann das böse Erwachen kam, und diese Kinder die Aufnahme in ein Gymnasium nicht schafften, und soweit doch, dort meist größte Schwierigkeiten hatten oder überhaupt scheiterten. Das vormittägliche Sekt-Frühstück dieser Direktorin mit ein paar Claqueuren – meist „grüner“ Eltern -, das Mobbing einiger Kollegen war Alltag.

Da meiner Frau auch gelegentlich – beim Turmen – auffiel, daß Kinder mit blauen Flecken übersäht zur Schule kamen – also zu Hause mißhandelt wurden, oder manche sich völlig verstört zeigten und merkwürdig äußerten - also offensichtlich vom „Onkel“ sexuell mißbraucht wurden – zeigte sie dies im Dienstweg der Direktorin und der Schulbehörde an. Hier übten sich die Behörden im intensivsten Wegsehen und taten nichts. Ein paar Alibihandlungen mit Ferndiagnosen der Schul-„Psychologen“ (mit Abwiegeln) waren alles. Nur nicht hier anstreifen.

Das Mobbing der Direktorin gegen manche Lehrerin ging so weit, daß eine, von der meine Frau sagte, daß sie eine ganz hervorragende Lehrerin war, entnervt in die Pension flüchtete, eine zweite, die noch weit davon entfernt war, bemühte mehrfach die Schulbehörden – mithilfe der Kollegen und meiner Frau, was aber kaum wirksame Erleichterung schaffte, denn die Ursache, eine intrigante Direktorin wurde nicht entfernt.

Als sie schließlich auch in Pension ging, aber immer noch der alten Gewohnheit entsprechend „zum Sektfrühstück“ bzw. Tratsch in die Schule kam, bekam sie von ihrer Nachfolgerin Hausverbot.

Die Erlebnisse mit meinen Söhnen im Gymnasium wären ein weiteres Kapitel über Lehrer, die den Beruf leider verfehlt hatten.

Das, und das Im-Regen-stehen-lassen der Lehrer durch die Schulbehörden sind die zweite Seite der von Dr. Öller beschriebenen Situation. Sie hat aber bereits mit der Häkel-Fräul´n aus Vorarlberg – schwarz – begonnen und ist nicht auf die roten Experimente allein zurückzuführen.


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PostPosted: 07.09.2013, 01:41 
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Sinn und Unsinn der Ganztagsschule

Erschienen bei Andreas Unterberger

Ganztagsschule für alle – Wie soll das funktionieren? Haben sich die Befürworter dieses Modells schon einmal darüber Gedanken gemacht, was das bedeutet? Wo sind die Lern- und Aufenthaltsräume? Wo die Computer, die heute für moderne Lernmethoden unerlässlich sind? Wo ist das kompetente Personal?

Es klingelt. Zwanzig Mädchen sitzen auf sechs verschiedene kleinere und größere Räume aufgeteilt in der Tagesheimschule. Drei Lehrpersonen kümmern sich darum, dass die Hausaufgaben ordentlich erledigt werden. „Können Sie mich abprüfen? Ich hab morgen Geschichtetest.“ „Natürlich! Das mache ich gern“, sage ich und lerne in einem Frage- und Antwortspiel auch noch etwas über Städte im Mittelalter. Nach fünf Minuten werden wir unterbrochen, weil ich schnell eine Gleichung durchrechnen sollte, die sich nicht ausgeht. „Minus mal minus gibt Plus – da liegt der Hund begraben!“ – „A so!“ Nach weiteren fünf Minuten mittelalterlichem Gesellschaftssystem schenkt mir Hanna ein strahlendes Lächeln für mein Lob und die Versicherung, dass sie alles bestens gelernt hat. Wenn doch nur alle so wären wie sie: eifrig und wissbegierig, liest Bücher, wenn sie nichts mehr zu lernen hat, und ist immer höflich und zuvorkommend.

Ich gehe in den nächsten Raum. Hier ist Lea in ein Computerspiel vertieft. „Hast du deine Mathematik-Hausaufgabe gemacht?“ – „Ja“ – „Bist du wirklich sicher, dass du alles hast?“ „Eine Nummer fehlt mir noch, die kann ich nicht“, ist die patzige Antwort. „Hol bitte dein Heft und lass sie mir anschauen, wir machen sie zusammen.“ Mit einem wütenden Schnauben steht Lea auf, läuft aus dem Raum, kommt mit dem Heft zurück und wirft es mir vor die Nase. „Ich hab´s eh erst bis übermorgen auf!“ und setzt sich wieder an den Computer. Muss ich mir so ein Verhalten bieten lassen? „Nicht in diesem Ton, Lea! So kannst du lange warten, bis ich dir helfe!“ Ich habe keine Sanktionsmöglichkeit, außer ihre Mutter zu informieren. Doch das hat wohl ebenso wenig Sinn wie beim letzten Mal, denn sie hat ihre Tochter in Schutz genommen und ihr Versagen auf Lehrer und Mitschülerinnen geschoben.

Ich verlasse den Raum und treffe am Gang auf Corinna, über die sich meine Kollegin beklagt hat, dass sie nicht in der Mathematik-Übungsstunde war. Ich stelle sie zur Rede und bekomme die Antwort „Das bringt ja eh nix und außerdem habe ich zu Hause jeden Mittwoch eine Nachhilfestunde.“ „Aber du weißt, dass es eine Vereinbarung gibt, dass du bei einer schlechten Schularbeitsnote die Übungsstunde besuchen musst.“ –„Okay, ja –nächste Woche“, verspricht sie mir. Ich fürchte, das es eine leere Versprechung ist und sie wieder versuchen wird, sich irgendwie zu drücken.

In der Bibliothek schaue ich Maria über die Schulter. „Du hast aber noch kaum was gerechnet, deine Klassenkameradinnen sind schon fast fertig.“ – „Ich bin fertig und würde gerne in den Garten gehen!“ sagt Melissa. Ich nicke und wende mich wieder Maria zu „Ach, ich hab keinen Bock! Wissen Sie, ich habe eine Mathematikallergie“, bekomme ich zu hören. Ich ziehe mir einen Stuhl heran und setze mich neben sie. Es bleibt ihr nun nichts anders übrig, als zu rechnen. Obwohl sie immer wieder versucht, mit den Mädchen um sie herum Kontakt aufzunehmen, hat sie die Aufgabe nach nicht einmal zehn Minuten geschafft.

Rebecca zeichnet ein Mannequin. „Bist du fertig?“ – „Nein, aber meine Mama will die Aufgabe mit mir machen, sie will wissen, was ich so lerne.“ Ich zweifle daran, dass das stimmt, weil die meisten Eltern froh sind, wenn die Kinder keine Aufgabe mehr zu Hause machen müssen. Es gelingt mir nicht, sie davon zu überzeugen. Elena bittet mich, ihren Aufsatz durchzulesen. Er strotz vor Rechtschreibfehlern und Stilblüten, aber auf meine Verbesserungsvorschläge bekomme ich immer nur die Antwort „Das ist doch wurscht.“ – Wozu lese ich es dann?

Es läutet und Elena nimmt mir das Blatt aus der Hand, stopft es in die Schultasche, schreit „Tschüüüs!“ und rennt hinaus. Ich sammle liegen gebliebenen Müll ein, stelle Stühle zurecht und mache eine Schülerin, die noch am Computer sitzt, aufmerksam, dass sie nach Hause gehen könne. „Ich muss das nur noch schnell ausdrucken, ich habe morgen ein Bio-Referat“. Der Text ist aus Wikipedia und enthält jede Menge Fremdwörter. „Möchtest du das wirklich morgen so präsentieren?“ frage ich. „Ja, ja, das geht schon, ich muss es eh nur vorlesen!“ Ich zucke resignierend mit den Schultern, warte bis sie fertig ist, sperre dann den Raum ab und gehe nach Hause.

Wenn drei Lehrer für eine Tagesheimgruppe von zwanzig Schülerinnen es kaum schaffen, alle Hausaufgaben zu kontrollieren und Hilfestellungen und Anleitungen zum effizienteren Lernen zu bieten, sowie sinnvoll mit Schülerinnen ihre Freizeit zu gestalten, wie sollte es gelingen, wenn alle 1000 oder noch mehr Schülerinnen einer Schule am Nachmittag zu betreuen sind? Wie stellt man sich eine individuelle Betreuung und Begleitung vor, wenn das nicht einmal in Kleingruppen möglich ist?

Können wir wirklich erwarten, dass die schlechteren Schülerinnen von den besseren lernen? Die Erfahrung zeigt, dass das nur in Einzelfällen gelingt. Sehr schnell verlieren Klassenkameradinnen die Geduld und geben lieber die Empfehlung, die Aufgabe abzuschreiben, als dass sie sich bemühen, sie den schwachen Schülerinnen zu erklären.

Interessen zu wecken und neugierig zu machen sind Aufgaben, die bereits vom Elternhaus erfüllt werden müssen. Dort beginnt Bildung in jeglicher Form, soziale wie wissenschaftliche, dort liegt der Grundstein für den Erfolg in der Schule und im späteren Leben. Es darf nicht das Ziel sein, alle Wege zu ebnen und den Kindern möglichst wenige Aufgaben zu erteilen.

Eltern suchen immer mehr die Schuld an den schlechten Noten nicht bei ihren Kindern, sondern bei den Lehrern. Sie untergraben die Autorität der Lehrpersonen, wenn sie verbal über diese herfallen und ihren Kindern noch die Empfehlung mitgeben, sich nichts gefallen zu lassen. Eine solche Haltung wird sich bei den Kindern auf ihrem späteren Arbeitsplatz fortsetzen. Sie werden auch hier Anweisungen von Vorgesetzten in Frage stellen und sich weigern, anstrengende Tätigkeiten auszuführen oder gar Überstunden zu leisten. Frustrationen sind vorprogrammiert, denn Glück und Zufriedenheit hängen unmittelbar mit dem Erreichen eines Ziels durch Leistung und Anstrengung zusammen.

Eigenverantwortliches Lernen gelingt nur, wenn schon Kleinkindern Verantwortung übertragen wurde. Jene Schüler, die immer am Gängelband der Eltern hängen, werden in Ganztagsschulen scheitern, weil niemand ständig hinter ihnen stehen kann, der ihnen sagt, was sie zu tun hätten. Für eine leider immer größer werdende Anzahl von Kindern, die zu Hause sich selbst oder dem Computer und dem Fernseher überlassen sind, ist Ganztagesbetreuung eine gewisse Chance, soziale Kontakte knüpfen zu können und einen geregelten Tagesablauf mit einem gesunden, warmen Mittagessen zu haben.

Schulversuche zur freiwilligen Nutzung einer Ganztagesbetreuung sind für viele Eltern und Schüler ein wertvolles Angebot. Es gibt aber immer noch viele Mütter, die nicht berufstätig sind und gerne ihre Kinder in ihrer Entwicklung fordern und fördern wollen. Für sie wäre eine Regel-Ganztagsschule ein wesentlicher Eingriff in die persönliche Freiheit.

Mag. Silvia Öller, gebürtige Oberösterreicherin, studierte in Salzburg Biologie und Erdwissenschaften (mit den Nebenfächern Physik, Chemie, Geologie und Mineralogie) für das Lehramt. Sie unterrichtete an einem Privatgymnasium in Bregenz Biologie, Physik und Chemie und war rund 15 Jahre lang in der freiwilligen Nachmittagsbetreuung tätig.


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 Post subject: Linke Heuchler
PostPosted: 07.09.2013, 21:57 
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Joined: 04.09.2011, 22:17
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Wasser predigen - Wein trinken:

Vizepräsidentin des Landesschulrates Leidlmayer (SP) setzt sich im Leserbrief vom 26. August 2013 linientreu und vehement für die Gesamtschule ein.

Auch wenn die Argumente pro und contra längst ausgelaugt sind, liefern ausgerechnet prominente SPÖ-Politiker das beste Argument gegen die Gesamtschule. Sie schickten ihre Kinder nicht in eine öffentliche „Einheitsbrei-Schule“, sondern in private Eliteschulen.
Bundeskanzler a. D. Gusenbauer sah seine Tochter am Lycée Francais in bester Gesellschaft. Da kann der SP-Klubobmann Cap natürlich nicht nachstehen und entscheidet sich ebenfalls fürs Lycée Francais.
Dieses elitäre Institut ist ja die reinste Kaderschmiede für Kinder von SPÖ-Gleichheitsfanatikern: Auch die ehemalige Frauenministerin Bures schickte ihre Tochter in der Unterstufe ins Lycée Francais.
Bitte, warum soll da Oberösterreichs roter Vorkämpfer für Gleichheit, Erich Haider, seinen Sohn nicht zumindest ins Petrinum schicken?
Die längstdienende NR-Abgeordnete der Grünen und spätere Volksanwältin Stoisits bevorzugte fürs eigene Kind das Theresianum.
So billig machte es sich Stefan Schennach, Bundesratsabgeordneter der Grünen, nicht: Sein Sohn war ihm schon die Vienna International School wert, deren Schulgeld zumindest über 1000 Euro pro Monat liegt.
Ist nicht das BZÖ seit einigen Jahren ebenfalls von Einheitsschulen überzeugt? Offensichtlich hat Westenthaler deshalb für seine Tochter die katholische Neulandschule gewählt.

Mag. Leo Filsecker, Wels


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