Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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PostPosted: 13.09.2006, 23:26 
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Ausdrücklich warnen müssen wir vor allem vor jedem Versuch, verpflichtende Ganztagsschulen einzuführen oder deren Einführung zu riskieren. Die Lebensformen der Erwachsenen sind vielfältig. Sie lassen sich mit Recht nicht über einen Kamm scheren.

Ebensowenig unsere Kinder. Auch bei ihnen sollten wir die Vielfalt zulassen.
Vor allem kinderreiche Familien können ihre Kinder individuell fördern und wollen auch die Zeit an den Nachmittagen (nicht nur die Abende) mit ihren Kindern verbringen.

Außerdem gibt es in Oberösterreich ein gutes Musikschulwesen, das mit Ganztagsschulen auf die Abendstunden verdrängt würde – und damit für viele nicht mehr genutzt werden könnte – das wären einige kulturelle Schritte rückwärts.

Nicht zu reden von vielen anderen Vereinen und Aktivitäten unserer Kinder, die an Nachmittagen stattfinden.


Last edited by alwis on 09.04.2007, 11:03, edited 1 time in total.

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PostPosted: 24.09.2006, 12:01 
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alwis wrote:
Außerdem gibt es in Oberösterreich ein gutes Musikschulwesen, das mit Ganztagsschulen auf die Abendstunden verdrängt würde – und damit für viele nicht mehr genutzt werden könnte – das wären einige kulturelle Schritte rückwärts.
Nicht zu reden von vielen anderen Vereinen und Aktivitäten unserer Kinder, die an Nachmittagen stattfinden.


Hallo Alwis!

Ja! Das sage ich mir auch schon immer.
Als Kind bin ich nachmittags nach den Hausaufgaben durch die Gegend gestromert, und habe mir spoantan mein Nachmittagsprogramm mit meinen 4 Geschwistern und/oder unzähligen Freundinnen selber gestaltet.
Meinen Kindern habe ich das auch noch annähernd bieten können. Nur das mit dem Nachmittagsprogramm mit Freunden und Freundinnnen war schon nicht mehr so einfach. Man musste schon mit den Eltern Termine für Besuche vereinbaren. So verplant waren die Anderen.

Ich bin der Meinung, wenn sich ein Kind schon 5, 6, 7 Stunden dem Schulsystem unterordnen muss, soll es die restliche Zeit zur freien Gestaltung haben.
Individualität und Spontanität ... und nicht 16 Stunden nach einem starren Terminplan.

Als Jugendbetreuerin sehe ich heute schon, wie schwierig es für viele Kinder ist, unsere Heimstunden wahrzunehmen. Und so schwinden unsere Mitgliederzahlen von Jahr zu Jahr.

Mit der Ganztagesschule wird es wohl das Ende unseres Nachwuchses geben.
Dort wo früher auch (oder sogar vorwiegend :wink: ) am Samstag die Heimstunden abgehalten wurden, kann im Jahr 2006 kein einziger Leiter mehr auf diesen Tag zurückgreifen. Samstag und Sonntag gehört den Eltern … die ihre Kinder nur noch an diesen beiden Tagen wirklich bei sich haben.
So wird im Falle einer Ganztageschule wohl der Abend nach dem Unterricht + Nachmittagsbetreuung auch nur noch ausschließlich den Eltern gehören.

Ich sträube mich mit Händen und Füßen gegen den Weg, der momentan politisch „gefo(ö)rdert“ wird.
Frau muss unabhängig vom Partner sein! ……. Kein schlechter Ansatz!
Aber der einzige Weg ist nur der, dass sie „arbeiten“ geht, und die staatlichen Kinderbetreuungseinrichtungen in Anspruch nimmt …. die wie die Pilze aus dem Boden schießen.

Warum kann man die Arbeit der Familienfrau nicht auch finanziell, und steuer-/pensionsversicherungspolitisch, anerkennen? Damit wäre sie genauso unabhängig vom Partner. Wir bräuchten keine Ganztagesschulen mehr … wir bräuchten keine Kinderkrippen mehr, und auch die Ganztageskindergarten- und Hortplätze stehen ausreichend genug zur Verfügung.
Außerdem hätten wir durch die „Familienfrau“ ein großes Netzwerk an Tagesmüttern, auf die außerhäuslich berufstätige Mütter und Väter zurückgreifen können.

Ich habe die Zahlen vom Kath. Familienbund aus der aktuellen Zeitschrift „Ehe und Familie“ (09/10 2006) hier liegen.
Auf Seite 4 ist zu lesen ….

Nachmittagsbetreuung an den Pflichtschulen

1995/96 (also in der Zeit als meine Kinder im Kindergarten- und Volksschulalter waren) haben 29.000 Kinder dieses Angebot wahrgenommen.

2006/07 sind es geschätzte 80.000 Kinder

Obwohl die Kinderzahlen jährlich sinken, stieg die Zahl jener Kinder, die am Nachmittag betreut werden, um beinahe 2/3.

Ich weiß, wie engagiert viele Betreuer in den Kindergärten oder Horten arbeiten. Aber es ist niemals mit der Kindheit zu vergleichen, die ich verleben durfte.

Und das tut mir für diese Kinder sehr Leid.

Im Interesse der Kinder, müssen wir neue Wege einschlagen. Back to the roots. Kindererziehung ist Familiensache … staatliche Kindererziehung darf nur noch unterstützend wirken.
Gefördert wird derzeit leider: Der Staat übernimmt die Betreuung und Erziehung der Kinder ab dem 18 Lebensmonat … spätestens aber ab dem 2. Geburtstag.
Und das darf es nicht sein!
Kinder haben ein Recht auf einen Elternteil, einen Großelternteil, oder (als drittbeste Möglichkeit) eine flexible Tagesmutter. Und das Recht dort nach ihrem eigenem Rhythmus zu leben, und sich nicht schon viel zu früh dem Rhytmus der Erwachsenen unterwerfen zu müssen.

Und das kann man nur ermöglichen, wenn man Familien finanziell unter die Arme greift … indem man z.B. Familienarbeit als Beruf anerkennt.


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PostPosted: 24.09.2006, 22:27 
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Servus Petra!

Deinen Ausführungen kann ich nur zustimmen.
Kämpfen wir gemeinsam gegen die Vereinnahmung der Kindheit durch den Staat!

Ich bin auch überzeugt:
Wirklich kreative Menschen wachsen nur in Freiheit heran.
Und gerade kreative Menschen brauchen wir für jede Art von Fortschritt.


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PostPosted: 09.04.2007, 11:02 
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Gesendet: Montag, 9. April 2007 11:00
An: 'innenpolitik@nachrichten.at'

Betreff: OÖN 6.4.07, Gastkommentar von Josef Fragner "Ganztagsschulen als Chance für die Familie"

Sehr geehrte Damen und Herren von der Redaktion „Innenpolitik“

Herr Fragner tritt für die Einführung von Ganztagsschulen ein, in denen der verpflichtende Unterricht über den ganzen Tag verteilt wird. Für manche Eltern mag das ja brauchbar sein. Aber auch Kinder, die das nicht so wollen, müssen dann den ganzen Tag in der Schule verbringen.

Wir sind als Anhänger der traditionellen (kinderreichen) Familie dagegen, weil wir unsere Kinder zuhause sozial besser fördern können als das eine Schule – und sei sie noch so gut – jemals kann.

Die Befürworter der Ganztagsschulen wissen wohl, daß sie mit Freiwilligkeit nicht alle Kinder bekommen. Deswegen wollen sie den Unterricht mit Sport, Erholung usw. mischen, damit alle Kinder bleiben müssen. Nicht gerade ein Beweis für die Qualität einer Ganztagsschule!


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PostPosted: 26.07.2007, 06:26 
Gesamtschule

Was müssen unsere Kinder noch ertragen?
In der aus politischem Kalkül vom Zaun gebrochenen Gesamtschuldiskussion greifen immer wüstere Ausdrücke und Vergleiche durch bestimmte Politiker Platz. So wird nicht von einer Entscheidung über den weiteren Bildungsweg nach der 4. Klasse Volksschule gesprochen, sondern von „Selektion“.
Bei der Diskussionssendung „Im Zentrum“ sprach LH Haider von der Hauptschule als „Deponie“, Hauptschüler scheinen für ihn also Abfall zu sein.
Susanne Jerusalem, Bildungssprecherin der Grünen Wiens, sprach im Zusammenhang mit Bildungsentscheidung von „Rassentrennung“, was einer schweren Diffamierung einer Gruppe Jugendlicher gleichkommt.
War es nicht schon genug, dass durch eine skandalös unrichtige Auswertung der Pisa-Ergebnisse durch Herrn DDr. Haider Österreichs Kinder und Jugendliche in ganz Europa diffamiert wurden?

Die österreichischen Jugendlichen „genießen“ vermeintlich große Freiheiten: Rauchende Elfjährige in Diskos und bei Zeltfesten und Zwölfjährige, die beim Komasaufen den ersten Platz durch akute Alkoholvergiftung erringen, können die Gleichgültigkeit der Politik nur kurz durch mediale Aufmerksamkeit stören.

Wenn es aber darum geht, welche weiterführende Schule ein Kind besuchen soll, dann soll es in Zukunft nach dem Willen der Frau Unterrichtsministerin und ihrer Partei vorbei sein mit der Freiheit:
Hinein mit allen in die Gesamtschule! Wo kämen wir denn hin, würden wir diese Entscheidung den Eltern und Kindern überlassen! Bei der Bildung hört sich der Spaß auf, da werden wir schon alle auf das gleiche Eintopfniveau bringen!


Und für die eigenen Kinder gibt es ja immer noch das Lycée und andere Privatschulen, die ein gemeinsames Charakteristikum haben: Schulgeld, das die Eltern bezahlen müssen.

Die Verunglimpfungen, die Instrumentalisierung für politische Zwecke, die Gleichgültigkeit und jetzt vor allem auch noch die VERWEIGERUNG VON BILDUNG: Was genug ist, ist genug! Lassen wir es nicht zu!

Mag. Gertraud Hofstötter, St. Martin/Innkr.


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