Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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Ein paar Fragen zur Gesamtschule
aus der Wiener Zeitung, http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefa ... rentpage=0


Von Martin Wöber
Der Autor unterrichtet Latein und Griechisch am Klemens Maria Hofbauer Gymnasium in Katzelsdorf a. d. Leitha.


Anstatt einseitiger Polemiken über das Thema Gesamtschule erwartet sich ein Vater zweier Kinder und Lehrer Antwort auf seine Fragen zur Schulpolitik.

Einerseits begrüße ich es, wenn die öffentliche Berichterstattung der Bildungspolitik und insbesondere dem Thema Gesamtschule Raum widmet. Aber fast täglich finden sich Aussagen darüber, wie sehr die ÖVP sinnvolle Vorschläge blockiere, Gespräche verweigere, wie schlecht es um unsere Schulen bestellt sei, wie katastrophal die Regierung bisher an einer sinnvollen Bildungspolitik gearbeitet habe und so weiter und so weiter.

Zuletzt fand sich sogar die Schlagzeile, die OECD empfehle in ihrer jüngsten Studie die Gesamtschule, obwohl in dieser Studie nicht einmal ansatzweise davon die Rede war. Ständig hört man von neuen Umfragen, die anscheinend so oft wiederholt werden, bis man das gewünschte Ergebnis vorweisen kann: "Eine überwältigende Menge der Eltern möchte die Gesamtschule . . ." – obwohl offenbar genau das Gegenteil zutrifft (noch).

Fast scheint es mir, als würden nur jene APA-Meldungen für die Berichterstattung ausgewählt, die genau diesem Ton folgen, als gebe es nicht auch ganz andere Fragen, die zu beantworten wären, um mir, einem Vater zweier Kinder im Alter von 9 und 11 Jahren, die Schullaufbahn-Entscheidungen zu erleichtern.

1. Gibt es in Österreich bereits Schulversuche, in denen eine gemeinsame Mittelschule geführt wird? Welche Erfahrungen hat man dort gesammelt?

2. Welche Verbesserungen erwartet man sich für Kinder, wenn sie Gesamtschulen besuchen statt Hauptschulen, Sonderschulen und Gymnasien? Hier wären folgende Bereiche zu diskutieren: Begabtenförderung, Lernniveau (Höhe der erreichbaren Lernziele), soziales Umfeld, Abschlüsse für weiterführende Schulen, Chancen auf dem Arbeitsmarkt, subjektive Zufriedenheit.

3. Welchen Standpunkt nimmt die Wissenschaft in den zuletzt genannten Fragen ein?

4. Welche Erfahrungen lassen die Zuversicht zu, dass keine Nivellierung nach unten eintreten wird?

5. Welche Maßnahmen zur Verbesserung unseres Schulsystems könnte man jetzt sofort durchführen – auf der Basis bestehender Gesetze?

6. Was genau wird am jetzigen Schulsystem bemängelt? Was sind die Dinge, die man ändern möchte? Welche Vorschläge existieren bereits? In welcher Form wird mit den Betroffenen geredet?

7. In Deutschland gibt es außer in Bayern und Baden-Württemberg Gesamtschulen, allerdings nicht flächendeckend, sondern neben bestehenden anderen Schulformen. Welche Erfahrungen hat man dort in den vergangenen 30 Jahren gemacht?

8. Wie erklärt man sich, dass die Pisa-Daten von Bayern und Baden-Württemberg denen der anderen deutschen Länder überlegen sind?

9. Wie sieht es an den anderen europäischen Gesamtschulen aus – hinsichtlich Wohlfühlen der Kinder, hinsichtlich Lernerfolg, Sozialkompetenz, Gewaltbereitschaft? Hier könnten manche Medien durchaus Reportage-Serien gestalten!

10. Wie hoch liegt die Jugendarbeitslosigkeit in den anderen Ländern Europas, die uns als Vorbild verkauft werden?

11. Wer würde von einer Gesamtschule profitieren, wenn man annimmt, dass die gegenwärtige Stimmung nicht das Wohl unserer Kinder im Blick hat?

12. Wie kann die SPÖ ein Modell fordern, das ihrem eigenen Parteiprogramm widerspricht? Kann es eine gemeinsame Schule überhaupt geben, wenn die Wohlhabenden nach Möglichkeit ausweichen? Schafft man nicht gerade durch die "Einheitsschule" eine neue soziale Kluft, die für viele, die jetzt ein Gymnasium besuchen, unüberwindlich wird?

13. Warum wehrt sich SPÖ so vehement dagegen, dass man Gesamtschule unter Einbindung der Betroffenen tatsächlich versucht und diese Versuche auch evaluiert? Was hat sie zu befürchten?


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