Sprachfeminismus in der Sackgasse

Muttersprache, Sprachpflege, Stilfragen
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alwis
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Sprachfeminismus in der Sackgasse

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Original HIER:

Erschienen in:
"Deutsche Sprachwelt", Ausgabe 36, Sommer 2009, D - 91004 Erlangen

sowie in:

André Meinunger, Antje Baumann (HG.): Die Teufelin steckt im Detail – Zur Debatte um Gender und Sprache, Kulturverlag Kadmos Berlin 2017, 300 Seiten, ISBN 978-3-86599-287-1

Frühere Titel:

Sprachzerstörung aus Konzilianz – die Umkehr ist überfällig
Wider die Abschaffung des allgemeinen Menschen in der deutschen Sprache
Alibi-Feminismus - kein Gewinn für die Frauen


Das Phänomen

Zahlreiche Redaktoren, Autoren von Sachtexten, Gesetzgeber und Werbetexter haben sich angewöhnt, menschliche Funktionsträger stets doppelt zu erwähnen, und so liest und – soweit es auszusprechen ist – hört man denn allenthalben von Athleten und Athletinnen, EidgenossInnen, Arzt/Ärztinnen und Bürger/innen. In diesen Sprachgebräuchen widerspiegelt sich einerseits die konziliante Haltung der Schreiber gegenüber dem Gleichstellungsanliegen der Frauen; andererseits aber wird dadurch so schwerwiegend in die Sprache eingegriffen, dass die Lektüre nicht bloß ermüdend wirkt, sondern das laute Lesen teilweise sogar unmöglich wird und der Inhalt kaum mehr verständlich ist. Ein Beispiel aus einem Protokoll des Basler Gesundheitsdepartements möge dies belegen:

"Bereits die mildeste und häufigste Form der Trennung einer ‘Rolle des Verantwortungstragens’ (Arzt/Ärztin) von einer ‘Rolle des sich-Anvertrauens und sich-Unterordnens’ (Patient/in) reduziert die Eigenverantwortlichkeit, mit der der/die Patient/in Entscheidungen in Bezug auf seine/ihre Gesundheit trifft. Damit wird der/die ‘beratende Arzt/Ärztin’ zum/zur ‘entscheidenden Arzt/Ärztin’. In bestimmten Situationen haben Patient/in und Arzt/Ärztin natürlich keine andere Wahl (zum Beispiel bei einer Notfallbehandlung eines Bewusstlosen). Doch bereits die Entscheidung, ob ein vom Arzt/Ärztin empfohlener Wahleingriff durchgeführt werden soll, will der/die mündige Patient/in in Eigenverantwortlichkeit selbst treffen. Demgegenüber nimmt der/die unmündige Patient/in seine/ihre Eigenverantwortlichkeit nicht wahr, ohne dass er/sie durch zwingende Gründe daran gehindert würde."

Es ist kaum anzunehmen, dass jemand mit besonderer Freude solcherart geschriebene Bücher lesen möchte. Angesichts dieses Resultates verwundert es denn auch nicht, wenn zunehmend auch Frauen die neuen Sprachgebräuche als lästig, ja sogar als lächerlich empfinden und keinen echten Gewinn darin zu sehen vermögen, beim Lesen immer wieder die Banalität bestätigt zu bekommen, dass dem Schreiber die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen bewusst war. Meist macht sich die Verärgerung in sarkastischen Leserbriefen oder Glossen Luft. Dies ist aber der Tragweite des Problems nicht angemessen, weshalb hier eine sachliche, auf sprachwissenschaftlichen Überlegungen fußende Analyse vorgelegt werden soll.


Der Irrtum

Das oben zitierte Beispiel ist – neben vielen ähnlich aussehenden Textpassagen – ein deutlicher Hinweis darauf, dass da irgend etwas nicht stimmen kann. Tatsächlich beruht die Forderung nach einer konsequenten Doppelnennung menschlicher Funktionsträger auf einem fundamentalen sprachwissenschaftlichen Irrtum. Die Fehlüberlegung besteht in der Gleichsetzung von biologischer Geschlechtlichkeit und grammatikalischem Genus. Diese Gleichsetzung ist aber unstatthaft, denn es gibt ja drei Genera (Maskulinum, Femininum, Neutrum) aber bloss zwei Geschlechter. Auch wird allem Ungeschlechtlichen (der Ofen, die Wolke, das Fass) ein Genus beigeordnet, was wiederum zeigt, dass biologisches Geschlecht und grammatikalisches Genus keinesfalls gleichgesetzt werden dürfen.

Das Genus wird aber nicht bloß geschlechtlich oder ungeschlechtlich, sondern – in unserem Zusammenhang grundlegend – auch übergeschlechtlich (als Androgynum) verwendet: Der Mensch, der Gast, der Flüchtling – die Person, die Persönlichkeit, die Waise – das Kind, das Individuum, das Geschwister – sie alle können männlich oder weiblich sein. So sind insbesondere sämtliche Funktionen, die praktisch von allen Verben abgeleitet werden können und auf -er enden, trotz des maskulinen Genus nicht biologisch männlich, sondern androgyn zu verstehen. Ein Mensch, der liest, ist ein Leser, einer, der singt, ein Sänger und einer, der arbeitet, ein Arbeiter. Die Forderung nach konsequenter Doppelnennung menschlicher Funktionsträger wird gegenstandslos, wenn man die zusätzliche übergeschlechtliche (androgyne) Funktion aller drei Genera erkennt. Wenn somit heute einzelne Frauen argumentieren, sie möchten bei der Erwähnung menschlicher Funktionsträger (Sänger, Bewohner) nicht "bloss mitgemeint" sein, so ist dem entgegenzuhalten, dass im erwähnten Androgynum auch die Männer "bloss mitgemeint" sind.

Für die Nichtübereinstimmung von Genus und Geschlecht ist "das Geschwister" ein besonders anschaulicher Fall: grammatikalisch ein Neutrum, vom Wortstamm her weiblich und in der Bedeutung übergeschlechtlich. Es wäre unsinnig zu fordern, es z. B. in Gesetzestexten im Zuge der Gleichberechtigung zu ersetzen mit "Geschwister und Gebrüder", denn – ob es ihnen passt oder nicht – die Gebrüder sind in den Geschwistern mitenthalten. So ergibt etwa der Satz "Die Ehe zwischen Geschwistern und Gebrüdern (oder auch: zwischen Schwestern und Brüdern) ist untersagt" keinerlei Sinn.

Auf dem erwähnten sprachwissenschaftlichen Fehlschluss beruht ein weiterer Irrtum: nämlich die angebliche Benachteiligung der Frauen durch die Sprache. Vielmehr bevorzugt das Deutsche das weibliche Geschlecht: Das meiste real Männliche unterscheidet sich ja nicht von der übergeschlechtlichen Form. "Der Fußgänger" kann Mann oder Frau sein, und wenn auf sein männliches Geschlecht Gewicht gelegt wird, muss dies zusätzlich ausgedrückt werden. Aber das real Weibliche kennzeichnet die Sprache eindeutig: einerseits mit dem geschlechtsspezifisch gemeinten Wechsel des Artikels (der zu die) und andererseits mit der spezifischen Endung -in.


Die Konsequenzen

Die Folgen der neuen Sprachgebräuche sind schwerwiegend: Durch die gewohnheitsmäßige Doppelnennung menschlicher Funktionsträger (Lehrerinnen und Lehrer, AHV-Bezügerinnen und AHV-Bezüger) geht nämlich die übergeschlechtliche Bedeutung des maskulinen Genus allmählich verloren, und dann wird alles Maskuline als real männlich und alles Feminine als real weiblich empfunden. Damit fällt zuerst einmal alles grammatikalisch Neutrale unter den Tisch, und das Kind, das Mädchen, das Weib und das Individuum, aber auch alle Diminutive (das Knäblein, das tapfere Schneiderlein usf.) müssen sich als biologisch geschlechtslose Wesen empfinden. Darüber hinaus – und dies wiegt schwerer – führt diese Umdeutung des Übergeschlechtlichen in biologisch Geschlechtliches zum Verlust des wichtigsten Oberbegriffs der deutschen Sprache, nämlich des allgemeinen, nicht unter geschlechtlichem Aspekt ins Auge gefassten Menschen. Konnte man ehedem von Einwohnern, Wanderern, Bürolisten, Musikliebhabern, Studenten, Fußgängern, Autofahrern, Christen, Experten, Anfängern, Ausländern usf. sprechen, ohne vorentschieden zu haben, ob es sich dabei um Männer oder Frauen handelt, weil dies im jeweiligen Zusammenhang vollkommen unbedeutend war, so tritt mit der heute üblich gewordenen Doppelnennung die Betonung des Verbindenden, des Übergeordneten, der Funktion zurück und macht der Betonung der Geschlechtlichkeit irgend eines Funktionsträgers Platz. Damit wird der Sexismus nicht etwa – wie gewiss in gutem Glauben beabsichtigt – aus der Sprache entfernt, sondern erst konsequent in diese eingeführt. Mit der Beseitigung jener sprachlichen Instrumente, die niemals sexistisch gemeint waren und stets der Darstellung des Allgemeinen, Übersexuellen dienten, nimmt man dem Menschen schlicht und einfach jene Oberbegriffe, die er benötigt, um sich korrekt über einen Sachverhalt zu äußern, in dem es nicht um das Nebeneinander oder die Summe von Männlichem und Weiblichem, sondern um das geschlechtlich nicht relevante allgemein Menschliche geht. Wer nun über den Menschen in seinen Funktionen und Rollen – unabhängig vom Geschlecht – zu schreiben hat, steht dadurch vor unnötigen und teils unüberwindbaren Schwierigkeiten: Er muss sich zum Ärger sprachlich empfindsamer Leser dauernd unnötig wiederholen und kann gewisse logisch erkannte Zusammenhänge gar nicht mehr sprachlich angemessen ausdrücken. Das eingangs zitierte Beispiel belegt dies einwandfrei.


Die konkreten Auswirkungen

Die Eliminierung des allgemeinen, d.h. nicht unter geschlechtlichem Gesichtspunkt ins Auge gefassten Menschen aus der deutschen Sprache führt zu schwerwiegenden Folgen in der Sprachpraxis, welche die Urheber der hier kritisierten Sprachreform gewiss weder voraussahen noch beabsichtigten:

Ausgesprochen lästig sind die ermüdenden Wiederholungen: In Lehrplänen kann man heute Dutzende, ja Hunderte von Malen lesen "Die Schülerinnen und Schüler sollen ..." Oder das neue Personalgesetz des Kantons Zug zählt auf rund 180 Zeilen die staatlichen Funktionsträger auf nach der Manier "Dipl. Ingenieurin oder Architektin/Dipl. Ingenieur oder Architekt". Einzig der Polizeifeldweibel (in der Schweiz heißt er wirklich "Weibel" und nicht "Webel", dies zur Orientierung meiner Leser aus Deutschland) bleibt ohne femininen Gegenpart.

Eine gewisse Hilfe scheint dann das alle Probleme verkleisternde Wort 'beziehungsweise' zu sein, das aber - auch als Abkürzung - schwer lesbare Texte erzeugt: So lesen wir beispielsweise in einer Verordnung über das neue Fleischhygienerecht (gemäß einem Skript von Herrn lic.iur. Urs-Peter Müller vom Bundesamt für Veterinärwesen) folgende Bestimmungen:

"1 Der Kantonstierarzt beziehungsweise die Kantonstierärztin oder der beziehungsweise die an seiner beziehungsweise ihrer Stelle eingesetzte Tierarzt beziehungsweise Tierärztin leitet in fachlicher Hinsicht die Tätigkeit der Fleischinspektoren beziehungsweise Fleischinspektorinnen und Fleischkontrolleure beziehungsweise Fleischkontrolleurinnen.

2 Der Kantonstierarzt beziehungsweise die Kantonstierärztin und der leitende Tierarzt beziehungsweise die leitende Tierärztin können auch die Funktion eines Fleischinspektors beziehungsweise einer Fleischinspektorin ausüben, der Kantonstierarzt beziehungsweise die Kantonstierärztin, der leitende Tierarzt beziehungsweise die leitende Tierärztin und der Fleischinspektor beziehungsweise die Fleischinspektorin die eines Fleischkontrolleurs beziehungsweise die einer Fleischkontrolleurin."

Um solchen Ungeheuerlichkeiten aus dem Wege zu gehen, greifen einzelne Schreiber zur Klammer. So ist in einer Dissertation wörtlich zu lesen: "So wird ein(e) Lernende(r) zu einer(m) LernbegleiterIn und umgekehrt." Man lese diesen Satz, der eher einer mathematischen Formel als einem sprachlichen Gebilde gleicht, doch einmal laut! Er missachtet eine elementare sprachliche Forderung: dass Geschriebenes auch gesprochen werden kann.

Sobald Adjektive und abhängige Pronomina verwendet werden, wird die Sprache außerordentlich umständlich: "Der interessierte Leser bzw. die interessierte Leserin kümmert sich immer auch um die Person des unbekannten Autors bzw. der unbekannten Autorin." – Wie künftig ein Deutschlehrer bzw. eine Deutschlehrerin mit den aufgeworfenen Problemen umgeht und ob dann auch sein/ihr Inspektor bzw. seine/ihre Inspektorin damit einverstanden ist, dass er seinen bzw. sie ihren Schülern und Schülerinnen so etwas beibringt, kann heute wohl noch keiner, der bzw. keine, welche die Abschaffung des nichtgeschlechtlich ins Auge gefassten Menschen betreibt, voraussagen.

Eine weitere Komplikation ergibt sich aus der Möglichkeit, Substantive zusammenzusetzen: Geläufig sind bereits Lehrerinnen- und Lehrerzeitung, Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung, und im neuen Aargauer Schulleitbild ist die Rede vom Lehrerinnen- und Lehrerurteil, von den Schülerinnen- und Schülerwahrnehmungen, von den Schülerinnen- und Schülerbedürfnissen und von der Schülerinnen- und Schülerbeurteilung. Logischerweise werden wir künftig wohl bei der Fahrprüfung den Führerinnen- und Führerausweis erwerben und müssen dann aufpassen, niemanden auf einem Fußgängerinnen- und Fußgängerstreifen anzufahren.

Kaum mehr lösbare Probleme ergeben sich bei Koppelung zweier Funktionen: Arbeitervertreter, Lehrerberater, Patientenbetreuer. Der Satz "Ein künftiger Lehrerberater sollte zuvor auch ein bewährter Schülerbetreuer gewesen sein" lautet neu: "Ein künftiger Lehrer- bzw. Lehrerinnenbetreuer bzw. eine künftige Lehrer- bzw. Lehrerinnenbetreuerin sollte zuvor auch ein bewährter Schüler- bzw. Schülerinnenberater bzw. auch eine bewährte Schüler- bzw. Schülerinnenberaterin gewesen sein."

Zu diesen künstlich erzeugten Umständlichkeiten gesellt sich der wohl tiefgreifendste Nachteil sprachfeministischer Ansprüche, nämlich die Unmöglichkeit, gewisse Zusammenhänge logisch korrekt auszudrücken. Der Verlust der beide Geschlechter umfassenden Oberbegriffe verhindert grundsätzlich Aussagen, in denen ein Bezug des einen Geschlechts zum Ganzen, zum geschlechtlich nicht Definierten - mathematisch formuliert: ein Verhältnis einer Teilmenge zur Gesamtmenge - zum Ausdruck gebracht werden soll. In der Feststellung eines Psychiaters, er sei überrascht, "dass der Amokläufer eine Frau war", kann "Amokläufer" weder durch "Amokläuferin" ersetzt werden, obwohl es sich um eine Frau handelte, noch darf der nach feministischem Verständnis männlich zu deutende Ausdruck "Amokläufer" als männlich verstanden werden. Oder: Der Satz "Frauen sind die vernünftigeren Autofahrer" hat keinen Sinn, wenn man – wie in einer Broschüre mit dem vielsagenden Titel ‘Übung macht die Meisterin’ verlangt – "Autofahrerin" schreibt; er ist aber auch sinnlos, wenn "Autofahrer" bloß noch als biologisch männlich gelten soll. Ebenso steht es mit der oft aufgestellten Behauptung: "Frau Dreifuss ist die hundertste Bundesrätin." Schön wär’s, mag da manche denken. Auch können Gruppen oder Vertreter von Gruppen, in welchen beide Geschlechter vertreten sein können, aber nicht müssen, kaum mehr logisch korrekt zu einander in Beziehung gesetzt werden. Der simple Satz "Müllers sind Schweizer" lautet nun: "Müllers sind Schweizer und Schweizerin." Und nach den feministischen Gebräuchen müsste man sich selbst dann dieser Formulierung bedienen, wenn man gar nicht weiß, ob es bei Müllers überhaupt eine Frau gibt. Haben sie aber noch eine Tochter, heißt es dann "Müllers sind Schweizer und Schweizerinnen." Völlig am Anschlag ist ein Friedensrichter, der ein streitendes Paar ermahnen sollte: "Als Eheleute seid ihr nicht Gegner, sondern Partner, ja Freunde!" Auch Sätze wie "Auf fünf Schweizer trifft es einen Ausländer" oder "Die Eltern sind die ersten Erzieher der Kinder" sind unter dem Anspruch der neuen Sprachnorm unstatthaft, obwohl sie eigentlich wahr sind.

Hinzu kommt die Ächtung von übergeschlechtlichen, grammatikalisch maskulinen Vokabeln wie etwa man, jeder, jedermann, niemand, jemand, wer. Ein Satz wie "Verletze niemanden in seinen Gefühlen" lautet sprachfeministisch "Verletze keinenmann und keinefrau in seinen bzw. ihren Gefühlen." Steht irgendwo "Jedermann ist eingeladen" folgt prompt die Frage: "Und die Frauen?" Satzgebilde wie "Wer zuviel Energie verbraucht, der oder die sollte zur Kasse gebeten werden" kann man praktisch täglich am Fernsehen oder Radio hören. Einfachste Wahrheiten wie "Liebe deinen Nächsten" werden zu sprachlichen Seifenblasen: "Liebe deinen Nächsten, deine Nächste und dein Nächstes" (denn auch Kinder haben Anspruch auf Nächstenliebe).

Bedenklich ist aber auch die geistige Abkoppelung von allem, was vor 1990 geschrieben wurde. Handle es sich um wissenschaftliche Literatur oder Belletristik – auf Schritt und Tritt wird der Leser durch die Tatsache geärgert, dass von Einwohnern, Gärtnern, Schülern, Philosophen, Christen usf. die Rede ist, und wird denn alle Autoren entweder für naiv oder maskulinisch verdorben betrachten. Es sei dies am Beispiel eines Goethe-Zitates verdeutlicht. Würde sich Goethe dem Sprachsexismus unterzogen haben, lautete der zweite Absatz des 7. Buches von ‘Dichtung und Wahrheit’ wie folgt:

"In ruhigen Zeiten will jeder/jede nach seiner/ihrer Weise leben, der Bürger/die Bürgerin sein/ihr Gewerb, sein/ihr Geschäft treiben und sich nachher vergnügen; so mag auch der Schriftsteller/die Schriftstellerin gern etwas verfassen, seine/ihre Arbeiten bekannt machen und, wo nicht Lohn, doch Lob dafür hoffen, weil er/sie glaubt, etwas Gutes und Nützliches getan zu haben. In dieser Ruhe wird der Bürger/die Bürgerin durch den Satiriker/die Satirikerin, der Autor/die Autorin durch den Kritiker/die Kritikerin und so die friedliche Gesellschaft in eine unangenehme Bewegung gesetzt."

Die hier kritisierte Sprachreform hat aber nicht bloß direkt sichtbare Konsequenzen wie etwa die erwähnten stereotypen Wiederholungen oder die nicht aussprechbaren Kunstformen wie AHV-Bezüger/innen oder A(Ä)rzt(e)Innen. Die eingangs erwähnte und bedauerte Abschaffung des allgemeinen, nicht unter geschlechtlichem Aspekt ins Auge gefassten Menschen zeigt sich – z. B. in pädagogischen Fachzeitschriften – auch noch in einer immer abstrakter werdenden Sprache, und zwar ganz einfach darum, weil natürlich auch die heutigen angepassten Schreiber merken, dass die dauernden Wiederholungen mühsam zu lesen sind, und sie sich dann damit behelfen, menschliche Funktionsträger (Lehrer, Schüler usf.) einfach nicht mehr zu erwähnen. So lässt sich etwa der einfache Satz "Die Lehrer sollten wieder vermehrt mit den Schülern üben" umformen zur Aussage "Aufgabe der Schule ist es, durch gezielte Wiederholungen die Kulturtechniken wieder vermehrt zu festigen." Ganz allgemein sind Lehrer heute Lehrkräfte oder Teil der Lehrerschaft, was übrigens auch nicht ganz sauber ist, denn konsequenterweise müsste es Lehrer- und Lehrerinnenschaft lauten. Oder statt von Studenten und Sängern ist von Studierenden und Singenden die Rede, ohne alles Verständnis dafür, dass dies nicht dasselbe ist. Auf diese Weise bringen es heutzutage einschlägige Zeitschriften fertig, kaum mehr von den Menschen, die eigentlich im Zentrum stehen sollten, zu sprechen: von Schülern, Lehrern, Erziehern, Inspektoren, Psychologen, Therapeuten, Beamten, Schulpflegern usf. Es ist sehr zu bezweifeln, ob dies die Absicht jener Frauen und Männer war, die als erste die deutsche Sprache hinsichtlich der Dominanz des Maskulinen einer Fundamentalkritik unterzogen.

Wie zu vernehmen ist, gibt es heute – vorwiegend in Maturitätsschulen und Universitäten – bereits Deutschlehrer und Professoren, welche von ihren Schülern oder Studenten die Doppelnennungen von Funktionsträgern verlangen. In welch fataler Weise die Ausdruckmöglichkeiten damit beschnitten werden, ist oben aufgezeigt worden. Zu erwähnen bleibt noch, dass damit ganz allgemein ein Berg neuer Probleme auf die Schule zukommt: Als Zugabe zu allem, was die Lehrer bereits zu bewältigen haben, sollen sie nun auch noch das einüben, was aus politischen Motiven in die Sprache eingeführt wurde und heute viele Schreiber bereitwillig befolgen. Dass damit gleichzeitig das Anliegen einer sprach-ästhetischen Erziehung untergraben wird, sei hier bloß am Rande erwähnt.


Bilanz

Angesichts dieses hohen Preises muss es erlaubt sein, Bilanz zu ziehen und Gewinn und Verlust gegeneinander aufzurechnen. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Auf der Gewinnseite liegt lediglich die Genugtuung jener Männer und Frauen, denen die Doppelnennung menschlicher Funktionsträger ein Anliegen ist und die es offensichtlich verstanden haben, sich durchzusetzen. Die damit verbundene Komplizierung der Sprache und der Verlust an Sprachästhetik und logischen Ausdrucksmöglichkeiten schafft nicht eine einzige zusätzliche Information, dafür aber einen nicht geringen Ärger bei vielen Schreibern und Lesern. Es ist indessen anzunehmen, dass es eher wenige sind, die diese Verärgerung bewusst wollen und somit das Argument unterstützen würden, das einem Redaktor einer bekannten Berner Zeitung zu Ohren kam: Man wolle die Männer mit der Sprache so lange ärgern, bis sie endlich den Frauen die Gleichberechtigung zugestünden. Diese Absicht verfehlt ihr Ziel schon deshalb, weil sich mit Sicherheit auch sehr viele Frauen über die aufgezeigten Erschwernisse ärgern.


Was ist also zu tun?

Es ist gewiss richtig und angezeigt, z. B. auf Einladungen oder in Anreden beide Geschlechter anzusprechen, da man dann ja offensichtlich konkrete Menschen als Männer und Frauen vor sich sieht. In diesen Fällen sollte man sich denn auch die Mühe nehmen, beide Formen ganz auszuschreiben. Formen wie A(Ä)rztIn, Schulpfleger/in oder Coiffeur/euse sind ja reine Schreibsprache, die nicht gesprochen und hinsichtlich weiterer sprachlicher Strukturen (z. B. Pronomina) gar nicht durchgehalten werden kann.

Darüber hinaus aber sollte man den Mut aufbringen, in der Sackgasse, in die man sich verrannt hat, wieder umzukehren. Die Sprache ist ein geistiger Organismus, in den man nicht derart gewaltsam eingreifen darf, dass wichtigste Ausdrucksmöglichkeiten verloren gehen und Umständlichkeit die Klarheit verdrängt. Es ist daher zu wünschen, dass alle feinfühligen Menschen ihren Sinn für sprachliche Ästhetik und auch für das natürlich Gewachsene beim Schreiben bewahren, auch wenn die derzeit gängige Ideologie anderes verlangt. Sprache darf nicht zur unaussprechbaren Schreibe verkommen. Wer immer durch sein politisches Amt oder seine berufliche Tätigkeit Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Sprache haben oder nehmen kann, möge den Mut zur Umkehr aufbringen.


Adresse des Verfassers:

Dr. Arthur Brühlmeier

CH - 5452 Oberrohrdorf (Kanton Aargau, Schweiz)

[email protected]
http://www.bruehlmeier.info


Das hier zum Ausdruck gebrachte Anliegen, der feministisch motivierten Zerstörung der deutschen Sprache entgegenzuwirken, vertritt in sehr überzeugender Weise Dr. Tomas Kubelik in seinem Buch "Genug gegendert!", erschienen 2013 im Projekte-Verlag Halle, ISBN 978-3-95486-251-1, für € 15.50. Ich halte es für wünschenswert, dass dieses Buch eine weite Verbreitung findet.

Desgleichen verweise ich auf:
Bernhard Lassahn, Frau ohne Welt - Trilogie zur Rettung der Liebe, Teil 1:
Der Krieg gegen den Mann, Edition Sonderwege, ISBN 978-3-937801-83-4


Bemerkung - neue Fehlerquellen durch das Gendern:

Wir haben eine Rechtschreibreform durchgeführt, damit die Regeln einfacher und leichter zu erlernen sind.
Und jetzt werden neue Regeln eingeführt, die das richtige Schreiben um ein Vielfaches komplizierter und schwieriger machen.
Und das alles aufgrund eines Generalirrtums:
Angeblich gilt das generische Maskulinum nicht mehr.

Ich trete nachdrücklich dafür ein, die Sprache wieder zu vereinfachen.
Das Gendern in Wort und Schrift führt zu einer Unmenge neuer Fehler, bläht die Texte unnötig auf ohne neue Informationen zu liefern und macht es sehr schwierig, geschriebene Texte in gesprochene zu übertragen.


HINWEISE:

Aus für Gender-studies in Norwegen

Gender Mainstreaming - sind wir geisteskrank?

Genderwahn

Gendern im kirchlichen Umfeld

Gender, eine neue Form des Kommunismus

MenschInnen_Ein Buch von Barbara Rosenkranz

Birgit Kelle spricht über ihr Buch "Noch normal? Das lässt sich gendern"
Siehe auch HIER:

GENDER MAINSTREAMING - eine Analyse

Gender-Ideologie = Lüge

Gendern - ein undemokratischer Unsinn

Gendern im kirchlichen Umfeld

Muttersprache

Frankreichs Bildungsminister verbietet das Gendern an Schulen - Die Presse am 7.5.2021

Weg mit dem Genderunfug - Cicero.de

Zwei Drittel sind gegen das Gendern in der Sprache

Weg mit dem Gender-Unfug!

Verein Deutsche Sprache e. V. zum Gendern

Was gemeint ist, bestimmt der Autor, nicht der Leser.

Finger weg vom generischen Maskulinum!

Ich glaube an Gott*, den/die Vater/Mutter.....

Sahra Wagenknecht zum Gendern

Bayern lehnen Gendersprache ab
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Umfrage zum Gendern

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Aussendung

Ich möchte wissen, wie meine Freunde und Bekannten zum Thema denken. Umfragen zeigen angeblich, dass ca. zwei Drittel gegen den Sprachfeminismus sind mit Binnen-I, :, /,* etc., und auch die Verwendung von Mittelwörtern (Arbeitende, Schlafende etc.) macht nicht alle glücklich.

Welche Schreibweise bevorzugen Sie?
Eine kleine Hilfe zur Entscheidung finden Sie hier:
Sprachfeminismus in der Sackgasse

Normale Schreibweise:
Oberösterreich wählte am vergangenen Sonntag die Bürgermeister, die Gemeinderäte, den Landtag und den Landeshauptmann. In unserer Gemeinde stellten sich drei Bürgermeisterkandidaten der Wahl – zwei männliche und ein weiblicher. Das Ergebnis beim Bürgermeister war vorhersehbar. Die Aufteilung der Gemeinderäte wird sich nach Auszählung der Kartenwähler herausstellen.

Gegenderte Schreibweise:
Oberösterreich wählte am vergangenen Sonntag die Bürger/innenmeister*innen, die Gemeinderät/e*innen, den Landtag und den Landeshauptmann bzw. die Landeshauptfrau. In unserer Gemeinde stellten sich drei Bürger_innenmeister:innenkandidat/en*innen der Wahl – zwei Bürger_innenmeister:innenkandidaten und eine Bürger:innenmeister*innenkandidatin. Das Ergebnis beim Bürger*innenmeister/in war vorhersehbar. Die Aufteilung der Gemeinderät_e*innen wird sich nach Auszählung der Kartenwähler:innen herausstellen.

Eine weitere Version wäre ohne Binnen-I, :, /,* etc. Alleine die Bürgermeisterkandidaten hätten aber in einer Zeile nicht mehr Platz:
Bürgermeisterkandidat bzw. Bürgerinnenmeisterkandidat, bzw. Bürgermeisterinnenkandidat bzw. Bürgerinnenmeisterinnenkandidatin bzw. …....

Ich hoffe auf rege Beteiligung.
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Antworten

Frau R.E., Nationalrätin:
Ich kann ihnen mitteilen, dass ich überhaupt nicht gendere, spreche manchmal Männer und Frauen getrennt an, kommt immer auf die Situation drauf an, ergibt sich intuitiv.

Herr H.F., Lehrer in Ruhe:
Ich bin für Gleichberechtigung von Mann und Frau. Wir als Gesellschaft haben da noch einige Arbeit vor uns. Und sie ist wichtig.
Aber lassen wir doch die Sprache in Ruhe. Ich bin hier total gegen den Genderwahn, gegen die Vergewaltigung der Sprache. Das schafft nur Verwirrung und Kopfschütteln. Die Kinder sollen die Rechtschreibung gut erlernen und einen achtsamen und respektvollen Umgang untereinander sich aneignen, aber vor der "Verhunzung" der Sprache verschont bleiben.
Gendern der Sprache ist völlig unsinnig! Bringt den Frauen und dem Feminismus eigentlich nichts.

Herr C.L. von "missio allewelt"
Ich danke Ihnen für die Verbundenheit mit missio und unserem Magazin "allewelt", das ich leiten darf. Daher hoffe ich, dass Ihnen die Lektüre unseres Heftes Freude bereitet und Sie mit spannenden Geschichten und Informationen versorgt.
Mit dem Thema Gendern haben wir uns in der Tat befasst und uns klar dagegen entschieden, diverse Sternchen, Großbuchstaben und dergleichen zu verwenden. Ihr Beispiel der Bürger/innenmeister*** bringt die damit einhergehende "Verhunzung" der Sprache ja ironisch treffend auf den Punkt.
Womit wir aber schon arbeiten, sind Formulierungen wie "Christinnen und Christen". Und zwar aus einem Grund: Wir möchten mit unseren Texten wirklich alle abholen - und damit besonders auch jene Frauen, die sich sonst ausgeschlossen fühlen. Dass es diese gibt, wissen wir aus etlichen Rückmeldungen. Und da das missionarische Wirken zu unseren zentralen Aufgaben zählt, wäre es schlimm, gleich einmal jene zu verlieren, die auf eine solche Formulierung Wert legen. Denn genauso, wie wir seit ewigen Zeiten "liebe Leserinnen und Leser" schreiben, lässt sich das auch auf andere Formulierungen übertragen, ohne dadurch den Lesefluss zu stören. Denn Sie können mir glauben, dass die Lesbarkeit der Texte für uns an erster Stelle steht und wir daher hoffen, mit diesem Kompromiss einen gangbaren Weg gefunden haben, der niemanden ausschließt und im missionarischen Sinne alle ins Boot holt. Ich kann Ihnen daher versprechen, dass wir auch in Zukunft penibel darauf achten werden, dass der Inhalt vor der Form kommt.

HLI schreibt:
Hier liegt offenbar ein Irrtum vor. Dietmar Fischer schreibt in der Anrede am Erlagschein meist "werte Spender + Wohltäterinnen". Das mag etwas eigen klingen, ist aber noch kein Gendern. Von den Bürgermeisterinnen/kandidatinnen u.s.w. sind wir weit entfernt und wir haben das auch nicht vor.

Autor Heinz Rudolf Kunze
Die Hannoversche Allgemeine befragt Heinz Rudolf Kunze, bekannt als Sänger, Autor, Komponist und Übersetzer. Angesichts der zunehmenden Neigung zu löschen, was als falsch gilt, sorgt sich Kunze um die deutsche Sprache. Er jedenfalls werde seine Texte niemals anpassen: „Wenn ich erkläre, wie ein Lied gemeint ist, dann ist das Lied so. Ich allein erkläre, wie mein Lied gemeint ist. Punkt. Ende." Zur Streichkultur meint er, wir würden „Barbaren und Idioten", wenn wir alles streichen, was uns nicht gefällt. Der Interviewer Uwe Janssen meint sodann, Gendersprache setze sich gerade durch, aber Kunze hält dagegen. Das werde in den Medien so gemacht. Er kenne keine normalen Leute, die gendern. Insofern sei das „ein weiterer ganz gefährlicher Prozess der Entfernung der Medien von den Menschen." (haz.de, Bezahlschranke)

Anmerkung: Janssen unterliegt einer Fehleinschätzung. Löscht man seinen Durst stets am selben Wasserloch, riechen die übrigen Viecher wie immer. Man ist unter sich, man bleibt unter sich, und irgendwann verwechselt man das Wasserloch mit der weiten Welt. Und man glaubt: Weil hier gegendert wird, geschieht das überall.

Frau M.S-S.
Ich finde übrigens das Gendern in der Sprache sehr wichtig, um
deutlich zu machen, dass es auf dieser Welt auch weibliche Menschen
gibt. Spricht man beispielsweise in Versuchen vor Schulkindern von
"Piloten und Raumfahrern" und lässt die Kinder im Anschluss diese
zeichnen oder beschreiben, werden immer männliche Figuren bezeichnet
und beschrieben, so manifestiert sich in den Köpfen der Kinder, dass
es für Frauen nicht möglich sei, Pilotin oder Raumfahrerin zu werden.
Das entspricht wohl nicht mehr einem Frauenbild der heutigen Zeit.

Herr F.G., Lehrer i.Ruhe
Ich bestaune Deine sprachlichen Spitzfindigkeiten hinein in unsere gender-verblendete Gesellschaft.
Aber ich glaube, über kurz oder lang geben wir diese "Hoppserei" auf.
Ich hoffe, es geht Dir und den Deinen sonst gut.
alwis
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Evangelischer Pfarrer gegen Schluckauf-Sprache

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Der Vorsitzende der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung (GGE) in der Evangelischen Kirche, Pfarrer Henning Dobers, hat sich gegen das Gendern ausgesprochen. Er bedauert, dass auch die evangelische Kirche sich davon vereinnahmen lässt und auf „den Wellen des Mainstreams mitgesegelt" sei. Laut Dobers verkompliziere Gendern die Kommunikation um der politischen Korrektheit zu genügen - die Folge sei eine „Schluckauf-Sprache": etwa Zuhörer:innen, Christ:innen, Konfirmand:innen-Unterricht. Die Regeln der Grammatik würden ignoriert, darüber hinaus würde auch das Gemeindeleben darunter leiden; statt Brüder und Schwestern gebe es bei vielen Pfarrern nur noch Kolleg:innen. Er vermisst einen Aufschrei der Basis und bedauert, dass es keine wirkliche Diskussion über dieses Thema gibt: „Permanent werden über unsere Köpfe hinweg sprachliche Fakten geschaffen." (idea.de)
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Gendern: Es verschlägt mir die Sprache

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Die Gleichberechtigung von Mann und Frau sieht Brigitte Haertel noch nicht erreicht. Dennoch hält sie von "gendergerechter Sprache" gar nichts und weigert sich, Texte zu gendern. Denn genau das würde eher das Gegenteil bewirken.

Von Brigitte Haertel | Bonn - 25.03.2021

Eigentlich kann man ihn nicht mehr hören, den Zoff um die "gendergerechte Sprache". Und eigentlich lohnt es sich auch nicht mehr, über den richtigen Sprachgebrauch zu streiten, denn das Gendern hat sich fast überall durchgesetzt: im Politikerdeutsch, in Behörden, Universitäten, in Zeitschriften und vor allem im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Rundfunk. Aber macht es die Sache besser?

Ich weigere mich zu gendern, auch als Blattmacherin. Es fühlt sich nicht gut an, und das ist schon mal keine unwichtige Erkenntnis. Und ich frage mich, wie es überhaupt zu einer solchen Sprachverirrung kommen konnte.

Damit keine Missverständnisse entstehen: Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein sehr erstrebenswertes und noch immer nicht ganz erreichtes Ziel: Aber mir als Journalistin tut es in der Seele weh, wie eine Ideologie die Menschen umerziehen und beherrschen will, wie Sprachsheriffs (und Sheriffinnen?) mit gezücktem Colt das Gendern erzwingen wollen.

Gast ist Gast – ob Mann oder Frau

In einem Literaturclub auf "3sat" begrüßte die Moderatorin Nicola Steiner am vergangenen Sonntag die Schauspielerin Ursina Lardi als "Gästin". Bei dieser absurden Begrüßungsformel wäre ich an Stelle von Frau Lardi im Erdboden verschwunden.

Der Begriff "Gast" umfasst als generisches Maskulinum ganz selbstverständlich beide Geschlechter, warum muss man ihn so entstellen?

Wir betonen unnötig das Geschlecht

Durch die sprachliche Sichtbarmachung wird das Geschlecht betont und herausgehoben, auch in Kontexten, in denen es gar keine Rolle spielt. Wer inklusiv spricht oder schreibt, muss sich dauernd Gedanken darüber machen, ob die Person, um die es geht, nun männlich oder weiblich oder divers ist und andere Menschen ebenfalls daraufstoßen. Es geht nur noch um das Geschlecht, die eigentliche Sache rutscht in die Bedeutungslosigkeit. Damit spalten sich die Geschlechter weiter, statt diese Spaltung zu überwinden. Die Feministin, Autorin und Gendergegnerin Nele Pollatschek fühlt sich durchs Gendern auf ihr Geschlecht reduziert und rückt es somit in den Bereich des Sexismus. Pollatschek verweist auf Großbritannien, wo der Gedanke vorherrscht: Der Weg zu Gleichheit ist Gleichheit. Wer will, dass Männer und Frauen gleich behandelt werden, der muss sie gleich behandeln, das heißt: gleich benennen.

Klingt überzeugend!

Die seit Jahren in der Pharma-Werbung heruntergeratterte Formel: "Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" soll jetzt künftig um das, ja Sie wissen schon um was, ergänzt werden. Und eine Mitgliederversammlung muss jetzt wie heißen? Richtig: Mitglieder- und Mitgliederinnenversammlung. Und so geht es munter weiter. Wer heute gedankenlos mit dem Satz: "Ich habe einen Arzttermin" um sich wirft, muss mit einer scharfen Rüge rechnen.

"Wer will, dass Männer und Frauen gleich behandelt werden, der muss sie gleich behandeln, das heißt: gleich benennen", ist Brigitte Haertel überzeugt.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat in einer Pressemeldung ausdrücklich darauf hingewiesen, das Gendersternchen, Gender-Gap und Gender-Doppelpunkt mit den Regeln der deutschen Rechtschreibung nicht konform gehen. Aber das ficht die Sprachpolizisten nicht an: Die künftige Normsprache wird eine sexualisierte sein, davon ist jetzt schon auszugehen:

Das Argument der Genderbefürworter, Sprache präge Denken, und Denken verändere die Wirklichkeit, also führe Gendern zu einer frauenfreundlicheren Welt, ist nicht haltbar. Wer im Herzen ein Macho ist, wird unbelehrbar bleiben und durch solche Debatten eher angetriggert. Um die Situation für Frauen zu verbessern, da, wo sie noch verbesserungswürdig ist, müssen härtere politische Maßnahmen her.

Sprache kann nicht leisten, was Gendereiferer ihr abverlangen. Sprache ist Sprache, eine alltägliche Verständigungs- aber auch Kunstform. Das Buch der Bücher, die Bibel, wurde bereits vor zwanzig Jahren in eine "gerechte Sprache" übersetzt. Bleibt abzuwarten, wie lange das ausreicht.

In der ernstzunehmenden zeitgenössischen Schriftstellerei findet sich so gut wie niemand, der die Genderei mitmacht. Denn selbstverständlich macht die Ideologie auch vor Kunst und Literatur nicht halt, und dagegen sollte die Gesellschaft sich mit aller Kraft auflehnen.

Von Brigitte Haertel
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Manager lehnen Genderstern&Co ab

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Entscheiderpaneel hält Gendern für problematisch

Die wenigsten Top-Manager und Geschäftsführer in Unternehmen halten Gendern für den richtigen Weg, um Diversität in der Belegschaft zu fördern und zu unterstützen.

Nur 7 Prozent halten das Gendersternchen (Manager*innen) für geeignet, um alle Geschlechter anzusprechen.

Das Binnen-I (ManagerInnen) präferieren nur 5 Prozent, der sog. Gender-Gap (Manager_innen) kommt auf gerade mal 1 Prozent.

Das ist das Ergebnis des WiWo-Entscheiderpaneels, bei dem das Meinungsforschungsinstitut Civey über 1.500 Menschen in Führungspositionen befragt hat.

Die Mehrheit, 56 Prozent, nutzt die Doppelform (auch Beidnennung genannt: Manager und Managerinnen), ein Viertel bevorzugt das generische Maskulinum. Als Grund für die Ablehnung der verschiedenen Genderformen wird vor allem die Sorge vor der Spaltung der Belegschaft genannt.
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