Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
It is currently 16.12.2018, 10:05

All times are UTC + 1 hour [ DST ]




Post new topic Reply to topic  [ 1 post ] 
Author Message
PostPosted: 16.02.2018, 13:21 
Offline
Site Admin

Joined: 28.08.2006, 08:49
Posts: 1285
Location: Österreich/Austria
Dr. Gudrun Kugler, Nationalrat in Österreich
zum geplanten Frauenvolksbegehren:

Keine Ministerin wird das Frauenvolksbegehren unterschreiben – ich meine: zu Recht.
Selbstverständlich haben die Verfasserinnen Recht damit, dass „Frauen gleich viel wert“ sind und „gleich viel Geld verdienen“. Wenn es den Frauen gut geht, geht es allen gut. Die Politik trägt hier große Verantwortung. Dafür werde ich mich, dafür wird die Regierung sich immer engagieren.

Das Frauenvolksbegehren enthält einige wichtige Forderungen, darunter eine verstärkte Gewaltprävention. Diese werden von den zuständigen Ministerien selbstverständlich aufgegriffen und geprüft.
Es enthält aber auch einige fragliche Forderungen, wie z.B. die
Einführung einer allgemeinen 30-Stunden-Woche, oder eine
verpflichtende Geschlechterquote von 50 Prozent auf allen Ebenen. Die Forderung nach der
vollen Kostenübernahme von Schwangerschaftsabbrüchen durch die Krankenkassen und die
Durchführung derselben in allen öffentlichen Krankenanstalten geht an den Bedürfnissen von Schwangeren in Konfliktsituationen komplett vorbei.

Der kath. Familienverband etwa bemängelt, dass das Frauenvolksbegehren nur „erwerbstätige Frauen ohne Betreuungspflichten im Fokus“ hat. Vizepräsidentin Wirth kritisiert, dass „weder die gesetzliche Anerkennung der Elternkarenz als Vordienstzeit noch die Anrechnung der Karenzzeiten für die Biennalsprünge gefordert werden“.
Dadurch würde die „Benachteiligung von Müttern, die aufgrund von Kinderziehungszeiten ihre Erwerbsarbeit unterbrechen“ nicht beseitigt. „Betreuungs- und Familienarbeit wird nicht berücksichtigt,“ obwohl die „überwiegende Betreuungs- und Pflegearbeit in der Familie insbesondere von Frauen und Müttern geleistet“ wird.

Außerdem fehlen andere wichtige Anliegen:
Stärkere Maßnahmen gegen Menschenhandel (ein Problem, das zu 80% Frauen betrifft!) werden nicht gefordert.
Auch die Gefahr der Ausbeutung der Frauen in der Reproduktionsmedizin wird nicht thematisiert (obwohl dieses Problem von vielen Seiten bereits aufgezeigt wurde).

Sollte man nun ein Volksbegehren unterstützen, wenn man nur einen Teil davon gut findet? In diesem Fall ist meine Entscheidung ein Nein. Denn es geht um eine Abwägung von unterstützungswürdigen und nicht-unterstützungswürdigen Inhalten; es geht um NoGos, die sich darin finden; und es geht um das zugrundeliegende - in meinen Augen - verkürzte Frauenbild.


[size=150]Kath. Familienverband[/size

Frauenvolksbegehren hat erwerbstätige Frauen ohne Betreuungspflichten im Focus!
Der Katholische Familienverband vermisst beim geplanten Frauenvolksbegehren die Forderung nach der Anrechnung von Karenzzeiten für die Biennalsprünge und warnt davor, unterschiedliche Interessen gegeneinander auszuspielen.


Wien, 13.02.2018 Ein staatlich garantierter Anspruch auf Unterhaltsvorschuss, bundesweit einheitliche Qualitätsstandards in der Kinderbetreuung, die Offensive für Gewaltschutz und -prävention oder ein Verbot sexistischer Werbung sind für den Katholischen Familienverband legitime und berechtigte Anliegen eines Frauenvolksbegehrens. Eine Empfehlung zur Unterstützung will Vizepräsidentin Doris Wirth dennoch nicht aussprechen, weil sie jegliche Solidarität mit berufstätigen Frauen, die auch Mütter sind und ihre Kinder in den ersten Jahren selber betreuen möchten, vermisst.

„Ich bin verwundert, dass weder die gesetzliche Anerkennung der Elternkarenz als Vordienstzeit noch die Anrechnung der Karenzzeiten für die Biennalsprünge gefordert werden“, sagt Vizepräsidentin Doris Wirth. „Das wären für mich zwei genuin frauenpolitische Forderungen, die einerseits dazu beitragen würden, die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen ein stückweit zu schließen; andererseits die Benachteiligung von Müttern, die aufgrund von Kinderziehungszeiten ihre Erwerbsarbeit unterbrechen, beseitigen.“ Bis 12. März müssen nun 8.401 Unterstützungserklärungen gesammelt werden, damit eine Eintragungswoche für das Frauenvolksbegehren festgelegt wird.

Für den Katholischen Familienverband steht bei vielen Forderungen ausschließlich die erwerbstätige Frau im Vordergrund. Dass sehr viele erwerbstätige Frauen aber auch Mütter sind und benachteiligt werden, wenn sie Betreuungs- und Familienarbeit leisten, wird nicht berücksichtigt. Wirth weist darauf hin, dass die überwiegende Betreuungs- und Pflegearbeit in der Familie insbesondere von Frauen und Müttern geleistet wird. Um den Wert der innerhalb der Familie erbrachten unbezahlten und unverzichtbaren (Betreuungs)Leistungen in der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, sollten sie in eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung einbezogen und für die Pension besser angerechnet werden.

Absolut keine Unterstützung findet die Forderung, krankenkassenfinanzierte Schwangerschaftsabbrüche in allen öffentlichen Krankenanstalten durchzuführen. „Als katholische Organisation werden wir kein Volksbegehren unterstützen, dass einen flächendeckenden kostenlosen Schwangerschaftsabbruch fordert und damit suggeriert, ein Schwangerschaftsabbruch sei ein harmloser und beiläufiger Eingriff“, sagt Vizepräsidentin Doris Wirth. „Wir unterstützen die Kampagne „Fakten helfen“ der „Aktion Leben“ und fordern eine anonymisierte Statistik darüber, wie viele Schwangerschaftsabbrüche es in Österreich gibt und was die Motive dafür sind.“

Kritisch sieht der Katholische Familienverband auch den Umgang mit Frauen, die sich nicht als Unterstützerinnen des Volksbegehrens deklarieren. Den Frauen, die das Volksbegehren nicht unterschreiben ein konservatives Frauenbild vorzuwerfen sei ein grobes Foul an den eigenen Geschlechtsgenossinnen und führe nur dazu, Frauen gegeneinander auszuspielen. Vizepräsidentin Doris Wirth mahnt daher zu mehr Fairness im Diskurs über das geplante Volksbegehren.


Top
 Profile  
 
Display posts from previous:  Sort by  
Post new topic Reply to topic  [ 1 post ] 

All times are UTC + 1 hour [ DST ]


Who is online

Users browsing this forum: No registered users and 1 guest


You cannot post new topics in this forum
You cannot reply to topics in this forum
You cannot edit your posts in this forum
You cannot delete your posts in this forum
You cannot post attachments in this forum

Search for:
Jump to:  
cron
Powered by phpBB® Forum. Software © phpBB Group