Verein Deutsche Sprache e. V. zum Gendern

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alwis
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Verein Deutsche Sprache e. V. zum Gendern

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Gendersprache - Wichtiger als das Geschlecht
Die Chefredakteurin der Zeitschrift bild der Wissenschaft (bdw), Andrea Stegemann, spricht sich im Editorial des Oktoberheftes gegen die Genderregeln aus. Laut Umfrage lehnt die Leserschaft von bdw diese „Instrumentalisierung der Sprache zur Volkserziehung" mehrheitlich ab. Stegemann findet, die deutsche Hochsprache sei – anders als der spalterische Genderjargon – das gemeinsame Dach für alle Deutschsprecher. Die Betonung alles Geschlechtlichen, etwa innerhalb der Lehrerschaft einer Schule, lenke von interessanteren und weniger trivialen Diversitätsmerkmalen wie Persönlichkeit, Unterrichtsstil und Erfahrung nur ab und lasse diese als unwichtig erscheinen. Laut Stegemann sollte deshalb „in der Öffentlichkeit und wenn es um Funktionen geht, das Geschlecht herausgehalten werden." Als pragmatische Möglichkeit, „etwas zu verändern", sieht sie allenfalls den umsichtigen Einsatz des Partizips I, zum Beispiel „Forschende" für Personen, die tatsächlich gerade im Labor arbeiten oder Daten auswerten, jedoch nicht gerade essen (oder gerade nicht schlafen, könnte man ergänzen). bdw wird also weiterhin eine „übergreifende Sprache" verwenden, „die ohne Sternchen oder andere seltsame Brechungen eines Wortes auskommt". Glückwunsch – und Danke! (wissenschaft.de)

Gendern in Bayern und Thüringen
An bayerischen Hochschulen und Universitäten sollen Studenten nicht zum Gendern verpflichtet werden müssen. „Wir brauchen eine geschlechtersensible Sprache. Wir sind aber gegen Übermaß und für Augenmaß", sagte Ministerpräsident Markus Söder nach einer Sitzung des Ministerrats. Sternchen, Doppelpunkte und Unterstriche dürften keine Pflicht werden: „Wir wollen keine Sanktionen. Wir wollen keinen Sprachersatz wie ‚Elternteil' für Vater oder Mutter. Jeder darf sagen, was er will." Alle bayerischen Hochschulen seien vom Wissenschaftsminister angeschrieben und auf die aktuellen Regeln des Rats für deutsche Rechtschreibung hingewiesen worden. Gendersprache dürfe nicht in Prüfungen verlangt werden.
Auch in Thüringen steht das Gendern wieder verstärkt in der Diskussion. Die CDU-Landtagsfraktion sähe es in den Landesbehörden lieber verboten. Sie will eine entsprechende Initiative in den Landtag einbringen. Gendern sei zum Ziel neuer Volks- und Sprachpädagogik geworden, sagte Fraktionschef Mario Voigt: „Wir wollen uns diese Sprachverhunzung in Thüringen nicht mehr antun." Auch die Thüringer FDP sieht das Gendern skeptisch und hat dabei vor allem die Schulen im Blick. „Viele Menschen haben Sorge, durch das Gendern bevormundet zu werden", sagte der FDP-Abgeordnete Thomas Kemmerich. An einer Gesellschaft, in der die Geschlechter gleichgestellt sind, müssten alle gemeinsam arbeiten. „Abgrenzung durch Sprache läuft diesem Ziel zuwider." (bild.de, zeit.de)

Von der Deutung des Sternchens
In einer Diskussion beim Deutschlandfunk trafen die Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl und der Philosoph Christoph Türcke aufeinander. Thema war die aktuelle politische Polarisierung, speziell ging es um das Gendersternchen. Türcke hält es für eine Fiktion, dass die Welt durch das Gendern in der Sprache besser werde. Das Sternchen in der Schrift könne man nicht sprechen und durch die Betonung des -innen ersetze nun ein generisches Femininum das abzuschaffende maskuline. Somit soll jenes genau das leisten, was diesem abgesprochen wird: alle Geschlechter zu repräsentieren. Strobl verteidigte das Gendersternchen: Es symbolisiere die Diversität der Gesellschaft. Es breche die Geschlechterbinarität auf und werde dem Wunsch nach gesellschaftlicher Sichtbarkeit gerecht. ( deutschlandfunkkultur.de)

Anmerkung: Ein typischer Fall für verweigerten Diskurs: Türcke bietet ein ernstzunehmendes Argument; Strobl hält diesem jedoch kein Argument entgegen, sondern postuliert eine soziopolitische Absicht, deren impliziter ethischer Wert offenbar jedem sachlichen Argument überlegen ist, nach dem Muster: „Da muss ich doch auf Ihre schäbigen Einwände gar nicht erst eingehen, oder?"

Liste der Genderzeichen-Nutzer
Mitte September hat ein Nutzer der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia einen neuen Artikel zu Genderzeichen geschrieben. Das Besondere: Hier werden alle bekannten Einrichtungen – Universitäten, Städte, Unternehmen, Organisationen, Medien, Behörden – aufgeführt, die Genderzeichen nutzen. Dabei wird auch unterschieden, wie genau gegendert wird und welche Unternehmen das Gendern ablehnen oder eingeschränkt nutzen. (de.wikipedia.org)

Mal Hühnerhalter, mal Hühnerhalterin
Im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) wird Barbara Schöneberger gefragt, wie sie zu den aktuellen Genderdebatten steht. „Wenn wir über Gender diskutieren, diskutieren wir auch über Feminismus, #MeToo, Dieselfahren, Fleischessen, über alles. Wenn ich sage, dass ich die Genderdebatten übertrieben finde, bin ich auch gleich eine Umweltsau und mindestens ein CSU-Wähler. Ich habe mich mein Leben lang beim Wort Studenten und Mitbewohner mitgemeint gefühlt." So halte sie es auch mit ihren eigenen und anderen Hühnern sowie deren Haltern oder auch Halterinnen, nie dogmatisch. Die ganze Debatte behindere sie auf der Bühne: „Man kann kein politisch korrektes Kabarett oder politisch korrekte Comedy machen."
(rnd.de)



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Sprachfeminismus in der Sackgasse
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