Jürgen von der Lippe über Gender, Klima und Feminismus

neue Beiträge - aktuell
Post Reply
alwis
Site Admin
Posts: 1454
Joined: 28.08.2006, 08:49
Location: Österreich/Austria

Jürgen von der Lippe über Gender, Klima und Feminismus

Post by alwis »

Jürgen von der Lippe auf Bild.de

Seit mehr als 40 Jahren begeistert er seine Zuschauer auf der Bühne und im TV.

Kaum jemand unter Deutschlands Komikern versteht es so gut, mit der deutschen Sprache umzugehen wie Jürgen von der Lippe (73). Die aktuell geführte Gender-Debatte ist für ihn keine Glaubensfrage – sondern schlichtweg falsch.


BILD am SONNTAG: Herr von der Lippe, Sie haben bei diesem Interview vorausgesetzt, dass wir es im Nachhinein nicht gendern, also etwa aus Lehrer nicht Lehrer*innen machen. Warum?

Jürgen von der Lippe: „Wayne Carpendale ist das bei einem Interview in einem anderen Medium passiert. Und ich möchte nicht, dass der Eindruck entsteht, ich würde mich einer grammatikalisch fehlerhaften und vor dem philosophischen Hintergrund unsinnigen Sprache bedienen.“

Was stört Sie denn an Sternchen, Doppelpunkt oder Unterstrich?

von der Lippe:
„Wenn ich selbst queer wäre, also schwul, lesbisch, bi-, trans- oder intersexuell, wäre ich beleidigt, dass ich nur von so einem kleinen Zeichen repräsentiert werden soll. Außerdem frage ich mich, was mit all den anderen Menschen ist, die in unserer Gesellschaft benachteiligt sind. Linkshänder zum Beispiel. Viele Küchengeräte oder Gitarren sind nur für Rechtshänder gemacht. Und was ist mit Ausländern oder Behinderten? Wie gehen wir mit ihnen um? Sollen wir für sie auch etwas einführen? Ein Emoji vielleicht? Das stimmt doch alles hinten und vorne nicht. Warum bleiben wir nicht einfach beim generischen Maskulinum, da kann sich jeder zu Hause fühlen.“

Aber ändert sich Sprache nicht auch?

von der Lippe:
„Ja, aber nicht von oben. Sprache ändert sich von unten. Ausnahme: das Beamtendeutsch. Wer sich so etwas wie ,Personenvereinzelungsanlage‘ ausdenkt, ist vielleicht auch vom Gendern begeistert. Wissen Sie, was das ist? Nein? Ein Drehkreuz. Mir gefällt besonders der ,Biosensor‘. Das ist ein Drogenspürhund.“

Lässt sich die Gesellschaft da von einigen Wenigen treiben?

von der Lippe:
„Offensichtlich. Es ist doch ein Skandal, dass Universitäten verlangen, dass Arbeiten von den Studenten gegendert und so in einem falschen Deutsch eingereicht werden. Es entsteht der Eindruck, dass es eine breite Bewegung wäre. Aber das Gegenteil ist der Fall. Je nach Umfrage wollen bis zu 91 Prozent der Deutschen nicht gendern.“

Was nervt Sie am Gendern am meisten?

von der Lippe:
„Die sinnfreien Partizipien. Von Peter Eisenberg stammt das wunderschöne Beispiel: ,Die Blasenden und Streichenden der Berliner Philhamoniker genießen Weltruf.‘ Goethe hat damals schon gesagt: ,Die Studierenden sitzen im Hörsaal, die Studenten in Auerbachs Keller.‘ Genau das ist der Punkt. Der Bäcker ist ein Backender, wenn er in der Backstube steht. Wenn er auf dem Klo sitzt, dann nicht mehr. Auch ,Geflüchtete‘ ist so ein Beispiel. Was ist an dem Wort Flüchtling so schlimm? Das ,-ling‘ soll angeblich verniedlichen. Was aber ist an einem Häuptling niedlich? Natürlich kann man diese Substantive nicht gendern, das ist wohl der Grund.“

Das klingt aber ganz schön nach „alter weißer Mann“.

von der Lippe:
„Na und, ich bin ein alter weißer Mann. Nur wenn man es als Dreifach-Diskriminierung nutzt, ist es unzulässig. Denn ich darf wegen meines Alters, meiner Hautfarbe und meines Geschlechts nicht beleidigt werden. Da muss schon gleiches Recht für alle gelten.“.................



HINWEIS:

Sprachfeminismus in der Sackgasse
Post Reply