Schüler und Frauen lehnen das Gendern ab

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alwis
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Schüler und Frauen lehnen das Gendern ab

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Schüler lehnen das Gendern ab

Eine Sendung des Bayerischen Rundfunks (BR) vom 31. Mai sorgt momentan im Netz für Aufsehen. Einzelne Ausschnitte der Sendung „Diversity-Talk 2022: Gendern – Modeerscheinung oder Sprach(r)evolution?" kursieren momentan auf Twitter und ernten Spott. Neben den Podiumsgästen sollten nämlich auch Schulklassen darüber abstimmen, ob sie das Verwenden der Gendersprache befürworten. Nach der 40-minütigen Diskussion mit den Studiogästen Julia Fritzsche, freie Journalistin für den BR, Markus Huber, Pressesprecher des BR, Fabia Klein, stellvertretende Landesschülersprecherin, Moritz Meusel, ehemaliger Landesschülersprecher, und der Sängerin Seda Yagci wurden die anwesenden Schulklassen per Online-Abstimmung gebeten, sich zum Gendern zu positionieren. Eine deutliche Mehrheit wählte Option 1 „Gendern finde ich weiterhin unnötig". Die Option „Gendern finde ich ab jetzt klasse!" landete sogar auf dem letzten Platz.
(bild.de)

Petition der Frauen gegen das Gendern

Das Gerücht, dass Frauen das Gendern grundsätzlich befürworten, da es sie „sichtbar" mache, hält sich beharrlich - und das allen Umfragen zum Trotz. Die meisten Frauen lehnen das Gendern jedoch ab. Mehrere bekannte Frauen haben jetzt auf der Plattform openpetition.de eine Petition ins Leben gerufen, die sich gegen das Gendern richtet. So wollen sie sich endlich Gehör bei der Politik verschaffen. Gendern sei nicht nur unökonomisch und sprachlich falsch, vor allem behindere es ein Miteinander: „Statt Gleichheit und mehr Gerechtigkeit zu erreichen, reißt es Gräben zwischen den Geschlechtern auf, grenzt Menschen nach gruppenbezogenen Merkmalen aus und benachteiligt Menschen (...) und ist ein Integrationshindernis für Zuwanderer." Diese Initiative ergriffen haben unter anderen die Schauspielerin Gabriele Gysi, die Literaturwissenschaftlerin Elvira Grözinger und die Islamwissenschaftlerin Nasrin Amirsedghi. Männer sind als Unterstützer willkommen, denn das Sprachgendern „schadet insbesondere den Frauen, aber letztlich allen", sagt Sabine Mertens, Verfasserin des Aufrufes. ( openpetition.de)

Ertrinkende Schwimmende

Die WDR-Sendung „Quarks" ist bekannt dafür, komplizierte Dinge einfach darzustellen und Hintergründe zu beleuchten. Auf Twitter hat sie jetzt mit einer besonders unglücklichen Art des Genderns für Lacher gesorgt. „Jedes Jahr ertrinken Schwimmende in Flüssen, weil es einfach super gefährlich ist. Leute, lasst es einfach!" steht in einem Tweet, dazu gesellt sich ein kurzes Filmchen. Dass das substantivierte Partizip „Schwimmende" zeitlich gesehen nicht zum Ertrinken passt, fiel zahlreichen Twitter-Nutzern sofort auf – denn wer schwimmt, ertrinkt gerade nicht; während ein Ertrinkender nicht mehr schwimmt. So war die Häme groß: „Kinder, die noch nicht schwimmen können, heißen bei @quarkswdr Nichtschwimmende?" fragte @Hallaschka_HH. „Sagt einfach ‚Schwimmer'. ‚Die am Samstag ertrunkenen Schwimmenden wurden heute beerdigt' hört sich ein wenig dämlich an, oder?" gab @markrudolph2701 zu bedenken. Und @AssiSpumante warf ein: „Schiffende sehen Schwimmende kaum. Gut dass es Rettende gibt! Nehmt euch ein Beispiel an @QuarkDDR". Die Twitter-Satireadresse @QuarkDDR, die erst im Juli erstellt worden ist, hat bereits knapp 25.000 Anhänger (followers), sie hat gleich nach Veröffentlichung ihres Fast-Namensvetters eine eigene Infokachel hochgeladen, auf der sie vor den größten Gefahren in Flussnähe warnt: Angelsachsen, Wassermonsternde und Meerjungpersonen. ( twitter.com/quarkswdr, twitter.com/QuarkDDR)


Die Tests führen in die Irre

Befürworter des Genderns verweisen gern auf psychologische Studien, die beweisen sollen, dass die generische Standardform (Bürger) Personen männlichen Geschlechts gedanklich überrepräsentiert. Ein Artikel in der Berliner Zeitung nimmt sich diese Studien genauer vor und kommt zu dem Ergebnis: Die deutsche Sprache diskriminiert Frauen nicht. Der Verfasser Tobias Kurfer stellt nicht nur grundsätzlich in Frage, dass Sprecher bei jeder Personenbezeichnung auch irgendwelche Bilder von Personen im Kopf haben. Für solche Effekte gebe es überhaupt keine wissenschaftlichen Belege. „Unsere inneren Bilder sind oftmals ziemlich vage", so Kurfer. Beispiel: „Berlin hat 3,6 Millionen Einwohner." Kurfers Beitrag fasst die wissenschaftlichen Aussagen zu dem Thema in übersichtlicher Form zusammen. Er nimmt sich die einzelnen Studien vor und kann darin schwerwiegende Mängel nicht-wissenschaftlicher Arbeit nachweisen. „Mit anderen Worten: Die Tests führen in die Irre." Denn die Studien untersuchen Wörter nur in einem spezifischen Kontext, sind meist nicht einmal repräsentativ, und oft sind die scheinbaren Beweise in Zahlen winzig, nicht der Nennung wert, und für die Verallgemeinerung unbrauchbar, weil nicht gegen den in Statistiken zu berücksichtigenden Zufall gesichert.

Kufer schließt seinen Beitrag mit der Vernichtung eines Mythos um die Wörter Lehrer, Apotheker und Ärzte: „Dass sich Frauen nicht davon abhalten lassen, einen Berufsweg einzuschlagen, weil generische Maskulina im allgemeinen Sprachgebrauch und in den Medien gängig sind, zeigen indes die wirklich belastbaren Daten. Von der Grundschule bis zum Gymnasium dominieren Frauen in allen Schulformen mit insgesamt 73,4 Prozent den Lehrerberuf. Etwa 70 Prozent der Medizinstudenten sind weiblich, 72 Prozent der Apotheker in Deutschland sind Frauen und ebenso die Mehrheit der jungen Anwälte bei ihrer Erstzulassung."
( berliner-zeitung.de)

Behördendeutsch gegendert - der oder die die der oder dem

Verwaltungstexte waren noch nie bürgerfreundlich abgefasst. Michaela Blaha hat vor 14 Jahren die Agentur Idema gegründet, mit der sie Texte von Behörden und Unternehmen lesefreundlicher macht. Das Gendern stört ihre Arbeit sehr, sagt sie in einem Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen (WAZ). Die Forderung nach einer geschlechtergerechten Sprache hält sie für nachvollziehbar, in der Praxis stößt Gendern an Grenzen: „Aber ich finde das Binnen-I im textlichen Alltag nicht praktikabel. Es ist weiter ungewohnt, stört den Lesefluss, und viele Leute regen sich darüber auf. Für mich spricht auch gegen Gender-Schreibweisen, dass das männliche Geschlecht dabei grammatikalisch oft unterschlagen wird. Zum Beispiel ‚den Lehrer*innen'". Die männliche Form ‚den Lehrern' ist darin nicht mehr repräsentiert." Auch die Doppelnennung sei keine brauchbare Lösung, da sie die Texte unnötig verlängert. Der Inhalt könne nicht mehr angemessen dargebracht werden, außerdem würden bei den Lesern oft ablehnende Reaktionen geweckt. Verständlichkeit gehe vor, da sie allen Menschen helfe, so Blaha. „Man kann sich mit Gendersprache offenbar wunderbar profilieren. Und es gibt auch Gelder für Studien und Leitfäden zu Genderfragen, etwa nach dem Gleichbehandlungsgesetz." Die sprachliche Gleichberechtigung sei ein wichtiges Thema, aber in der Durchführung oft sinnlos: „Statt Fußgänger heißt es dort nun ‚zu Fuß Gehende', aus ‚Rollstuhlfahrern' werden ‚Fahrende von Rollstühlen', was fast schon nach Hochadel klingt. Das ist aber nichts, was jemand sagen würde." Speziell bei der Amtssprache sei Gendern ein Rückschritt: So stehe in der Bauordnung NRW ein Passus, der die Absurdität besonders verdeutliche: „Treten bei einem Bauvorhaben mehrere Personen als Bauherrin oder als Bauherr auf, so kann die Bauaufsichtsbehörde verlangen, dass ihr gegenüber eine Vertreterin oder ein Vertreter bestellt wird, der oder die die der Bauherrin oder dem Bauherrn nach den öffentlich-rechtlichen Vorschriften obliegenden Verpflichtungen zu erfüllen hat." Stumpf umgesetzt, so wie hier, bringe es die gesellschaftliche Wahrnehmung nicht weiter, wenn man sich vom Text mit Grausen abwendet, so Blaha. Ein Text dürfe dem allgemeinen Sprachempfinden nicht zuwiderlaufen. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Fall einer Sparkassen-Kundin sei „ein gutes Beispiel dafür, dass es an manchen Stellen okay ist, nicht zu gendern."
(waz.de)

Schummeln schadet der Sache

Befürworter des Sprachgenderns zitieren häufig linguistische, eher psycholinguistische Studien, die uns Laien anscheinend schlagkräftig beweisen, dass das generische Maskulinum die Gerechtigkeit unter den Geschlechtern verhindert. Dass da nicht auf Taten, sondern auf Sprachkosmetik gezielt wird, ist für alle, nicht nur für Sprachfreunde, ärgerlich genug. Uns Laien plagt indes schon lange der Verdacht, dass bei der Beweisführung geschummelt werde. Offenbar ist es durchweg eine scheinbare, nicht eine anscheinende Beweisführung. Tatsächlich handelt es sich bei der gesamten Forschung zum Gendern um eine Handvoll Untersuchungen, die aber so häufig zitiert werden, dass man schon deshalb glauben könnte, da müsse was dran sein. Wir kennen Beweise aus der Mathematik, der Logik, dem Rechtswesen. Sie sind das positive Ergebnis eines auf die Feststellung von Tatsachen gerichteten Beweisverfahrens. Schummeln gilt nicht, und sei es noch so beliebt. Wir Laien genießen nicht die Zeit und Muße die Studien selber zu prüfen und zu erfahren, wie die Ergebnisse und ihre Folgerungen zustande kamen. Deshalb ist der heute vorgestellte Beitrag aus der Berliner Zeitung ( Die Tests führen in die Irre) so willkommen. Da hat sich Tobias Kurfer die Mühe gemacht, genauer hinzuschauen, und was er entdeckt, ist die Mühe des Lesens eines langen Artikels wert. Man kann ihn auch zum Anhören anklicken. Schadenfreude wäre unangebracht. Wem soll es nützen, wenn die Geschlechtergerechtigkeit aus der Debatte gekegelt wird, weil Trickser ähnliche Methoden verwenden wie die notorischen, weltbekannten Lügner, die mehr an Verwirrung als an einem wahrhaftigen Umgang mit Problemen interessiert sind? Ausgerechnet über Sprachmanipulation zu Ergebnissen zu gelangen, ist schon fragwürdig genug, aber auf der Grundlage von „Beweisen" aus völlig unbrauchbaren Studien zu argumentieren, wird noch dazu führen, dass das Thema ignoriert wird: ausgelutscht, fertig.
Merke: Schummeln schadet der Sache, und der Sprache! (Oliver Baer)



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Sprachfeminismus in der Sackgasse
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