Marsch für das Leben - Berlin 2022

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alwis
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Marsch für das Leben - Berlin 2022

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„Das Portal verfälschte, aus Inkompetenz oder absichtlich, meine Aussagen inhaltlich“
aus kath.net

Alexandra Linder (Bundesverband Lebensrecht) kritisiert katholisch.de scharf nach stark diffamierenden Artikeln zum Marsch für das Leben. kath.net-Interview von Petra Lorleberg


Bonn (kath.net/pl) „ Dies schrieb ich auch an die Redaktion, die daraufhin nicht nur meinen Kommentar auf ein paar abgehackt zitierte Sätze reduzierte, sondern, aus journalistischer Inkompetenz oder absichtlich, meine Aussagen inhaltlich verfälschte. Da man damit versuchte, mir Aussagen in den Mund zu legen, die unseren Verband erneut diskreditieren sollten, entschloss ich mich, die Stellungnahme selbst zu veröffentlichen. Interessante journalistische Erfahrung …“ Mit diesen Sätzen kritisiert die Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, Alexandra Linder (Link), ihre Erfahrungen des Umgangs der katholisch.de-Redaktion mit ihr und ihren pro-Life-Positionen. KATH.NET interviewte die bekannte aktive Lebensschützerin, nachdem das kirchensteuerfinanzierte Portal ausgerechnet den von Papst Franziskus unterstützten Marsch für das Leben übel verunglimpfte.

kath.net: Frau Linder, ein uninformierter Außenstehender würde wahrscheinlich vermuten, dass die kirchensteuerfinanzierten katholischen Medien unisono für den Lebensschutz einstehen. Wie sieht es damit in der katholischen Kirche in Deutschland aus?

Alexandra Linder: Da es nicht so viele kirchensteuerfinanzierte solche Medien gibt, kann man wenig dazu sagen und beobachtet Unterschiedliches, darunter tatsächlich auch abweichende Haltungen. Im Gegensatz dazu findet man bei nicht kirchensteuerfinanzierten katholischen Medien durchweg eine stringente Haltung in häufig guter journalistischer wie inhaltlicher Qualität.

kath.net: Verstehe ich das also richtig: Lebensschützer sind Menschenrechtler und berufen sich u.a. auf die Prolife-Positionen des aktuellen Papstes und seiner Vorgänger sowie auf den starken Prolife-Impuls in unserer Verfassung (zb. in § 218 StGB) – aber sehen sich harscher Kritik beispielsweise seitens katholisch.de ausgesetzt, dem "offiziell inoffiziellen" Portal der katholischen Kirche in Deutschland (Link). Man möchte denken: Das kann doch eigentlich gar nicht sein?

Linder: Die überraschendsten Schüsse kommen immer von hinten.

kath.net: Was war in letzter Zeit vorgefallen? Konnten Sie beispielsweise jüngst selbst einen Kommentar zum Thema Lebensschutz beim offiziell inoffiziellen Portal der katholischen Kirche in Deutschland veröffentlichen?

Linder: Eine „Einladung“ dazu (mit dem einschränkenden Hinweis des Chefredakteurs Herrn Odendahl, man müsse schauen, wie man das dann verwerten werde) nahm ich nach einem zweiten, diffamierenden Artikel, der dort zum Marsch für das Leben abgedruckt wurde und auch mich persönlich unterschwellig zu einer Rechtsextremistin erklärte, an.

Unmittelbar nach dem Marsch war ein ebenfalls unsachlicher, diffamierender Kommentar dazu erschienen, meine Sachkritik daran wurde für unrechtmäßig erklärt, denn ein Gast-Kommentator sei frei in seiner Themenwahl.

Erbeten wurde eine Stellungnahme mit meiner „Sicht auf den Marsch für das Leben“. Als ich dies wunschgemäß ablieferte, wurde es entgegen der Aussage, Gast-Kommentatoren seien frei in ihrer Themenwahl, abschlägig beschieden, mit dem Hinweis, ich müsse auf die Vorwürfe konkret von Herrn Hose und Frau Bednarz reagieren.

Das entsprach aber weder dem Auftrag noch ist das sinnvoll. Wir haben keinen Verteidigungsmodus gegen haltlose, hanebüchene Vorhaltungen nötig. Gefragt war eine grundlegende Aussage darüber, was wir tun, wie und warum. Dies schrieb ich auch an die Redaktion, die daraufhin nicht nur meinen Kommentar auf ein paar abgehackt zitierte Sätze reduzierte, sondern, aus journalistischer Inkompetenz oder absichtlich, meine Aussagen inhaltlich verfälschte.

Da man damit versuchte, mir Aussagen in den Mund zu legen, die unseren Verband erneut diskreditieren sollten, entschloss ich mich, die Stellungnahme selbst zu veröffentlichen. Interessante journalistische Erfahrung …

kath.net: Auch der BDKJ-Bundesvorsitzende Gregor Podschun wollte nun bei diesen Themen mitmischen. Wie gelungen finden Sie seine Argumentation?

Alexandra Linder: Wer stetig mit dem Begriff „Nazi“ um sich wirft, gerät vielleicht einmal in Gefahr, echte Nazis und ihre menschenfeindliche Haltung damit zu relativieren. Außerdem hat er offenbar keine Ahnung, wer bei dem Marsch für das Leben ist und was man dort tut (die Kundgebung ist unschwer im Internet vollständig sehbar). Ohne Kenntnis der Sache sachliche Stellungnahmen abzugeben, ist schwierig. Und die Veranstalter und über 4.000 Teilnehmer einer Demonstration unbelegt in Misskredit bringen zu wollen, ist schlicht unanständig.

kath.net: Fragen Sie sich als langjährige, engagierte Lebensschützerin eigentlich manchmal, warum ausgerechnet aus manchen kirchensteuerfinanzierten katholischen Medien am fundamentalsten aller Menschenrechte, dem Lebensrecht, gesägt wird? Und warum das ZdK – einschließlich seiner aktuellen Vorsitzenden Irme Stetter-Karp – nicht als überzeugte Menschenrechtler für die Prolife-Anliegen eintreten?

Alexandra Linder: Ich kann verstehen, dass Menschen Angst haben, Diskussionen vermeiden möchten, Druck aus der eigenen Umgebung umgehen möchten. Jeder muss selbst entscheiden, wie mutig und konsequent er ist und wie er mit seinem Gewissen umgeht. Ich verstehe nicht, dass man aus welchem Grund auch immer in Kauf nimmt, das Leben von Kindern preiszugeben und Frauen in Konfliktlagen echte Hilfe zu verweigern.

kath.net dokumentiert die ursprünglich an die katholisch.de-Redaktion gesandte Stellungnahme „Zum Marsch für das Leben – Von Alexandra Maria Linder M.A., Vorsitzende Bundesverband Lebensrecht e.V.“ in voller Länge:

Der Marsch für das Leben, der nicht martialisch gemeint ist, sondern sich aus der Übersetzung des englischen „March for life“ ableitet, existiert seit 2002 und wurde dieses Jahr zum 18. Mal in Berlin durchgeführt. Er begann als Gedenkveranstaltung für Menschen, die aufgrund von Abtreibung kein Grab, keinen Gedenkort haben. Ausschließlich in dieser Funktion, die unserer Bestattungskultur entspricht, werden auch heute noch Kreuze getragen, von Menschen, denen dieses Gedenken wichtig ist. Die Veranstaltung insgesamt wird jedes Jahr (gewollt) mehr zu einer lebens- und zukunftsbejahenden „pro life“-Demonstration, was sich unter anderem am wachsenden Zulauf von jungen, fröhlichen Menschen und Familien zeigt.

Der Veranstalter, der Bundesverband Lebensrecht e.V., dessen gewählte Vorsitzende ich seit 2017 bin, ist ein Lobbyverband mit aktuell 16 Mitgliedsvereinen, der hierüber etwa 25.000 direkte Mitglieder und weitere, auf unterschiedliche Weise aktive Unterstützer in sechsstelliger Höhe hat. Mit unserem ehrenamtlichen, fünfköpfigen Vorstand und unseren Mitarbeitern in der Geschäftsstelle tun wir das, was jeder Lobbyverband tut: Wir konzentrieren uns auf bestimmte fachliche Bereiche und arbeiten dafür, dass sich in diesen Bereichen etwas tut und verbessert – in der Sache ebenso wie für die betroffenen Menschen. Unsere Bereiche sind die sogenannte Bioethik und das Lebensrecht. Dazu gehören Themen wie assistierter Suizid, Euthanasie, Abtreibung, vorgeburtliche Diagnostik, Präimplantationsdiagnostik, künstliche Befruchtung, Organspende, Embryonenschutz, Gewissensfreiheit in der Medizin und vieles mehr. Unsere Aufgabe ist es, Fachinformationen und Stellungnahmen zur Verfügung zu stellen, Tagungen und Kongresse zu veranstalten, als Referenten und Diskussionspartner zur Verfügung zu stehen, die Anliegen derjenigen zu vertreten, die hier keine oder keine laute Stimme haben, solche Anliegen in die Öffentlichkeit zu bringen. Über unsere Vereine und mit deren inzwischen über 40-jähriger Tätigkeit in verschiedensten Bereichen haben wir sehr direkte Kontakte und langfristige Erfahrungen zum Beispiel in Bezug auf Schwangerschaftskonflikte, Folgen von Gesetzen, Tendenzen in Gesellschaften, medizinische Entwicklungen oder Auswirkungen von Regelungen für Betroffene.

Der BVL ist überparteilich, unabhängig und nicht religiös gebunden. Wir arbeiten auf Grundlage des Grundgesetzes und des christlichen Menschenbildes: Jeder Mensch weltweit ist von der Zeugung bis zum Tod eine einzigartige Person, deren Menschenwürde und Grundrechte zu schützen sind. Unsere Arbeitsweise im politischen Bereich entspricht der jedes Lobbyverbandes: Wir liefern Zahlen, Fakten, Informationen, halten Fachvorträge, nehmen an Debatten teil und hoffen, dass all dies in Gesetzgebungsverfahren und Regelungen von den im Bundestag vertretenen Parteien im Lebensrechtssinne umgesetzt wird. Die Partei Bündnis90/Die Grünen hat oder hatte zum Beispiel bei PID und pränatalem Bluttest eine sachlich uns ähnliche Haltung, die AfD bei Abtreibung, die CDU bei Euthanasie und Werbeverbot für Abtreibung, die Linke bei Leihmutterschaft. Daraus eine Nähe zu einer bestimmten Partei abzuleiten, ist daher ebenso unbegründet und unangebracht wie Äußerungen einer bestimmten Partei, uns nahezustehen. Beides widerspricht den Aufgaben, Anliegen und Arbeitsweisen eines seriösen Lobbyverbandes.

Über die breite Unterstützung von katholischen Bischöfen und Vertretern anderer Konfessionen (unter anderem orthodoxe Kirchen, Evangelische Allianz, Freikirchen), denen das umfassende Lebensrecht aller Menschen ebenso ein Anliegen ist wie uns, freuen wir uns, denn es ist absolut nicht selbstverständlich, dass eine Bewegung, die keiner Kirche angehört, eine solche Unterstützung erfährt. Eine Zahl: Allein seit 2018 haben über 20 Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz den Marsch für das Leben mit ihrer Teilnahme, auf der Kundgebungsbühne, beim ökumenischen Gottesdienstangebot nach der Veranstaltung, mit Grußworten und/oder anderer ideeller Unterstützung bedacht. Des weiteren ist Bischof Oster auf unserem anstehenden Kongress Leben.

Auf der anderen Seite erfährt der Marsch für das Leben eine erstaunliche Verunglimpfung. Kreuze werden bewusst falsch als Drohgebärde interpretiert und mit missbräuchlicher Verwendung auf anderen Veranstaltungen verglichen – das mag auch an einem säkularen Unverständnis des Symbols liegen, ist aber nichtsdestoweniger falsch. Es tauchen Begriffe auf, die zwar keinerlei Zusammenhang mit der Veranstaltung, den Teilnehmern oder Veranstaltern haben, aber willkürlich zusammengepuzzelt werden, vielleicht, weil sie in der Öffentlichkeit schnell bestimmte Konnotationen hervorrufen, darunter rechtsextremistisch, religiös-fundamentalistisch, homophob, queerfeindlich, querdenkerisch.

Es stand noch niemand bei uns auf der Bühne, war als Referent bei unseren Fachtagungen oder im Vorstand des Bundesverbandes Lebensrecht, der als extremistisch zu bezeichnen wäre, weder fachlich noch persönlich. Vereinzelte Teilnehmer, deren Gesinnung wir sicher nicht teilen, die aber in einer Demokratie dasselbe Demonstrationsrecht haben wie alle anderen Menschen, werden als pars pro toto oder gar als Mitveranstalter und Organisatoren hingestellt, offenbar mit dem Ziel, die gesamte Veranstaltung zu diskreditieren.

Bei Demonstrationen blickt man indes normaler- und korrekterweise auf das, was prüfbar, sinnvoll und damit auch beim Marsch für das Leben angebracht ist: die Haltung und sachlichen Inhalte der Veranstalter, die Ziele der Veranstaltung, die Themen und Redner auf der Bühne, die Ausrichtung der großen Mehrheit der Teilnehmer. Wir stehen für Diskussionen gern zur Verfügung und fordern dazu auf, nicht verunglimpfend über uns, sondern sachlich mit uns zu sprechen.


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