6. Jänner_Erscheinung des Herrn_Teil 1

Lesungen aus der Hl. Schrift, Gebete und Erklärungen
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alwis
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6. Jänner_Erscheinung des Herrn_Teil 1

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Epiphania domini
Volkstümlich: Fest der Hl. 3 Könige


Die Sterndeuter folgten der 'Handschrift Gottes in der Schöpfung'
entnommen aus kath.net

Am Ende konnte ihnen aber nicht die Schöpfung, sondern nur das Wort Gottes den Weg weisen. 'Gehen wir mit der Kirche, wo das Wort sein Zelt aufgeschlagen hat.' Die Predigt von Papst Benedikt XVI. zum Hochfest der Erscheinung des Herrn.

Liebe Brüder und Schwestern,
am Hochfest der Erscheinung des Herrn betrachtet und feiert die Kirche weiterhin das Geheimnis der Geburt Jesu, unseres Erlösers. Der heutige Festtag betont insbesondere die universelle Bedeutung und Sinngebung dieser Geburt Jesu.

Der Sohn Gottes wird Mensch im Schoß der Jungfrau Maria und kommt nicht nur zum Volk Israel, vertreten durch die Hirten von Bethlehem, sondern zur ganzen Menschheit, vertreten durch die Sterndeuter. Und es sind die Sterndeuter und ihre Reise auf der Suche nach dem Messias (vgl. Mt 2,1-12), über die die Kirche uns heute einlädt, zu meditieren und zu beten.

Die Sterndeuter

Im Evangelium haben wir gehört, dass Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem gekommen waren und fragten: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen." (Vers 2).

Welche Art von Persönlichkeiten waren sie und was für ein Stern war das? Wahrscheinlich waren sie weise Männer, die den Himmel erforschten, aber nicht, um in den Sternen die Zukunft zu „lesen", und um dafür vielleicht Geld zu erhalten. Sie waren vielmehr Menschen „auf der Suche" nach etwas Größerem, auf der Suche nach dem wahren Licht, das fähig ist, den Weg aufzuzeigen, den es im Leben voranzuschreiten gilt.

Es waren Persönlichkeiten, die wussten, dass es in der Schöpfung das gibt, das wir als die „Handschrift" Gottes bezeichnen können, eine Handschrift, die der Mensch entdecken und entschlüsseln kann und auch versuchen sollte.

Die beste Weise vielleicht, um diese Weisen und ihren Wunsch, sich von den Zeichen Gottes leiten zu lassen, kennenzulernen, ist innezuhalten und darüber nachzudenken, was sie auf ihrem Weg in der großen Stadt Jerusalem vorfanden.

Herodes

Zuerst trafen sie dort auf den König Herodes. Natürlich war dieser an dem Kind interessiert, von dem die Sterndeuter sprachen, aber er hatte nicht die Absicht, es anzubeten, wie er es fälschlicherweise zu verstehen gab, sondern er wollte es vernichten.

Herodes ist ein Mann der Macht, der im anderen nur einen Rivalen sehen kann, den es zu bekämpfen gilt. Wenn wir es richtig betrachten, erscheint ihm am Ende Gott auch als ein Rivale, ein besonders gefährlicher Rivale, der die Menschen ihres Lebensraums, ihrer Autonomie und ihrer Macht berauben will; eine Art Rivale, der den Weg, den man im Leben einschlagen soll, vorgibt und so verhindert, dass man alles das tut, was man will.

Herodes hörte von seinen Experten der Heiligen Schrift die Worte aus dem Buch des Propheten Micha (5,1), aber sein einziger Gedanke gilt seinem Thron. Deshalb muss Gott selber verdunkelt werden und die Menschen müssen reduziert werden auf einfache Figuren, die man auf dem großen Schachbrett der Macht beliebig bewegen kann.

Herodes ist eine Person, die uns nicht sympathisch ist und die wir instinktiv wegen seiner Brutalität negativ beurteilen.

Aber wir sollten uns fragen: Gibt es vielleicht nicht auch etwas von Herodes in uns selbst? Sehen wir manchmal nicht auch Gott als eine Art Rivale? Sind wir nicht auch blind für seine Zeichen und taub für seine Worte, weil wir denken, dass er unser Leben eingrenzt und uns nicht erlaubt, über die Existenz nach unserem eigenen Ermessen zu verfügen?

Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir Gott auf diese Art und Weise sehen, dann werden wir letztlich unzufrieden und unglücklich sein, weil wir uns nicht von dem führen lassen, der die Grundlage aller Dinge ist.

Wir sollten diese Idee der Rivalität aus unserem Verstand und unserem Herzen ausradieren, die Vorstellung, dass wenn wir Gott Raum geben, dass dies eine Begrenzung für uns selbst bedeutet.

Wir sollten uns der Gewissheit öffnen, dass Gott die allmächtige Liebe ist, die nichts weg nimmt, die nicht bedroht, sondern im Gegenteil er der Einzige ist, der uns die Möglichkeit bietet, in Fülle zu leben und die wahre Freude zu erfahren.

Die Gelehrten
Die Sterndeuter treffen dann auf die Gelehrten, die Theologen, die Experten, die alles über die Heilige Schrift wissen, die die verschiedenen Interpretationen kennen, die aus dem Gedächtnis alle Passagen zitieren können und sind somit eine wertvolle Hilfe für jeden sind, der auf den Wegen Gottes gehen will.
Aber wie der heilige Augustinus sagt, sie wollen Führer für die anderen sein, ihnen den Weg zeigen, aber sie selbst gehen nicht, verharren unbeweglich. Für sie sind die Heiligen Schriften eine Art Atlas, den man aus Neugier liest, eine Ansammlung von Wörtern und Begriffen, die es zu studieren gilt und über die man gelehrt diskutieren kann.

Aber auch hier sollten wir uns erneut fragen: Gibt es nicht auch in uns die Versuchung, die Heilige Schrift, diesen reichen und lebendigen Schatz für den Glauben der Kirche, eher als Gegenstand des Studiums und der Diskussion der Fachleute zu sehen, als vielmehr als das Buch, das uns den Weg zum Leben weisen möchte?

Wie ich im Apostolischen Schreiben Verbum Domini erwähnt habe, denke ich, dass in uns immer wieder neu die tiefe Bereitschaft wachsen sollte, das Wort der Bibel, im Licht der lebendigen Überlieferung der Kirche (Nr. 18), als die Wahrheit anzusehen, die uns sagt, was der Mensch ist und wie er sich in seiner Ganzheit entfalten kann; die Wahrheit, die der Weg ist, den wir täglich zu gehen haben, zusammen mit anderen, wenn wir unser Leben auf Fels und nicht auf Sand aufbauen wollen.

Der Stern - Handschrift Gottes in der Schöpfung
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