Familienpolitik

Diskussionen über Familienpolitik in Österreich und Europa
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27. Dezember 2007, 10:18
Deutsche Psychoanalytiker: Frühkindliche Fremdbetreuung ist schädlich!

aus kath.net, Katholische Nachrichten


Berlin (www.kath.net) Deutsche Psychoanalytiker warnen in einem Memorandum vor der frühkindlichen Fremdbetreuung. Das berichtete die Tageszeitung „Die Welt“.
Ganztägige Trennungen von den Eltern stellten extreme psychische Belastungen für die Kinder dar, heißt es in einem „Memorandum“ der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV).

Je länger die tägliche Fremdbetreuung erfolge, desto höhere Werte des Stresshormons Cortisol seien bei den Kindern nachweisbar. Das erkläre den Zusammenhang zwischen ganztägiger außerfamiliärer Betreuung und späterem aggressivem Verhalten in der Schule.

In den ersten drei Lebensjahren seien Kinder „ganz besonders auf eine schützende und stabile Umgebung angewiesen“, denn sie entwickeln erst langsam die Fähigkeit, die Abwesenheit der Eltern innerseelisch zu verkraften, heißt es in dem Memorandum.

Plötzliche oder zu lange Trennungen von den Eltern in der frühen Kindheit bedeuteten einen „bedrohlichen Verlust der Lebenssicherheit, auch weil Sprach- und Zeitverständnis des Kindes noch nicht weit genug entwickelt sind, um Verwirrung oder Angst mit Erklärungen zu mildern“.

Ein Kind bindet sich stets auch an eine Betreuerin oder „Übergangsmutter“. Jeder Krippenwechsel oder Wechsel der Tagesmutter führe also zu einem Bindungsverlust beim Kind.


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PostPosted: 02.03.2008, 19:04 
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Krippenausbau in Deutschland
Psychoanalytiker nehmen Stellung Dez. 2007
(Auszug aus dem Memorandum der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung)


Als Psychoanalytiker erfahren wir in unserer täglichen Praxis die
Tiefenwirkungen und Langzeitfolgen von kindlichen Entwicklungsbedingungen. In den ersten
drei Lebensjahren wird die Grundlage für die seelische Gesundheit eines Menschen gelegt. In dieser
sensiblen Entwicklungszeit bedeuten regelmäßige ganztägige Trennungen von den Eltern eine
besondere psychische Belastung für die Kinder. Die Diskussion über den geplanten Ausbau der
Krippenbetreuung fur Kinder unter drei Jahren erscheint uns daher zu kurz gegriffen, wenn sie sich
nur auf demographische, bildungs- und arbeitsmarktpolitische Aspekte konzentriert.
Während der ersten 36 Lebensmonate ist das Kind wegen seiner körperlichen und
seelischen Verletzlichkeit ganz besonders auf eine schützende und stabile Umgebung
angewiesen. Es bindet sich an die Menschen, die ihm am verlässlichsten zur Verfügung stehen.
Bindung ist für das Kind eine Überlebensnotwendigkeit. Sie bildet die Grundlage für sein
Selbstwertgefühl und seine Fähigkeit, tragfähige Beziehungen aufzubauen. Seine emotionale und
kognitive Entwicklung wird in der frühen Kindheit durch die Stabilität seiner Beziehungen
gefördert. Einfühlung in seine Bedürfnisse, Verfügbarkeit einer verlässlichen Bezugsperson,
regelmäßige Alltagsstrukturen helfen dem Kind, ein „Urvertrauen“, das gerade in dieser Zeit
erworben wird und eben nicht angeboren ist, zu gewinnen. Erst langsam entwickelt das Kind die
Fähigkeit, die Abwesenheit der Eltern innerseelisch zu verkraften, indem es sich an sie erinnern
und an sie denken kann.
Plötzliche oder zu lange Trennungen von den Eltern bedeuten in der frühen Kindheit einen
bedrohlichen Verlust der Lebenssicherheit, auch weil Sprach- und Zeitverständnis des Kindes
noch nicht weit genug entwickelt sind, um Verwirrung oder Angst mit Erklärungen zu mildern.
Eine Trennung von den Eltern, die nicht durch ausreichend lange Übergangs- und Eingewöhnungsphasen
vorbereitet wird, kann vom Kind als innerseelische Katastrophe erlebt werden, die
seine Bewältigungsmöglichkeiten überfordert. An der kindlichen Reaktion auf die Trennung - zum
Beispiel verzweifeltes Weinen, anhaltendes Schreien oder später auch resigniertes Verstummen,
Schlaf- und Ernährungsstörungen - kann man eine seelische Überforderung erkennen,
die dann besondere Zuwendung und Verständnis braucht, um nicht zu einer innerseelischen
Katastrophe zu werden.
.
Pflegeleichte Kinder, die gegen die Trennung nicht protestieren, brauchen besondere
Aufmerksamkeit, weil ihre seelische Belastung manchmal nicht erkannt wird.
Auch wenn die Betreuerin nur eine "Übergangs-Mutter" ist, die sich deshalb nicht stärker binden
möchte, weil sie den kommenden Abschied voraussieht: das Kind bindet sich immer, weil es
Bindung braucht, um seelisch zu wachsen.
Jeder Krippenwechsel oder Wechsel einer Tagesmutter bedeutet für das Kind eine erneute
Erfahrung von Bindungsverlust. Es gibt keine psychische Gewöhnung an Verlust: Kommt
er unvorbereitet und kann er nicht innerhalb einer vertrauten Beziehung verdaut werden, sind
Verleugnung und Anästhesierung der Gefühle die Folge, häufig begleitet von der „Körpersprache“
psychosomatischer Symptome.

Es ist Forschungs- und Erfahrungswissen (und keine Ideologie), dass für die Entwicklung des
kindlichen Sicherheitsgefühls, für die Entfaltung seiner Persönlichkeit und für die seelische
Gesundheit eine verlässliche Beziehung zu den Eltern am förderlichsten ist. Gerade in den ersten
drei Lebensjahren ist die emotionale und zeitliche Verfügbarkeit von Mutter und Vater dafür von
großer Bedeutung.
Wenn die Familie wegen Krankheit, seelischer oder materieller Not dem Kind nicht die nötige
Verlässlichkeit bietet und Vernachlässigung oder Misshandlung drohen, wird das Kind von der
Betreuung außerhalb der Familie dann profitieren, wenn es dort ausreichend Gelegenheit findet,
gute und dauerhafte Beziehungen zu entwickeln. Alle Eltern, besonders aber Eltern, die sich
zuhause mit ihren Kindern überfordert und isoliert fühlen, brauchen Unterstützung, gesellschaftliche
Anerkennung und öffentliche Angebote für das Leben mit Kindern
In vielen Studien wurde nachgewiesen, dass es entwicklungspsychologisch einen bedeutsamen
Unterschied macht, ob ein Kind mit einem Jahr, mit anderthalb oder zwei Jahren in
außerfamiliäre Betreuung kommt und wie viele Stunden täglich sie in Anspruch genommen
wird. Je länger die tägliche Betreuung getrennt von den Eltern andauert, umso höhere Werte des
Stresshormons Cortisol sind zum Beispiel im kindlichen Organismus nachweisbar. Dies
erklärt den Zusammenhang zwischen langer, also ganztägiger Dauer der außerfamiliären Betreuung
und späterem aggressivem Verhalten in der Schule, der in Längsschnittstudien gefunden
wurde. Weitere entscheidende Faktoren fur die Qualität der Krippenbetreuung sind die
Gruppengröße und die Personalfluktuation. Zu große Gruppen oder häufige Personalwechsel
machen es dem Kind unmöglich, sichere Bindungen einzugehen; sie können sozialen Rückzug
bewirken oder im Verlauf seiner Entwicklung zu innerer Unruhe, Aufmerksamkeitsstörungen und
Konzentrationsdefiziten führen.
Allgemein gilt:
Je jünger das Kind,
je geringer sein Sprach- und Zeitverständnis,
je kürzer die Eingewöhnungszeit in Begleitung der Eltern,
je länger der tägliche Aufenthalt in der Krippe,
je größer die Krippengruppe
je wechselhafter die Betreuungen,
umso ernsthafter ist die mögliche Gefährdung seiner psychischen Gesundheit.
Das Tagesmuttermodell, das wegen der erhofften individuelleren Betreuung oder seiner
familiennäheren Form oft als bessere Alternative zur Krippe angesehen wird, erscheint . im
Gegenteil besonders konfliktreich: Ein Tagesmutterwechsel in den ersten Lebensjahren findet
viel öfter statt als bei der Einführung des Modells angenommen. Häufig auftretende Spannungen
zwischen Mutter und Tagesmutter zeigen die große Störanfälligkeit dieser Betreuungsform. Die
Vorbereitung auf die psychologisch und pädagogisch schwierige Aufgabe einer Ersatzbetreuung
ist bisher meist unzureichend.
Analog zur .“Schulreife“ sollte die “Krippenreife“ für jedes Kind individuell beurteilt werden, um
Traumatisierungen zu verhindern. Auch für Eltern ist es oft schmerzhaft und konfliktreich, sich
in den frühen Entwicklungsjahren von ihrem Kind trennen zu müssen, und sie machen sich viele
Gedanken, wenn sie es in „fremde Hände“ geben. Sie kennen ihr Kind am besten und erfassen
wegen ihrer einzigartigen seelischen Verbindung zu ihm seine „Krippenreife“ intuitiv.
Politische Forderungen nach möglichst früher Rückkehr der Mutter an den Arbeitsplatz
verunsichern intuitives Wissen und schüren eine unnötige ideologische Konkurrenz um ein
„richtiges“ Frauenbild.

Die Gestaltung von Bindungen und die Bewältigung von Trennungen sind lebenslang die
schwierigsten seelischen Aufgaben des Menschen. Sie erfordern gerade am Lebensbeginn von
allen verantwortlich Beteiligten hohe Sensibilität und ein Wissen um die Verletzlichkeit der
frühen Entwicklung.

Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV). Berlin, Dezember 2007

Weiterführende Literatur:

Christa Meves, Ch.: Geheimnis Gehirn. 2. erweiterte Auflage 2007, Resch Verlag
MEVES,Ch.: Verführt. Manipuliert. Pervertiert. 2. Auflage, Resch Verlag


Kommentar von Herrn Ulrich Bonse, Deutschland:

Die Bundesfamilienministerin will die bestehenden Krippenplätze von jetzt 6% (NRW) auf 30% in 5-6
Jahren aufstocken. Die EU macht solche Vorgaben. Auch die Wirtschaft ist für den Aufbau einer
solchen Infrastruktur. Sie denkt an die sonst nicht unmittelbar mehr zur Verfügung stehenden
weiblichen Arbeitskräfte. Die Psychoanalytikervereinigung rät dringend – aus „Forschungs- und
Erfahrungswissen“ – von diesen Maßnahmen ab. Welche Meinung soll man dazu haben?
Weil die ersten 3 Jahre für das Kind so wichtig sind, soll die Mutter zu Hause bleiben und es
erziehen können. Sie erbringt damit eine volkswirtschaftliche Leistung. Niemand kann diese Leistung
i. d. R. besser erbringen als die leibliche Mutter. Wird diese mütterliche Erziehungsleistung nicht
erbracht, ist viel später sündhaft teurer gesellschaftlicher Reparatur-(unvollkommener Nachhol-)bedarf
fällig!
„Aber wir brauchen das Geld aus dem außerhäuslichen Erwerbsberuf!“ Dann muss der Staat / die
Versichertengemeinschaft das Geld geben (ein Krippenplatz kostet monatlich ja auch 1200 bis 2000
Euro – je nachdem, was man alles einrechnet). Ein „Erziehungsgehalt“! Wie stellen sich die
Befürworter die Finanzierung vor?
„Wir wollen keinen Karriereknick durch die Familienphase!“ Hier hilft das Modell der
„Familienfreundlichen Unternehmen“ (lt. Prof. Kirchhof). Es soll schon 200-300 geben. Diese
garantieren einen gleich w e r t igen (nicht den gleichen) Arbeitsplatz im Unternehmen nach der
Familienphase. Man kann damit sehr gut erfahrenes Personal werben. In der Familienphase haben die
wieder startenden Mütter durchaus „Sozialerfahrung“ und Geschick im Organisieren eines Mini-
Unternehmens, das ein Haushalt darstellt, erworben und sind damit für ein sie wiedereinstellendes
Unternehmen durchaus wertvoll. Das Betriebsklima in solchen Abteilungen, wo mehrere solcher
Mütter arbeiten, wird sehr günstig beeinflusst – so die Berichte der Geschäftsführer.
Tschechien und Schweden machen es schon so in Ansätzen. Genaueres?
Man kann nicht alles von der Warte der Kontrolle der elterlichen Erziehungsversager sehen. Die
mag es geben. Aber wieviele davon ergeben sich aus der Doppelbelastung mit Erwerbsberuf und
Hausfrau- und Mutter-Beruf! Wäre ein Erziehungsgehalt da, würden sich auch diese Fälle stark
reduzieren. Den Rest deckt man durch Erziehungsberatungsstellen ab.
Es wird oft eingewandt: „Die Eltern zweckentfremden dann das Erziehungsgehalt – für
Flachbildschirme, Stereoanlagen und Wodka z. B.!“ Vielleicht hilft hier die „Gutscheinregelung“?
Ignorieren aber der „Krippensituation“ – 2-3 Erzieher/innen auf 15 Kinder, immer wieder
Personalwechsel, in praxi nur 2 echte Kräfte, die zur Verfügung stehen, es schreien immer welche von
den 15 Krippenkindern – und wo gibt es eine Mutter, die gleichzeitig 7-8 Kleinkinder zu betreuen hat!
– ist doch eine Beraubung des Kleinkinds – davon kann man ohne weiteres ausgehen.


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