Nachtwache für Mann, ausgetreten

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alwis
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Nachtwache für Mann, ausgetreten

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Mann, nach schwerem Leiden gestorben, aus der Kirche ausgetreten, Nachtwache auf Wunsch der Angehörigen

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

Begrüßung:
Wir sind nun zusammengekommen, um an den Verstorbenen zu denken, für ihn zu beten und um den Angehörigen in ihrem Leid beizustehen. Wir wollen euch als christliche Gemeinde sagen:
„Ihr seid nicht allein mit eurem Schmerz.“

Ich habe den Verstorbenen oft am Radweg getroffen, wenn er mit seiner Frau oder allein mit seinem Hund spazieren ging. Wir haben nie viel miteinander gesprochen, aber das Wenige war immer freundlich. So habe ich ihn in Erinnerung.

Wir denken in Stille – jeder für sich – an die schönen Dinge, die wir mit Hubert Kogler erlebt haben.
….................

Christina Stürmer, die Popsängerin aus Altenberg bei Linz, hat ein Lied gesungen:
Weißt du, wohin wir geh´n?


Hab´ darüber nachgedacht, hab´die Nacht ohne Schlaf verbracht.
Wie es sein wird nach dem Tod, wenn das große Ende droht.
Ob es einen Himmel gibt? Ob mich dann noch jemand liebt? Wirst du bei mir sein?

Gibt es ein Leben nach dem Leben oder ist es das gewesen?
Auf die größte aller Fragen kann mir keiner die Antwort sagen.

Was wird mit uns gescheh´n, wenn die letzte Nacht anbricht?
Gibt es die and´re Welt, wo Zeit nicht mehr verrinnt?
Sag mir, glaubst du denn daran, dass die Seele leben kann, dass danach noch etwas kommt?

Gibt es ein Leben nach dem Leben, oder ist es das gewesen?
Auf die größte aller Fragen kann mir keiner die Antwort sagen.

Auch wenn keiner die Antwort kennt, die Angst nicht beim Namen nennt:
Ich glaub´ ganz fest daran, dass ich darauf hoffen kann:
Dass die Liebe unendlich ist, dass du wieder bei mir bist, mich in den Armen hältst.

Der Tod am Ende unseres Lebens ist wie eine Geburt in ein neues Leben.

Eine kleine Geschichte kann uns Hinweise geben, wie das Leben nach diesem Leben sein könnte:

Es waren einmal Zwillinge kurz vor der Geburt.
Sagt der eine:
„Ganz schön eng hier. Es wird Zeit für die Geburt, damit wir uns wieder rühren, entfalten und weiterwachsen können.“

Sagt der andere:
„Du wirst doch nicht an ein Leben nach der Geburt glauben?“

Der eine:
„Ja, auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden für das, was draußen kommen wird, vorbereitet.“

Der andere:
„Ich glaube, das ist Blödsinn!“ Es kann kein Leben nach der Geburt geben – wie sollte das denn bitteschön aussehen?“


Der eine:
„So ganz weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?“

Der andere:
„So einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist die Nabelschnur viel zu kurz.“

Der eine:
„Doch, es geht bestimmt. Es wird eben alles nur anders.“

Der andere:
„Du spinnst! Es ist noch nie einer zurückgekommen nach der Geburt. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende, basta.“

Der eine:
„Natürlich weiß keiner, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich bin mir sicher, dass wir dann unsere Mutter sehen werden, und sie wird für uns sorgen.“

Der andere:
„Mutter? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo ist die denn bitte?“

Der eine:
„Na hier – überall um uns herum. Wir sind und leben durch sie, mit ihr und in ihr. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!“

Der andere:
„Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht.“

Der eine:
„Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt.“

Der Tod am Ende unseres Lebens ist wie eine Geburt in ein neues Leben.


Manchen wird es schwerfallen, an einen liebenden Gott zu glauben.
Aber wir dürfen an einen Gott glauben, der uns nahe ist, gerade dann, wenn wir leiden.
Wir wenden uns in unserer Trauer an Gott.
Doch wie sollen wir mit Gott reden? Wie sollen wir beten?
Das haben die Jünger von Jesus auch gefragt. Und er hat ihnen diese Antwort gegeben:

Wenn ihr betet, so sprecht:
Vater, / dein Name werde geheiligt. / Dein Reich komme.
Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen.
Und erlass' uns unsere Sünden; / denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. / Und führe uns
nicht in Versuchung.

Das Vaterunser ist das erste und wichtigste Gebet für uns Jünger Jesu, für uns Christen.
Und weil Jesus auch eine Mutter hatte, die wir sehr verehren, sagen wir auch gerne einen Gruß an Maria und bitten um Ihre Fürsprache bei Ihrem Sohn im Himmel.
Bevor wir beten, fassen wir unseren Glauben im Glaubensbekenntnis zusammen -
im Gotteslob ganz vorne, Nr. 3.

Ich glaube an Gott......

Vater unser....
Gegrüßet seist du, Maria.... - Jesus, der uns den Glauben vermehre
- Jesus, der uns die Hoffnung stärke
Jesus, der uns die Liebe entzünde.

Ehre sei dem Vater.....

Wir beten den Psalm 139 - Leben in Gottes Allgegenwart:
Schon viele Jahrhunderte vor Jesus hat jemand sich Gedanken über den Menschen vor dem allwissenden Gott gemacht. Wir wollen diese Gedanken gemeinsam lesen und nachempfinden, und zwar liest abwechselnd einen Vers die rechte Seite und den nächsten Vers die linke Seite, dann wieder die rechte und so fort.....

HERR, du hast mich erforscht und kennst mich.

2 Ob ich sitze oder stehe, du kennst es. / Du durchschaust meine Gedanken von fern.
3 Ob ich gehe oder ruhe, du hast es gemessen. / Du bist vertraut mit all meinen Wegen.
4 Ja, noch nicht ist das Wort auf meiner Zunge, / siehe, HERR, da hast du es schon völlig erkannt.
5 Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen, / hast auf mich deine Hand gelegt.
6 Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, / zu hoch, ich kann es nicht begreifen.
7 Wohin kann ich gehen vor deinem Geist, / wohin vor deinem Angesicht fliehen?
8 Wenn ich hinaufstiege zum Himmel - dort bist du; / wenn ich mich lagerte in der Unterwelt - siehe, da bist du.
9 Nähme ich die Flügel des Morgenrots, / ließe ich mich nieder am Ende des Meeres,
10 auch dort würde deine Hand mich leiten / und deine Rechte mich ergreifen.
11 Würde ich sagen: Finsternis soll mich verschlingen / und das Licht um mich soll Nacht sein!
12 Auch die Finsternis ist nicht finster vor dir, / die Nacht leuchtet wie der Tag, wie das Licht wird die Finsternis.
13 Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, / hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter.
14 Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. / Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke.
15 Dir waren meine Glieder nicht verborgen, / als ich gemacht wurde im Verborgenen, gewirkt in den Tiefen der Erde.
16 Als ich noch gestaltlos war, / sahen mich bereits deine Augen.
In deinem Buch sind sie alle verzeichnet: / die Tage, die schon geformt waren, als noch keiner von ihnen da war.
17 Wie kostbar sind mir deine Gedanken, Gott! / Wie gewaltig ist ihre Summe!
18 Wollte ich sie zählen, sie sind zahlreicher als der Sand. / Ich erwache und noch immer bin ich bei dir.
19 Wolltest du, Gott, doch den Frevler töten! / Ihr blutgierigen Menschen, weicht von mir!
20 Sie nennen dich in böser Absicht, / deine Feinde missbrauchen deinen Namen.
21 Sollen mir nicht verhasst sein, HERR, die dich hassen, soll ich die nicht verabscheuen, die sich gegen dich erheben?
22 Ganz und gar sind sie mir verhasst, / auch mir wurden sie zu Feinden.
23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, / prüfe mich und erkenne meine Gedanken!
24 Sieh doch, ob ich auf dem Weg der Götzen bin, / leite mich auf dem Weg der Ewigkeit!

Jesus, der du von den Toten auferstanden bist:
Herr, trostlos war für deine Jünger die Zeit nach deinem Tod. Verzweifelt, hilflos und erschüttert mußten sie nun ohne dich leben. Sie wußten nicht mehr ein noch aus. Erst die Botschaft der Auferstehung hat deinen Tod in ein neues Licht gerückt und ihr Leben erleichtert.

Hilflos mußte die Familie zusehen, wie der Mann, der Vater und Opa gelitten hat und gestorben ist. Die Botschaft der Auferstehung schickt einen Lichtstrahl in die Dunkelheit der Trauer, rückt das Leid in ein neues Licht.

Herr Jesus Christus, Deine Auferstehung hat die Welt in ein neues Licht gerückt. Selbst Leid und Tod haben eine neue Dimension erhalten. Im Glauben daran bitten wir dich:

Laß die Angehörigen glauben, daß sie ihn einmal wiedersehen werden.

Vater unser.... Gegrüßet seist du, Maria.... - Jesus, der von den Toten auferstanden ist.... (nur 1x)


Jesus, der du in den Himmel aufgefahren bist.
„Haltet mich nicht fest, ich bin noch nicht zu meinem Vater heimgegangen!“ So hast du, Jesus, deine Jünger ermahnt. Wir dürfen die Toten nicht festhalten. Wir müssen sie freigeben, damit sei heimgehen können zum Vater.

Herr Jesus Christus, du hast dich nicht festhalten lassen, weil du wußtest, daß das letzte Glück dieser Welt nicht auf Erden zu finden ist. Eine neue Heimat, ein größeres Glück erwarten uns. Im Vertrauen darauf beten wir:

Vater unser.... Gegrüßet seist du, Maria.... - Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist.... (nur 1x)

Jesus, der du uns den Hl. Geist gesendet hast
Herr, wenn alles tot erscheint, wenn das Leben erstarrt und die Hoffnung verdorrt ist, dann brauchen wir einen, der uns wieder neu mit Leben und Hoffnung erfüllt. Darum hast du uns den Hl. Geist gesandt als die Kraft und den Beistand, die mit uns sind.

Herr, es ist nicht leicht, in diesen Stunden von der Hoffnung zu sprechen. Trotzdem wollen wir an deiner Verheißung festhalten und bitten dich:
Sende den Angehörigen deinen Geist, deinen Beistand, den Tröster, damit sie Hoffnung schöpfen.
Sende deinen Geist auf uns alle herab, damit wir in der Trauer aus seiner Kraft heraus in rechter Weise helfen und trösten können.

Vater unser.... Gegrüßet seist du, Maria.... - Jesus, der uns den Hl. Geist gesendet hat.

Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat.
Herr, du hast gesagt: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren, glaubt an Gott und glaubt an mich. Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Ich gehe, um euch einen Platz zu bereiten.“
Und mit diesen Worten hast du, Jesus, deine Jünger getröstet. „Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“

Herr, wir bitten dich:
Bewahre die Angehörigen und uns alle vor Verwirrung und Verzweiflung und erfülle uns immer wieder neu mit der Kraft deiner Hoffnung.

Vater unser.... Gegrüßet seist du, Maria.... - Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat.

Wir schlagen das Gotteslob auf, die Nr. 897, von guten Mächten treu und still umgeben.
Dietrich Bonhoeffer hat den Text kurz vor seinem sicheren Tod 1944 geschrieben.
Wir wollen uns daran aufrichten.

Der heilige Paulus schreibt im Brief an die Römer über die Hoffnung auf die zukünftige Welt:

Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.
Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes.
Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.
Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.
Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Kinder Gottes offenbar werden.
Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht?
Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld.


HINWEIS:

Christus – auf ihn bauen und hoffen wir
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